Handball
Rhein-Neckar Löwen verlieren trotz guter Leistung gegen den THW Kiel
Schöne Geste: Vor dem Spiel überreichte Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann dem Kieler Torhüter Niklas Landin einen kleinen Präsentkorb und ein Löwen-Trikot. Darauf stand: 2012 - 2015. Der Hintergrund: Der dänische Welttorhüter wechselt nach der Saison zurück in seine Heimat zu Aalborg HB, es war sein vielleicht letzter Auftritt in der SAP-Arena, dort begann ja, genau, 2012, seine Deutschland-Tour.
Klasse Leistung von Niklas Landin
Geschenke für den 34-Jährigen – das hinderte Niklas Landin aber natürlich nicht daran, eine abermals klasse Leistung zu zeigen. Vor allem gegen seinen früheren Kameraden Uwe Gensheimer behauptete er sich, Landin hielt in der Anfangsphase vier von fünf Würfen des Linksaußen. Benjamin Helander löste Uwe Gensheimer nach 22 Minuten ab.
Bis zur 13. Minute hielt der Pokalsieger gegen den Titelaspiranten prima mit. Nach einem schlauen Zuspiel von Patrick Groetzki erzielte Lukas Nilsson gar das 6:5. Das sah gut aus.
Danach jedoch übernahmen die Kieler in der mit 13.200 Zuschauern ausverkauften Arena die Initiative. Sie dominierten die erste Halbzeit klar und lagen vier Minuten vor dem Pausenpfiff 13:8 vorne.
Schwierigkeiten im Positionsspiel
Das lag vor allem daran, dass sich die Löwen im Positionsspiel nicht durchsetzen konnten. Immer wieder prallten sie an der Kieler Mauer ab. Welch ein Luxus: Domagoj Duvnjak war nur in der Defensive im Einsatz. Superstar Sander Sagosen spielte erst nach knapp einer Viertelstunde für Eric Johansson. Die Löwen taten sich schwer, die Lücken zu finden.
Und dann: Ein Tor von Niclas Kirkelökke mit der Halbzeitsirene zum 11:15 war das Signal zu einer kleinen Aufholjagd. Die Löwen kamen bissig aus der Kabine, drückten aufs Tempo und waren in der 40. Minute wieder dran. 18:19. Rückraumspieler Lukas Nilsson, der Ex-Kieler, schon beim Final Four in Köln stark, legte seinen vermutlich bislang besten Auftritt für die Löwen seit 2020 hin. „Auch wenn wir verloren haben, machen wir ein gutes Spiel. Wir sind in der Bundesliga wieder in der Spur. Trotzdem dürfen wir nicht so viele freie Chancen vergeben“, sagte der Schwede. Er markierte acht Tore.
Kieler sehr clever
Die Kieler gaben sich keine Blöße. Sie behielten kühlen Kopf. Sie waren clever, hatten immer wieder eine Antwort und zogen erneut davon. „Wir haben unsere Lehren aus der Hinrunde gezogen, als wir nach deutlichen Führungen noch ins Straucheln gerieten“, erklärte Kreisläufer Patrick Wiencek. Seine Mannschaft spielte es ganz cool zu Ende, bestrafte jede kleine Unzulänglichkeit der Gastgeber, bei denen in den letzten zehn Minuten Torhüter David Späth für den guten Mikael Appelgren eingewechselt wurde und toll hielt.
Die allerletzte Chance, das Spiel noch einmal richtig eng zu gestalten, vergab Niclas Kirkelökke beim Stand von 24:27 fünf Minuten vor Schluss. Der Mann mit dem Präsentkorb war bis zum Ende hellwach, auf Niklas Landin ist einfach Verlass. „Der Pokalsieg der Löwen hat bei uns für viel Respekt gesorgt, wir sind mit viel Respekt angereist. Der Lauf von 20:18 auf 23:18 hat uns Sicherheit gegeben. Ich bin heute ein glücklicher Trainer“, betonte Kiels Trainer Filip Jicha. Kollege Sebastian Hinze meinte: „Wir haben 55 Minuten ein gutes Spiel gemacht.“
Pokal ist Geschichte
Vor der Partie zeigte Löwen-Maskottchen Conny den Zuschauern den DHB-Pokal. Geschichte! In der Gegenwart sind die Löwen nun schon seit sechs Bundesliga-Begegnungen ohne Sieg. Der nächste Gegner am Sonntag in einer Woche: der deutsche Meister SC Magdeburg, beim Pokal-Triumph im Endspiel bezwungen.