Hintergrund
Olympialager der Sportjugend Pfalz abgesagt
Als Peter Conrad und Asmus Kaufmann im vergangenen Herbst von ihrer Vortour nach Japan in die Pfalz zurückkehrten, dachte im Traum keiner daran, dass irgendwer oder irgendwas das Olympische Jugendlager in Ome, rund 60 Zugminuten von den Sportstätten in Tokio entfernt, zum Scheitern bringen könnte. Alles war so schön vorbereitet. „Es war sehr weit gediehen. Wir haben viel Zeit und Arbeit in dieses Unternehmen reingesteckt“, sagt Stefan Leim, der Vorsitzende der Sportjugend Pfalz, „aber letztlich war die Absage der Spiele ja überfällig“.
Und dann ging alles auch ganz schnell: Die japanische Regierung und das Internationale Olympische Komitee einigten sich auf eine Verschiebung der Spiele, was gleichbedeutend mit dem Aus der Reise der pfälzischen Gruppe war. Jeder der 32 jungen Menschen, die sich angemeldet hatten und am 1. April die letzte Rate für die Reise zahlen sollten, wusste das. „Es sollte nicht sein. Ich habe volles Verständnis für die Absage. Ich nehme es, wie es kommt“, sieht David Jäger, der 24 Jahre alte Kunstturner aus Bad Bergzabern, der in Karlsruhe lebt und studiert, die Absage realistisch. Er und all die anderen Teilnehmer wurden von Peter Conrad, dem Abteilungsleiter der Sportjugend, informiert. Zumeist Sportlerinnen und Sportler, die Leistungssport betreiben – Turner, Leichtathleten, Ringer, Reiter, Handballer oder Hockeyer. Sie wünschen sich nun, dass die Reise im kommenden Jahr stattfinden kann. „Ja, ich hoffe darauf, dass ich auch 2021 mitgenommen werde“, sagte David Jäger. Und Maren Franke, die 18-jährige Siebenkämpferin vom LTV Bad Dürkheim, die in Birkenheide lebt, sagt: „Ich will nächstes Jahr unbedingt mit. Ich wollte immer schon zu Olympia, und das ist eine riesige Möglichkeit hinzukommen“. Sie findet die Absage jetzt trotzdem „superschade“.
Es geht auch um viel Geld
„Schritt für Schritt“, sensibel und seriös, informierte Peter Conrad nach der Entscheidung. Es geht ja nicht nur um Emotionalität, um die Enttäuschung jedes einzelnen, es geht ja, so sagt Conrad, „auch um viel Geld“.
Er hatte mit DERTour, dem Veranstalter der Reise, sofort E-Mail-Kontakt aufgenommen, um sich über die Stornokosten und in einem zweiten Schritt über „machbare Bedingungen, die Reise im kommenden Jahr zu realisieren“, auszutauschen. Jetzt schon über Fakten zu reden, dafür ist es zu früh. Peter Conrad aber sagt: „Wir hatten ja einen Plan. Wir wollten zeigen, dass wir von der Sportjugend in der Lage sind, unserer Jugend, unseren Sportlern etwas Besonderes anzubieten. Und das ist ja nun nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben.“
In München 1972 war erstes Olympialager
Bereits 1972 in München, 1992 in Barcelona, 2004 in Athen und 2012 in London hatte die Jugendorganisation des Sportbundes Pfalz Olympialager organisiert. Die diesjährige Reise war für 29. Juli bis 13. August geplant. Die Sportjugend hätte in der Stadt Ome Quartier bezogen, dort in der alten Stadthalle genächtigt, die noch gut in Schuss ist. Peter Conrad hatte vor einem halben Jahr mit Asmus Kaufmann, dem Marketingchef und seit 1. April stellvertretenden Geschäftsführer des Sportbundes, alles besichtigt und in die Wege geleitet. Wegbereiter des Olympialagers war übrigens Alfred Roos aus Boppard, der Vorsitzende des Freundeskreises der Partnerschaft Boppard/Ome. Das Lager war (und ist) in erster Linie als eine internationale Jugendbegegnung gedacht, bei der die Pfälzer vor Ort Jugendliche gleichen Alters aus Japan treffen – zum Kennenlernen und Erleben von Land, Leuten und Kultur. Olympia-Eintrittskarten waren bereits für Wettbewerbe im Beachvolleyball, Turmspringen, Gewichtheben, Ringen, Hockey und Leichtathletik erworben.
Amélie Föllinger schon in Rio dabei
Die Erfahrung eines Olympischen Jugendlagers hat bereits Amélie Föllinger aus Bellheim. Die 19-Jährige, 2016 bei den Europameisterschaften in Berlin Siebte mit der Mannschaft und Achte am Boden, weilte 2016 mit der Sportjugend des Landessportbundes in Rio de Janeiro. „Wenn man weiß, wie solch ein Jugendaustausch ist, dann brennt man natürlich darauf und freut sich“, sagte die Ex-Turnerin: „Es ist schon sehr schade, aber es ist ja klar und verständlich, dass die Spiele im Juli nicht stattfinden können.“ Auch sie möchte gerne im kommenden Jahr dabei sein, „wenn es angeboten wird und es in mein Studium passt“.
Nun macht sich Peter Conrad Gedanken über die Reise im kommenden Jahr. „Wichtig ist aber jetzt, dass wir alle diese Pandemie gut überstehen und bald wieder zur alltäglichen Arbeit und zum normalen Leben zurückkehren können“, sagt er. Wohl wahr.