Gewichtheben
Schroth legt ein Kilo drauf
„Leistungsmäßig war es eine recht durchwachsene Veranstaltung. Ich denke, wir werden bei der Europameisterschaft in Moskau Chancen auf ein paar gute Plätze haben“, bilanzierte Bundestrainer David Kurch im Speyerer Athletenheim nach dem letzten großen Test des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (BVDG) vor der EM, die als Qualifikation für Olympia in Tokio gilt.
Der Ansicht des Bundestrainers war auch Jürgen Spieß, obwohl es für ihn, den BVDG-Vizepräsidenten Sport und Kapitän der Nationalmannschaft, nicht gut lief. Der wohl einzige Großfunktionär des deutschen Sports, der auch aktiv ins Geschehen eingreift, landete nach drei Fehlversuchen im Reißen nicht in der Wertung. Probleme in beiden Oberschenkeln, laut Spieß „Belastungsreaktionen nach wochenlangem Training“, ließen den 37-Jährigen vom AV 03 Speyer im Reißen dreimal an 145 kg scheitern und im letzten Stoßversuch an 170 kg.
Premiere für Schweizer
Zwei Wochen nach dem ersten großen Test in Schwarzach/Baden-Württemberg imponierten in Speyer mehrere der vier Athleten und fünf Athletinnen. Das galt vor allem für Speyers Lisa Marie Schweizer, die erstmals während eines Wettkampfs in Reißen, Stoßen und Zweikampf persönliche Bestleistungen aufstellte und damit das erreichte, was sie während eines Vereinstrainings schon geschafft hatte. Der Bundestrainer: „Sie kann bestimmt noch einige Kilo draufpacken“, sagte Kurch.
Sehr gut vorbereitet präsentierten sich auch die Durlacherin Sabine Kusterer, die als Einzige sechs gültige Versuche hatte, und Nina Schroth vom AC Mutterstadt. Sie meisterte im Stoßen ein Kilogramm mehr (117 kg) als in Schwarzach. Dagegen fand Patricia Rieger (Speyer) nicht gut in den Wettkampf. Nach BVDG-Ansicht hat sie aber „noch über zwei Wochen Zeit, ihre alte Form zu finden“. Simon Brandhuber, der in der Bundesliga für Speyer hebt, brachte mit 261 kg die gleiche Zweikampfleistung wie vor zwei Wochen bei ersten Großtest zustande. Das war bemerkenswert, stand doch der zweite Wettkampf nach einer Knie-Operation nicht in seinem Fokus.
Lang im Reißen sicher
Der Mutterstadter Max Lang erwies sich im Reißen als sehr sicher, steigerte sich von 140 über 143 auf letztlich 145 kg. Danach wollte er auch sehr gute Stoßleistungen bieten, musste aber bei der Anfangslast von 180 kg bleiben. Nicht für die Europameisterschaft qualifizieren konnte sich der Obrigheimer Matthäus Hofmann. Seine 355 kg im Zweikampf reichten nicht für den Start in Moskau.
Die EM in der russischen Hauptstadt hätte schon 2020 stattfinden sollen, wurde wegen der Corona-Pandemie aber auf dieses Jahr verlegt. Bei der bisher letzten Europameisterschaft 2019 im georgischen Batumi waren Simon Brandhuber und Nina Schroth die erfolgreichsten Deutschen. Beide holten dort jeweils zwei Silbermedaillen und einmal Bronze.
Ergebnisse: Lisa Marie Schweizer (AV 03 Speyer; 64,5 kg Körpergewicht) Reißen 100 kg + Stoßen 120 kg = Zweikampf 220 kg. – Sabine Kusterer (KSV Durlach; 64,8 kg) 95 + 115 = 210. – Patricia Rieger (Speyer; 76,5) 96 + 115 = 211. – Nina Schroth (AC Mutterstadt; 83,4) 100 + 117 = 217. – Simon Brandhuber (Speyer; 63,1) 121 + 140 = 261. – Max Lang (Mutterstadt; 73,9) 145 + 180 = 325. - Nico Müller (SV Germania Obrigheim; 83,4) 153 + 175 = 338. – Jürgen Spieß (Speyer; 99,0) 0 + 160 = 160. – Matthäus Hofmann (Obrigheim; 98,0) 163 + 192 = 355.