Leichtathletik
Samantha Borutta, die Frau mit dem Hammer
Mutterstadt, Kienbaum bei Berlin und Köln/Leverkusen – in diesem Dreieck bewegt sich die DM-Zweite 2020 und Zweite der U20-EM von 2019 seit dem Spätherbst. Das Wesentliche hat sich nicht verändert – Samantha lebt und trainiert bei ihren Eltern Anette und Peter. „Etwas anderes könnte ich mir nicht vorstellen, ich brauche das vertraute Umfeld“, sagt sie. Und doch ist vieles neu, was ihr einen Schub in der Leistungsentwicklung geben soll.
Sie begann ein Fernstudium in Wirtschaftspsychologie, wechselte zum TSV Bayer Leverkusen, wo Bundestrainer Helge Zöllkau arbeitet, und in die Sportfördergruppe der Bundeswehr nach Köln – „Hand in Hand“, wie sie sagt –, und sie bezieht monatlich für jeweils knapp zwei Wochen ein Trainingslager in Kienbaum. „Dort war es den Winter über ziemlich kalt“, sagt sie lachend, „aber die Bedingungen sind einzigartig“. Wer sich die Krafträume ansehe, bekäme große Augen, die Laufwege zwischen den Trainingsorten seien gering und das gigantische Wurfhaus mit fünf Hammerwurfanlagen sei einfach genial.
In Kienbaum herrschen beste Trainingsbedingungen
Allein die wissenschaftlichen Auswertungen ihrer Würfe seien ein großes Plus. Jede Drehgeschwindigkeit im Ring, jeder Winkel, werden gemessen, und Drucksohlen liefern Werte über richtige oder falsche Fußstellungen bei den Drehungen. So erfährt sie über die Daten, wie sie in der Technik noch nachjustieren muss. Sie leidet momentan darunter, weil sie mit fünf oder sechs Kilogramm schweren Wurfgeräten arbeitet. „Da geht noch was“, sagt die 69-m-Werferin selbstbewusst, vor allem dann, wenn sie den üblichen Vier-Kilo-Hammer wieder in die Hände nimmt. „In Kienbaum jedenfalls kann ich mich nur aufs Training konzentrieren. Trainieren, schlafen, trainieren, schlafen, das ist mein Rhythmus dort“, erzählt sie. Kochen und andere Alltagsdinge müsse sie nicht erledigen.
Samantha Borutta ist total und täglich auf den Leistungssport konzentriert. „Wenn ich nicht trainiere, fühle ich mich verloren und denke immer, die anderen machen was und ich nicht“, offenbart sie ihren ungebrochenen Ehrgeiz. Dass sie zu viel macht, davor hat sie keine Angst. „Wir achten sehr auf das richtige Maß, auf die Gesundheit. Mein Körper spielt da mit, ich hatte noch nie eine Verletzung.“ Als selbstverständlich sieht sie es an, in Coronazeiten als Mitglied des Perspektivkaders bevorzugt trainieren zu dürfen: „Ich lebe davon, es ist mein Beruf, das verstehen viele oft nicht.“
Für Werfercup in Split nominiert
Im Mai wird sie die deutschen Farben beim traditionellen Werfercup vertreten, der von Leiria nach Split verlegt wurde. Verdient hat sie sich den Nominierungsvorschlag von Helge Zöllkau mit ihren guten Leistungen und dem Sieg (66,50 m) vor drei Wochen gegen Caroline Paesler (66,17 m) und Charlene Woitha (61,80 m).
Ihr Wechsel von der TSG Mutterstadt nach Leverkusen sei ihr nicht leicht gefallen, aber er sei notwendig gewesen, gibt sie zu. Aber sie bleibt Pfälzerin im Herzen und ist froh, dass sie beim AC Mutterstadt ins Krafttraining darf, das ihr Vater, Ex-Ringer Peter Borutta, leitet: „Das ist eine riesen Erleichterung für uns“, gesteht sie.