Boxen RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Ex-Tennistalent kämpft um EM-Titel im Thaiboxen

Treffen am Samstag wieder aufeinander: der Westpfälzer Raphael Steinbacher (rechts) und Logan Jamain aus Paris. Vor einem Jahr b
Treffen am Samstag wieder aufeinander: der Westpfälzer Raphael Steinbacher (rechts) und Logan Jamain aus Paris. Vor einem Jahr besiegte Steinbacher den Franzosen.

Raphael Steinbacher war ein talentierter Tennisspieler. Dann entdeckte er den Kampfsport. Am Samstag kämpft er um den Titel als Europameister.

Er gehörte zu den besten pfälzischen Jugend-Tennisspielern, erreichte zweimal das Tennis-Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“. Die Tennisschläger hat er aber schon vor Jahren gegen Boxhandschuhe getauscht. Raphael Steinbacher ist ein sehr erfolgreicher Thaiboxer geworden. Er hat am Samstag in der Halle der TS Rodalben Großes vor.

Von Kindesbeinen an hat der heute 28-Jährige Tennis gespielt. Aufgewachsen im südwestpfälzischen Waldfischbach-Burgalben, schlug er dort beim TC Grün-Weiß und das erfolgreich. „Ich habe dort die Basics gelernt“, erinnert er sich. Das Talent blieb nicht unentdeckt. Nach seinem Wechsel aufs Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Sportgymnasium spielte er sowohl für seinen Waldfischbacher Heimatverein als auch für den TC Rot-Weiß Kaiserslautern. Als Teenager qualifizierte sich Raphael Steinbacher gleich zwei Jahre (2010 und 2011) hintereinander mit dem Tennisteam der Sportschule fürs Bundesfinale „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin.

Feuer erloschen

Dann erlosch das Feuer für Tennis bei ihm. Steinbacher erinnert sich: „Ein Freund hatte mich 2012 mal zum Boxen und Muay Thai mitgenommen. Da wusste ich, dass ich für Kampfsport brenne.“ Nach dem Abitur 2016 beendete der heutige Polizeibeamte, der am Standort Enkenbach-Alsenborn als Ausbilder arbeitet, die Tenniskarriere zugunsten des Kampfsports. Die Grundlagen – dazu gehören Schläge, Tritte, Würfe und Kicks – lernte er im Knockout-Gym in Rodalben.

Worin besteht der Reiz, eine derart körperliche Sportart zu betreiben? Die Antwort kommt sehr spontan. „Gerade das körperliche, das ganzheitliche Training, die Disziplin und der Reiz, sich mit Konkurrenten körperlich zu messen, das übt eine Faszination aus. Aggression spielt da keine Rolle, es ist rein der sportliche Gedanke“, sinniert er. Im Alter von 17 Jahren bestritt er seinen ersten Kampf und siegte durch K. o. in der ersten Runde. „Trotz Adrenalin und Nervosität. Letztlich konnte ich mein Repertoire abrufen“, erinnert er sich.

Sobald er im Ring steht, fühle er sich wie ein Tiger, sagt Steinbacher. Flucht ist nicht mehr möglich. Das Konzept scheint gut zu sein. In seinen bisher 17 Kämpfen hat Steinbacher zwölf Siege erzielt, bei zwei Niederlagen und drei Unentschieden. Am späten Samstagabend geht es für den Wahl-Mehlinger in der Sporthalle der Turnerschaft Rodalben bei der „Charity Fight Night“ um die Europameisterschaft in der Klasse bis 75 Kilogramm. Die Kampfstätte ist ein „Käfig“, wie das „Oktagon“ auch genannt wird. Seinen Gegner, den Franzosen Logan Jamain, kennt er gut. Vor einem Jahr standen sich die beiden in Saarbrücken gegenüber. Auch diese sportliche Auseinandersetzung entschied Steinbacher in Runde eins durch K. o. für sich.

Experten rechnen mit K. o.

„Ich schätze ihn sehr, ich mag ihn auch, er kämpft sehr technisch und fair“, lobt er seinen Kontrahenten. Im gleichen Atemzug merkt er an: „Ich freue mich auch, ihn in den Boden zu stampfen, und zwar auf faire Art und Weise.“ Die Taktik zu diesem sportlichen Ziel habe er geändert. Es soll sich ja niemand einstellen können, auf das, was Steinbacher an Repertoire auspackt. Auf jeden Fall ist sich der Bewerber um den EM-Gürtel sicher, dass die Zuschauer auf ihre Kosten kommen.

Gekämpft wird übrigens mit hauchdünnen Vier-Unzen-Handschuhen. Die Schläge sind damit extrem hart und wirkungsvoll. Experten gehen davon aus, dass der mit Spannung erwartete Kampf nicht über die angesetzten fünf Runden (à zwei Minuten) gehen wird. Wen am Ende Ringsprecher Stefan Müller zum Sieger küren wird, steht kurz vor Mitternacht fest.

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