Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Rassismus in der NFL: Die Geister der Vergangenheit

Durch seinen zweiten Super-Bowl-Titel wird Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes immer mehr zum Gesicht der NFL.
Durch seinen zweiten Super-Bowl-Titel wird Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes immer mehr zum Gesicht der NFL.

Beim Sport ist die NFL über jeden Zweifel erhaben. Bei ihrem gesellschaftlichen Anspruch sieht das manchmal anders aus.

Der 57. Super Bowl war wohl der „schwarzeste“ Super Bowl aller Zeiten. Zum ersten Mal standen sich zwei afroamerikanische Quarterbacks im NFL-Endspiel gegenüber. Der Bedeutung waren sich Patrick Mahomes, Spielmacher der Kansas City Chiefs, und Jalen Hurts von den Philadelphia Eagles bewusst. „Vorbilder“ wollten sie sein – und schwarzen Jungs zeigen, „dass es möglich ist.“ Rihanna, ebenfalls Person of Colour, trat in der Halbzeit auf, nachdem sie vor einigen Jahren ein Engagement noch ablehnte, weil sie mit der Haltung der NFL zur „Black-Lives-Matter“-Bewegung nicht einverstanden war. Die „Black Anthem“ gehört zum Vorprogramm des Super Bowls. Schlimm, dass das alles noch der Erwähnung bedarf.

Mit Inszenierung kennt die NFL sich aus, und in Sachen Sport ist die Liga über jeden Zweifel erhaben, das hat dieser Super Bowl gezeigt. Chiefs und Eagles lieferten ein 73-Punkte-Spektakel mit dem besseren Ende für Kansas City. Das wollen die Zuschauer sehen. Die Football-Fans hierzulande freuen sich, dass kommende Saison der amtierende Champion für ein Spiel nach Deutschland kommen wird.

Grenzwertige Aussage des NFL-Chefs

Doch der gesellschaftliche Anspruch der NFL geht nicht immer mit dem sportlichen Erfolg der Liga einher. Noch heute ist es Standard, dass Vorurteile angewendet werden, wenn Spieler charakterisiert werden. Diese Stereotype seien immer dann zu sehen, wenn schwarze Nachwuchsspieler in die Liga kommen, sagte Mahomes jüngst.

Vor dem Super Bowl rief NFL-Boss Roger Goodell gar die Geister der Vergangenheit, als er betonte, wie stolz er auf die beiden schwarzen Quarterbacks im Super Bowl sei. „Sie können nicht nur rennen, sondern auch komplexe Entscheidungen treffen“, sagte er. Solche Aussagen gelten gemeinhin als rassistisch. Deshalb ist es wichtig, über jede Kleinigkeit zu sprechen, die Vorurteile abbaut. Denn bis das Selbstverständliche nicht mehr erwähnt werden muss, ist es noch ein langer Weg.

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