FCK
Nur noch Siege zählen für die Roten Teufel
„Wir sind uns der Lage absolut bewusst. Wenn man nach so vielen Spieltagen da steht, wo wir stehen, ist das kein Zufall. Da muss man der Realität ins Auge sehen und den Abstiegskampf annehmen. Alles andere zählt nicht.“ Das betonte FCK-Trainer Jeff Saibene am Dienstag nach dem 0:0 im heimischen Fritz-Walter-Stadion gegen den ambitionierten Aufsteiger Türkgücü München. Das zwölfte Remis im 21. Spiel. Da werden bei manchem Erinnerungen an die Saison 1995/96 wach, als die Roten Teufel mit 18 Unentschieden erstmals aus der Bundesliga abgestiegen sind.
Ende Januar 2021 heißt der Alltag Überlebenskampf in der Dritten Liga. Der FCK belegt einen Platz im tiefen Keller. „Wir sind im Moment auf einem Tabellenplatz, wo es nicht so leicht ist, wo einem die Ergebnisse nicht einfach so zufliegen“, sagte Rechtsverteidiger Philipp Hercher. Er betonte, der Wille beim Team sei vorhanden: „Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Das kann ich der Mannschaft nicht absprechen.“
Kraus: „Müssen es mit unbändigem Willen erzwingen“
Ähnlich sieht es auch Kevin Kraus, der das Team wieder als Kapitän aufs Feld führte. Spielführer Carlo Sickinger saß gegen Türkgücü auf der Bank. „Der Wille war absolut da, das Spiel zu gewinnen. Das Glück ist momentan vielleicht nicht auf unserer Seite. Da müssen wir jetzt hinkommen“, sagte Kraus. Der Blick des 28-Jährigen ging nach Spielende bereits auf die nächste Partie am Samstag (14 Uhr) gegen den SV Wehen Wiesbaden: „Da müssen wir es mit unbändigem Willen erzwingen. Das wird ein brutal schweres Spiel. Es geht um drei enorm wichtige Punkte.“
Zufrieden zeigte sich Saibene mit der Defensivleistung gegen die Münchner. Nach den vier Gegentoren am Samstag in Dresden ließen die Roten Teufel diesmal wenig zu. „Es war ein Spiel auf Augenhöhe, kampfbetont, mit wenigen Torraumszenen. Ich fand, dass wir defensiv sehr stabil waren“, sagte der 52-Jährige.
Saibene: „Defensiv sehr gut, offensiv zwei klare Chancen“
Ziel des Trainers war es aber auch, die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. Saibene betonte: „Ich fand nicht, dass die Balance heute so schlecht war. Defensiv war es sehr gut, offensiv hatten wir zwei klare Chancen. Dass wir Probleme in der Offensive haben, würde ich nicht sagen. In Dresden haben wir drei Tore geschossen, heute zwei, drei gute Chancen gehabt – gegen einen sehr disziplinierten Gegner, der dreimal hintereinander zu null gespielt hat. Da muss man sich erst einmal Chancen kreieren.“ Kenny Prince Redondo nach klasse Vorarbeit Jean Zimmers (5.) und Zimmer selbst nach gutem Konter über Marlon Ritter und Marvin Pourié (32.) hatten das 1:0 auf dem Fuß, brachten den Ball aber nicht am starken Türkgücü-Schlussmann René Vollath vorbei im Tor unter. „Das sind die Momente, die uns derzeit ein bisschen abgehen, wo wir die Entscheidung nicht machen. Daran müssen wir arbeiten, effektiver werden“, forderte der Trainer.
Auch Philipp Hercher, der auf der rechten Bahn engagiert spielte, hatte nach der Partie diese zwei Szenen im Kopf: „Wir hatten in der ersten Halbzeit zwei ganz klare Torchancen. Wir machen das 1:0 nicht, das wir heute sehr gebraucht hätten.“ So richtete auch der 24-Jährige den Blick bereits auf das Heimspiel gegen Wiesbaden: „Wir müssen den Bock jetzt irgendwie umstoßen, müssen drei Punkte holen.“
Schneller Offensivspieler soll kommen
Auf das 13. Unentschieden hat keiner Lust beim FCK. Auch nicht Sportdirektor Boris Notzon, der schon lange in der Kritik vieler Fans steht. So oder so – selbst Tore schießen und Großchancen verwerten – oder nicht wie auch gegen Türkgücü, dafür sind sie ganz persönlich nicht zuständig. Aber Trainer (und Sportdirektoren) werden bei Misserfolg eben gerne ausgetauscht, gerade beim FCK.
Notzon arbeitet derweil intensiv an der Verpflichtung eines schnellen Offensivspielers zur Unterstützung von Stoßstürmer Marvin Pourié und ist „optimistisch, sehr bald eine Lösung präsentieren zu können“.
