Schwimmen RHEINPFALZ Plus Artikel Olympiabronze war keine Eintagsfliege: Interview mit Isabel Gose

Gemeinsam mit Oliver Klemet, Florian Wellbrock und Celine Rieder hat Isabel Gose (ganz rechts) bereits die Goldmedaille im Mixed
Gemeinsam mit Oliver Klemet, Florian Wellbrock und Celine Rieder hat Isabel Gose (ganz rechts) bereits die Goldmedaille im Mixed über 4x1500 Meter im Freiwasser gewonnen.

Vor Beginn der Beckenwettbewerbe bei der Schwimm-WM spricht Freiwasser-Staffelweltmeisterin Isabel Gose über verblassende Olympia-Tattoos, über Psychologie und über Malerei.

Frau Gose, mit dem Gewinn der Bronzemedaille über 1500 Meter Freistil bei den Spielen in Paris haben Sie geschafft, was Sie sich so sehr gewünscht haben – ein Gefühl, das Sie, wie Sie sagen, noch einmal erleben wollen. Richtet sich Ihr Fokus also schon auf Olympia 2028 in Los Angeles?
Es ist einfach das Gefühl, dass alles aufgeht, dass sich diese harte Arbeit bezahlt macht. Ob das dann eine Medaille oder Bestzeiten sind, sei mal dahingestellt. Los Angeles ist natürlich das Langzeitziel, aber ich denke da gerne ein bisschen kurzfristiger, von Saison zu Saison.

Sie haben also keinen Vierjahresplan.
Im Groben natürlich schon, klar, und im Hinterkopf sind die Olympischen Spiele sowieso. Aber konkretere Ziele setze ich mir dann, wenn Olympia wirklich wieder auf mich zukommt.

Die olympischen Ringe unterhalb Ihrer linken Schulter – haben Sie sich die vor oder nach den Spielen von Paris tätowieren lassen?
Natürlich danach (lacht). Ich war eine Woche im Urlaub – und danach war der Tattoo-Termin. Dieses Jahr werden sie dann noch mal nachgestochen.

Sind die Ringe denn schon verblasst?
Vor allem das Gelb und das Grün, da soll die Farbe noch mal kräftiger werden.

Einen Vierjahresplan gibt es bei Ihnen nicht faktisch, aber schon prinzipiell. Welchen Stellenwert hat da im nacholympischen Jahr die WM für Sie?
Einen hohen. Ich möchte natürlich zeigen, dass ich weiterhin zur Weltspitze gehöre und dass die Bronzemedaille in Paris keine einmalige Sache war.

„Perfekt, um etwas auszuprobieren“

Ihre Premiere im Freiwasser haben Sie seit Februar schon hinter sich, jetzt bei der WM in Singapur haben Sie Gold mit der Staffel geholt. Hatten Sie diesen Schritt ins freie Gewässer ohnehin geplant oder war das eine spontane Entscheidung?
Eine nacholympische Saison ist perfekt, um etwas Neues auszuprobieren. Das Freiwasser war auch in der olympischen Saison schon mal ein Thema – gerade bei Flo, Oli (Florian Wellbrock und Oliver Klemet, Anmerkung der Redaktion) und mir. Ich konnte mir das eigentlich die ganze Zeit schon vorstellen, speziell die Staffel zu unterstützen.

Das Warmschwimmen im Freiwasser haben Sie hinter sich. Was sind nun Ihre Ziele bei den Beckenwettbewerben?
Im Freiwasser sind wir ganz gut aufgestellt und hatten uns da vorher schon ein bisschen was erhofft. Ich habe alles reingelegt – und jetzt muss ich sehen, wie mein Körper sich nach diesen Strapazen erholt. Es ist ja sehr warm in Singapur. Ich bin erst mal gespannt, wie mein Körper das so verträgt. Und im Becken will ich jetzt zeigen, was ich mir im zurückliegenden Jahr erarbeitet habe.

Psychologische Beratung hat geholfen

Bei Ihrem Bronzerennen in Paris haben Sie unter anderem Ihre Dauerkonkurrentin Simona Quadarella aus Italien besiegt. Die psychologische Hilfe, die Sie in Anspruch genommen haben, hat Ihnen gerade da vermutlich auch weitergeholfen.
Es hat mich schon getriggert, immer hinter Quadarella angeschlagen zu haben. Das ist schon schwierig. Ich arbeite seit Längerem mit einer Sportpsychologin zusammen, und irgendwann haben wir auch diesen Punkt in Angriff genommen. Es heißt ja immer: „Im passenden Moment wirst du sie schlagen.“ Und genau so war’s.

Nehmen Sie diese psychologische Unterstützung noch immer in Anspruch? Oder sagen Sie sich jetzt: „Inzwischen bekomme ich das ganz gut auch selber hin.“
Nein. Das ist so eine never ending story, da sollte man immer dran bleiben. Das gehört einfach zu meiner Routine und ist mir besonders wichtig.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Lukas Märtens, mit dem Sie vier Jahre lang, bis zum Herbst 2023, zusammen waren, aktuell beschreiben?
Wir sind gute Freunde.

Würden Sie sagen, dass Sie sich in verschiedene Richtungen entwickelt haben?
Ja.

„Bei mir stehen noch angefangene Bilder herum“

Persönlich mögen Sie es, einfach mal auf der Couch zu liegen, Serien zu schauen, ins Kino zu gehen oder zu malen. Wie viel Zeit bleibt Ihnen zwischen Training, Trainingslagern und Wettkämpfen zum Beispiel für die Malerei? Und was malen Sie?
Ich male einfach, worauf ich Lust habe. Meine Wohnung ist sehr bunt gestaltet – und dort male ich ganz gerne auf Leinwände, für meine Wohnung. Aber ich bin keine große Künstlerin. Ich mache das wirklich nur, weil’s mir Spaß macht.

Was haben Sie denn zuletzt gemalt? Oder welches Bild ist gerade am Entstehen?
Ich weiß es gar nicht. Im Moment stehen tatsächlich noch ein paar angefangene Bilder bei mir herum.

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