Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzisches Schiedsrichtergespann gehört zum Elitekader des Deutschen Handball-Bundes

Job erledigt: Thomas Kern (rechts) und Thorsten Kuschel.
Job erledigt: Thomas Kern (rechts) und Thorsten Kuschel.

Seit dem 1. Juli 2020 gehört wieder ein pfälzisches Schiedsrichtergespann zum Elitekader des Deutschen Handball-Bundes. Das Duo Thorsten Kuschel (Karlsruhe) und Thomas Kern (Bellheim) opfert seinem Hobby fast die gesamte Freizeit.

Sie haben schon fast alle Hallen in der Handball-Bundesliga gesehen. In der Wunderino-Arena in Kiel war eine der ersten Begegnungen, die Thomas Kern und Thorsten Kuschel nach dem Aufstieg in den Elitekader gepfiffen haben: die Partie des frischgekürten Champions-League-Siegers, dem THW Kiel, und der Eulen Ludwigshafen. Das Duo machte seine Sache gut und ließ auch zu keiner Phase den Eindruck aufkommen, dass es aufgrund seiner heimatlichen Nähe dem pfälzischen Bundesligisten nahestehen würde. Im Gegenteil: Beide wirken stets objektiv, souverän, abgeklärt und sicher in ihren Entscheidungen.

Dennoch müssen sie sich in Zeiten der Pandemie auch als Schiedsrichter auf manche Veränderungen abseits des Spielfeldes einstellen. So wurden schon geplante Spieleinsätze aufgrund von Corona-Fällen abgesagt. Kuschel/Kern nehmen ohnehin das Virus sehr ernst und halten sich auch strikt an die vorgegebenen Maßnahmen. Dennoch sind die beiden, die seit 16 Jahre gemeinsam mit der Pfeife im Diensten des DHB unterwegs sind, glücklich darüber, dass ihre Mühen mit der Aufnahme in den Elitekader belohnt wurde.

Auch Schiedsrichter verzichten auf Gehalt

Sportlich sind die Anforderungen für den studierten Diplom-Ingenieur für Mechatronik, Kern, und dem Pädagogen für Mathematik, Sport und Informatik am Europa-Gymnasium in Wörth, Kuschel, gestiegen. „Wir haben jetzt deutlich mehr Spiele in der Ersten Liga Männer“, erklärte Kern. Sie sind aber auch weiterhin in der Bundesliga der Frauen und in der Zweiten Liga der Männer deutschlandweit unterwegs. Seit dem Aufstieg in den Elitekader leiteten sie bisher 15 Spiele. In den beiden Jahren im Elite-Anschlusskader waren es 40 Partien. So nennen sie es ein Privileg, weiter ihrem Hobby nachgehen zu dürfen und verzichten wie ihre Kollegen bei den Geisterspielen auf 25 Prozent ihrer Spielleitungsentschädigung. Damit tragen die Schiedsrichter, wie viele Spieler und Mitarbeiter der Vereine durch Gehaltsverzicht, zum Fortbestand der Ligen bei.

„Wir haben deutlich mehr Reisen und wenden auch mehr Zeit für die Vorbereitung auf“, erklärte Kuschel. Sie halten sich nicht nur mehrmals wöchentlich mit körperlichem Training fit, sondern bereiten sich auch mental intensiv auf die jeweiligen Partien vor. Nach der Rückkehr erfolgen eine bis zu zweistündige Analyse in Eigenregie, dann der gemeinsame Austausch unter den beiden Kollegen, ehe sich noch die Auswertung mit einem Schiedsrichter-Personalcoach anschließt. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter und aktuelle Ansetzer des Bundesliga-Kaders, Nils Szuka (Hagen), ist derzeit ihr persönlicher Coach, der seine Erfahrungen ebenfalls in die Analyse einbringt. „Es ist unser Ziel, aus jedem Spiel etwas mitzunehmen und zu verbessern“, sind sich Kern und Kuschel einig.

Großes Verständnis der Arbeitgeber

Im Elite-Anschlusskader haben sie alle Anforderungen erfüllt und somit den Aufstieg in den höchsten nationalen Kader der Unparteiischen geschafft. Sich dort zu etablieren, ist ihr Ziel. Deshalb lassen sie auch keine Möglichkeit aus, sich auf allen Ebenen zu verbessern. Für ihre Hobbys finden sie sowohl bei ihren Familien, als auch ihrem Arbeitgeber großes Verständnis. Bundesliga-Schiedsrichter zu sein, erfordert auch Entbehrungen. Einen Grund, weshalb Thomas Kern und Thorsten Kuschel auch ihr ehrenamtliches Engagement im Pfälzer Handball-Verband aufgegeben haben. Kern fungierte viele Jahre als Vizepräsident Jugend. Kuschel initiierte das Young-Referee-Projekt und wirkte als Schiedsrichter-Ausbilder. In der Pandemie unterliegen sie wie alle anderen Akteure in der Ersten und Zweiten Liga einem Testsystem und müssen sich stets zwei Tage vor einem Spieleinsatz testen lassen.

Das Pfeifen ist ihre Leidenschaft, dafür opfern Kuschel und Kern fast ihre gesamte Freizeit. Zuletzt vertraute der Schiedsrichter-Ansetzer des DHB, Wolfgang Jamelle, ihnen ganz besondere Spiele an. Es waren die „Kellerduelle“ in den Ersten Ligen der Männer und Frauen. Sowohl bei der Partie HSC Coburg - Eulen Ludwigshafen als auch beim Duell FSV Mainz 05 - Kurpfalz Bären setzte man auf ihre Erfahrung und Routine. Aufgaben, die sie stets mit hoher Fachkenntnis, aber auch einer Portion Gelassenheit und viel Freude angehen. Thomas Kern und Thorsten Kuschel sind dabei auch vor und nach den Spielen mit den Akteuren der Partie gerne im Gespräch.

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