EM-Tagebuch RHEINPFALZ Plus Artikel Schattensuche in der „Gurken Ecke“

Ein Klassiker auf dem Viktualienmarkt.
Ein Klassiker auf dem Viktualienmarkt.

Die Dachwohnung in München ist heiß, weshalb es Sinn ergibt, früh „uff die Gass“ zu gehen bei diesen European Championships.

Es ist nicht so heiß wie in Ludwigshafen, Kaiserslautern oder dem Rest der Pfalz, aber die Münchner leiden im Moment auch unter der Hitze. Für mich gilt das in besonderem Maße, denn mein Appartement ist direkt unter dem Dach und die Isolierung vermutlich so alt wie das Haus selbst. Aber ich will nicht klagen, schließlich fand ich erst nach langer Suche überhaupt eine bezahlbare Unterkunft in dieser überaus kostspieligen Stadt. Hinzu kommt, dass die Wärme nicht das größte Problem in meinem Appartement ist, aber darüber berichte ich ein anderes Mal.

Wenn es zu Hause zu heiß ist, muss ich auf die Straße – nach diesem Motto bin ich früh „uff die Gass“ und landete schnell bei einem Geheimtipp für München-Besucher: auf dem Viktualienmarkt. Vor allem im Hochsommer ein Muss, denn dort gibt es die beste und natürlichste Klimaanlage der Welt. Große schattenspendende Bäume laden zu einem Rundgang ein und weil sie nicht so ausgetrocknet sind wie die Vegetation in der Heimat, fühlt es sich gut an, unter ihnen entlangzuschlendern.

Angelockt von einer langen Schlange

Der Viktualienmarkt ist bis auf Sonntag täglich geöffnet und bietet mehr als man es von einem handelsüblichen Markt erwarten würde. In der Mitte des Marktes befindet sich, wie sollte es in Bayern anders sein, ein riesiger Biergarten. Um den machte ich am frühen Morgen allerdings einen Bogen und wurde von einer langen Schlange angelockt, die sich vor einer Kaffeerösterei gebildet hatte. Wenn viele Menschen für etwas anstehen, ist das meist ein untrügliches Zeichen, dass sich das Warten lohnt. Beim Genuss eines Kaffees mit einem Extra-Espresso-Schuss stellte ich fest, dass diese Regel weiterhin Bestand hat. Lecker war’s.

Ich passierte den „Tölzer Kasladen“, die „Münchner Suppenküche“ und die „Bäckerliesl“, ehe ich an der „Gurken Ecke“ stehen blieb. Ein ganzer Stand voller Gurken, sollte es so etwas auf dem Viktualienmarkt geben?

Kleiner Etikettenschwindel

Nein, so etwas gibt es nicht, denn der Name des Standes entpuppte sich bei genauerem Betrachten als Etikettenschwindel. Wie mir Stephanie („Stephanie mit ph“), die Dame hinter dem Stand erklärte, seien die selbst eingelegten sauren Gurken schon seit vielen Jahren das Markenzeichen, aber längst nicht mehr das einzige Angebot. Neben den grünen Leckereien gibt es bei der „Gurken Ecke“ eingelegte Oliven, Peperoni, verschiedene Cremes und vieles mehr. Es duftete hier wie überall auf dem Markt wunderbar.

Ich werde in jedem Fall wiederkommen. Wegen des leckeren Kaffees und natürlich wegen des Schattens. Am Wochenende soll es in München noch heißer werden.

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