Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Präsident des Pfälzer Handball-Verbandes befürchtet langfristige Folgen der Corona-Krise

Kurz nach dem Ligastart mit Hygienekonzepten wieder die Pause: Hier trifft Niklas Böckly für die HSG Dudenhofen/Schifferstadt im
Kurz nach dem Ligastart mit Hygienekonzepten wieder die Pause: Hier trifft Niklas Böckly für die HSG Dudenhofen/Schifferstadt im Pfalzliga-Derby gegen den TuS Heiligenstein.

Für rund 16.000 Handballer in der Pfalz geht dieser Tage nichts mehr. Der zweite Lockdown trifft die Vereine. Die Sorgen sind groß. Auch bei Ulf Meyhöfer (58), Präsident des Pfälzer Handball-Verbandes. Er hätte sich zumindest einen Trainingsbetrieb unter Einhaltung von Hygienevorschriften gewünscht. Meyhöfer befürchtet in einem RHEINPFALZ-Interview, dass die Folgen für den Handball langfristig sein werden.

Herr Meyhöfer, der zweite Lockdown trifft die Pfälzer Handballvereine hart. Verstehen Sie die Bedenken und Ängste der Klubs?
Absolut! Ich hätte mir da wie viele eine Differenzierung gewünscht. Dass man den Spielbetrieb und den unmittelbaren körperlichen Kontakt vermeidet, ist nachvollziehbar. Man hätte aber trotzdem gerade für die Kinder und Jugendlichen in den Hallen Trainingsmöglichkeiten bieten können. Auch unter Wahrung der Aha-Regeln. Da haben unsere Vereine sehr viel Aufwand betrieben, hatten gute Hygienekonzepte. Mir ist auch kein Fall bekannt, dass unmittelbar in einem Training oder einer Spielsituation was passiert ist. Coronafälle im Umkreis Sport sind leider meistens der „dritten Halbzeit“ zuzuschreiben, wenn man danach zu dicht aufeinander war.

Haben Sie Angst, dass nach dieser Krise die Kinder und Jugendlichen den Vereinen fernbleiben?
Ja, ich befürchte auch im Handball langfristige Folgen. Die Kinder und Jugendlichen haben seit März kaum noch Sport in den Vereinen getrieben. Zuhause hatten sie im ersten Lockdown nur begrenzte Möglichkeiten. Sie hatten es gerade wieder genossen, dass eine gewisse Normalität eingekehrt war. Dabei haben die Kinder auch sehr gut die Hygienevorschriften eingehalten. Das war beeindruckend, wie achtsam sie da waren. Viele Vereine sind verunsichert. Spätestens jetzt ist es Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, wie künftig der Handball aussehen muss.

Befürchten Sie, dass einige Vereine die Corona-Krise womöglich nicht überstehen werden?
Die meisten Sportvereine und Verbände in Rheinland-Pfalz sind gut organisiert und haben eine gute Finanzplanung. Das ist positiv. Das Problem kommt vermutlich aber im ersten Quartal 2021 zum Vorschein. Dann werden die Mittel knapp. Insbesondere, wenn man dann auch noch eigene Liegenschaften hat und womöglich unvorhergesehene Reparaturen anstehen.

Der Pfälzer Handball-Verband hat den Spielbetrieb unterbrochen. Als Zieltermin für einen Neustart ist der 9. Januar vorgesehen. Glauben Sie, dass dann die Bälle in den Hallen wieder fliegen können?
Ich werde mir da keine Freunde machen. Aber: Aktuell ist die Situation schlimmer als vor dem ersten Lockdown. Ich rechne damit, dass es März, April wird, bis wir wieder richtig Handball im Ligabetrieb spielen dürfen. Ich halte es deswegen nicht für abwegig, darüber nachzudenken, dann aufs Kleinfeld zu gehen, an die frische Luft – wie früher. Wir werden nach wie vor Orte finden, wo Hallen auch dann noch geschlossen sind. Aber natürlich hoffe ich, dass wir vor März wieder Handball spielen dürfen.

Nicht jeder hat aber ein Kleinfeld.
Das ist richtig. Aber auch da gäbe es Möglichkeiten, sich entsprechend auszuhelfen. Das ist ein Lerneffekt aus der Krise: Wir müssen viel flexibler miteinander umgehen, man muss in der Lage sein, bei Bedarf Heimspiele zu tauschen, man muss sich mit Hallen sowie Trainingsmöglichkeiten austauschen.

Hat Ihnen die Corona-Krise auch noch etwas Positives gezeigt?
Ja. Vor allen Dingen, wenn ich an die Zeit nach dem ersten Lockdown denke. Wir haben mit Blick auf Hygienekonzepte von Seiten des Verbandes konzeptionell unterstützt. Erste Vereine haben dann angefangen, Konzepte umzusetzen. Diese haben wiederum ihre Erfahrungen an andere weitergegeben. Da war wirklich ein ganz tolles Miteinander. Die Stimmung im Verband war den Umständen entsprechend sehr positiv. Es hat sich gezeigt, dass gerade im Handball ein solches Miteinander möglich ist.

Sie bemühen sich intensiv auch nach einer einheitlichen Regelung, wenn es um eine Antwort auf die Frage geht, was Profiligen sind. In der Pfalz sind da vier Vereine in der Dritten Handball-Liga betroffen.
Ganz ehrlich: Was da läuft, ist unkoordiniert, unverständlich und enttäuscht mich. Das ist ein Beleg dafür, dass wir als Landesverbandspräsidenten wie Sandwichmanager behandelt werden. Der Deutsche Olympische Sportbund hatte zunächst klar beschrieben, wer zu den Profisportlern gehört und trainieren muss. Dann wird man aber doch alleine gelassen, wieder an den Landessportbund verwiesen, der bei uns gerade wegen des Präsidentenwechsels in der Findungsphase ist. Auch auf Bundes- und Landesebene wird man nur weiterverwiesen.

Ulf Meyhöfer
Ulf Meyhöfer
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