Fußball
Pfälzer Fans vor der WM: Die Freude steigt, die Anspannung auch
Am 12. Juni geht es los, die Flugtickets haben die Fußball-Fans schon. Die Heimreise? Vielleicht am 26. Juni. Der Plan für die Vorrunde steht. Hans-Joachim Toews aus Insheim hat die Hotels mit Hilfe des Deutschen Fußball-Bundes gebucht. Die Nationalmannschaft spielt in Houston gegen Curaçao, in Toronto gegen Elfenbeinküste und in New York/New Jersey gegen Ecuador.
„Nach der Vorrunde organisieren wir dann die Unterkünfte selbst“, betont Toews. Es ist ja nicht klar, in welcher Stadt es weitergeht. Einfach mal auf gut Glück im Voraus buchen, ist nicht möglich, denn kurzfristige Stornierungen sind bei den meisten Anbietern während der WM nicht gestattet. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht in Russland und in Katar mit den Buchungen durch den DFB“, sagt Marco Schäfer.
Pläne in der Schublade
Die Termine für die Rückreise der Fans sind unterschiedlich. Hans-Joachim Toews bleibt auf jeden Fall bis zum Viertelfinale. Die Pläne sind in der Schublade. So könnte es nach der Vorrunde mit dem Zug von New York nach Boston gehen, dort nehmen sich die Fans einen Mietwagen. „Und dann würden wir mit dem Zug nach Philadelphia fahren“, erzählt Norbert Schall. Das Fan-Team bleibt drei Tage in Houston, sechs Tage in Toronto und fünf Tage in New York.
Die WM sorgte bereits im Vorfeld für Gesprächsstoff, weil die Hotelpreise sehr hoch sind. Wie sieht es aus? „Die Hotels in New York sind sehr teuer, gut 300 Dollar pro Nacht“, berichtet Marco Schäfer. Die Hotels in Katar waren billiger, auch Flüge von Dubai nach Katar waren vom Preis her darstellbar. Toews relativiert Bedenken, in Nordamerika komme die teuerste WM aller Zeiten auf die Fußball-Liebhaber zu. „300 Dollar, das sind rund 250 Euro, was will machen?“, sagt er.
Karten für 60 Euro
Die Ticketpreise? Da profitieren die Fanclub-Mitglieder von einem Punktesystem. Je mehr Spiele ein Fan sah, desto mehr Punkte hat er. Hat ein Fan 24 Punkte, dann bekommt er in der Regel eine Karte für 60 Euro bis zum Finale. Das ist zugesichert. „Wir haben ein Spiel, da haben wir Karten für 60 Dollar, also 50 Euro, erhalten. Die anderen Karten für Fans mit weniger Punkten haben 150,160 Euro gekostet“, führt Toews aus.
Mit welchem Budget rechnen die Fans aus der Südpfalz? „Ich habe für die Dauer meines Aufenthaltes, der von dem Erfolg der deutschen Mannschaft und einem längeren Verbleib im Turnier abhängig ist, eine fünfstellige Summe eingeplant“, sagt Norbert Schall. Das Hotel in Toronto ist nach Darstellung der Südpfälzer relativ günstig, New York ist deutlich teuerer, was auch daran liegt, dass das gebuchte Hotel in der kanadischen Metropole weit außerhalb liegt.
Bei der Weltmeisterschaft in Deutschland war Rita Bastian, die aus Bruchmühlbach-Miesau stammt und über Mainz in den Taunus kam, zum ersten Mal bei einem großen Turnier unterwegs, ab 2008 hat sie mit ihrem Mann alle Europameisterschaften und Weltmeisterschaften (bis auf die in Katar) besucht. „2006 hat mir so viel Spaß gemacht, dass wir uns dem Fanclub Nationalmannschaft angeschlossen haben“, erzählt Sebastian. Hat sie Sicherheitsbedenken als Frau? „Wenn man mit der Gruppe reist, und nachts nicht alleine in einer zwielichtigen Gegend rumläuft, passiert einem nichts. Wir passen gegenseitig aufeinander auf.“
Was passiert bei der Ankunft?
Gespannt sind die Fans, wie sich die Ankunft in den USA gestaltet. Dem Vernehmen nach sollen bei der Einreise ja strenge Kontrollen vonstattengehen. „Das Handy soll kontrolliert werden“, sagt Peter Seither. In Toews Kader hat ein Mitstreiter kein Visum erhalten. Er hat auch gehört, dass Kanada bei einem anderen Anhänger aus einem anderen Fanclub nicht mitspielte, die Gattin kommt aus Russland. „Von mir aus können sie mein Handy checken, ich habe damit kein Problem“, sagt Schäfer.
Donald Trump, seine Rolle in der Weltpolitik, dieses Thema halten die Fußball-Fans betont klein. „Ich musste meinen Mann erst überzeugen. Ich habe ihm gesagt, da kann man bald nirgendwo mehr hinfahren. In vielen anderen Ländern sind auch Machthaber“, sagt sie. „Die ganzen politisch aufgeladenen Weltmeisterschaften, da sind wir immer abgeschmiert. Fußball ist Fußball. Vor Katar wurde uns auch die Frage gestellt, wie kann man da hingehen? Ich habe dann gesagt, dies hätte man sechs, sieben Jahre zuvor fragen können“, sagt Schäfer. Von Katar waren alle begeistert. Katar stellte sich dann als die Weltmeisterschaft der kurzen Wege dar, an einem Tag konnte man bis zu vier Spiele sehen. Ein Problem gab es: Da die Fahrer der Kleinbusse die Klimaanlage voll aufdrehten, wurden fast alle krank, da nutzte es auch nichts, sich im Wagen unter deutschen Fahnen zu verstecken.
Klare Meinung zu Manuel Neuer
Eine klare Meinung haben die Fans zur Kadernominierung von Bundestrainer Julian Nagelsmann. „Dass Manuel Neuer dabei ist, das ist ein Skandal“, sagt Toews. „Das geht gar nicht“, unterstreicht Schäfer. Gegen den Torwartroutinier Neuer spricht einiges, meinen die Fans. Auch dass der Freiburger Matthias Ginter nicht berücksichtigt wurde, begreifen sie nicht. „Warum er Sané mitnimmt, verstehe ich überhaupt nicht“, sagt Norbert Schall. Und die Chancen der deutschen Elf? Dass Joshua Kimmich und Co. in der K.o.-Runde früh auf Frankreich treffen könnten, ist allen bewusst. „Eine Prognose? Schwer zu sagen“, meint Schäfer. „Es waren jetzt zwei Turniere, bei denen wir enttäuscht haben, deshalb glaube ich, dass wir diesmal wieder eine gute WM spielen“, erklärt Schall.
Die Zeit in Nordamerika – die Fans nutzen Sie auch zum „Sightseeing“. In Houston ist eine Stadttour geplant sowie eine Fahrt zum „Space Center“, in Kanada besucht das Team mit zwei Bussen die Niagarafälle, in Toronto steht der CN-Tower auf dem Programm. In New York ist zudem ein Fantreffen. Dass die U-Bahn in New York 150 Euro pro Fahrt kosten soll, haben die Fans gehört, das wird aber anscheinend noch geändert.