Sport
Sport-Plauderei: Christian Schlipf über Marathon, Abnehmen und die „United Runners of Pfalz“
Christian Schlipf aus Frankenthal-Eppstein startete am Sonntag erstmals beim Berlin-Marathon. Der 32 Jahre alte Chemikant, bei der BASF angestellt, bei den „United Runners of Pfalz“ aktiv, war aber auch als Trainer seines erst zweieinhalb Jahre alten Sohnes Ben gefragt und gefordert. Der startete bei den Bambini.
Sind Sie extra zum Bambini-Marathon nach Berlin gekommen?
(Lacht) Natürlich nicht, mein Sohn Ben hat einfach Spaß am Laufen, und wenn sich Gelegenheit ergibt, dass er irgendwo schon mitmachen kann, dann ist er gerne dabei. Auf dem Flughafen Tempelhof zu laufen, ist ja schon außergewöhnlich. Mein Kleiner war so stolz, als er am Ende die Medaille um den Hals hängen hatte. Es war nach der Teilnahme am Dämmer-Marathon in Mannheim jetzt sein zweiter Lauf. Berlin, das war für ihn natürlich ein ganz besonderes Erlebnis.
Für Sie wohl auch…
Für mich ist schon im Vorfeld ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Ich war noch nie in meinem Leben in Berlin, und jetzt durfte ich gleich einen Marathon laufen. Wow! Darauf bin ich schon stolz. Bei einem Lauf der World Major League und noch in der Hauptstadt, das hat mich schon lange bewegt. Gerade, wenn man von einem kleinen Dorf in solch eine Weltstadt kommt, dann ist das gigantisch.
Hatten Sie in den Vorjahren kein Glück, eine Startnummer für Berlin zu erhaschen?
Ich hatte schon 2017 Interesse angemeldet, 2018 in Berlin zu laufen. Leider hatte ich da kein Losglückj und auch diesmal hatte ich mich schon damit abgefunden, dass ich nicht dabei sein kann.
Warum?
Meine Frau hatte diesmal die Bewerbung für mich übernommen und hatte mir gesagt, dass ich erneut kein Glück hatte. Dann kam aber am Nikolaustag die ganz große Überraschung als sie mir die Startzusage in meine Laufschuhe gesteckt hatte. Die Überraschung ist ihr gelungen, ich war einfach nur glücklich. In Berlin zu laufen, das war die Krönung nach meinen Marathons in Frankfurt und in Mainz.
Wie waren Ihre Eindrücke?
Es war grandios. Auch wenn es im letzten Drittel meines Wettbewerbes nur noch geregnet hatte. Ab Kilometer 36 hatte ich echt keine Lust mehr auf Regen. Berlin aber ist echt Wahnsinn, wie viele Menschen bei diesem Wetter draußen waren. Die Zuschauer haben einen wirklich getragen.
Lebt Ihre Leidenschaft für Marathon schon lange?
Überhaupt nicht. Sport war für mich eher Mord. Noch vor sechs Jahren wog ich über 100 Kilogramm, konnte essen was ich wollte, und die Zigarette durfte auch nicht fehlen. Da hatte man mich fotografiert, da machte es bei mir klick. So kann es nicht weitergehen, sagte ich mir. Ich fing mit Sport an, irgendwann war ein Halbmarathon mein großes Ziel. Als ich das geschafft hatte, dachte ich, wenn du das schaffst, dann schaffst du auch einen Marathon.
Da durften Sie sich zur Belohnung auch mal eine Berliner Currywurst gönnen, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiert ...
Ich habe gestern Mittag eine „Curry“ gegessen. In Berlin muss das schon mal sein. Und ich weiß auch trotz meines Sports und der damit verbundenen Gewichtsabnahme von über 20 Kilogramm, was gutes Essen ist. Dennoch hängt dieses 100-Kilo-Foto daheim am Kühlschrank, was mich zusätzlich abhält, ihn zu öffnen.
Ihre Motivation dürfte jetzt sein, schnellere Zeiten zu laufen?
Nein, überhaupt nicht. Solche Läufe, wie hier in Berlin, die muss man einfach genießen. Nur so hat man auch weiterhin Spaß am Laufen.
Aber ohne konsequentes Training geht es nicht.
Das war auch bei mir ein Problem. Ich habe lange ohne Plan trainiert. Bei meinem ersten Marathon bin ich regelrecht verhungert. Da musste ich was ändern. Zum Glück fand ich mit Markus Weiß, einen Vereinskollegen, der mir einen Trainingsplan schrieb. Das hat mich wieder ein Stück vorangebracht.
Konnten Sie ihre Frau Mareike, die mit Ihrem Sohn und Ihrem Vater an der Strecke stand, noch nicht zum Laufen motivieren?
Ich nicht, aber Monika Kolbenschlag, die gute Fee unseres Vereins, konnte sie schon begeistern, und der kleine Lauftreff am Samstagmorgen im Sportpark am Südweststadion ist für uns schon fast eine Familienangelegenheit. Wie Moni die Leute fürs Laufen begeistern kann, das ist schon beeindruckend. Interview: Jochen Willner