Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Nadine Keßler: Wie sich die Pfälzerin für mehr weibliche Vorbilder einsetzt

Auf der Suche nach einem neuen Sport-Geschäftsführer erteilte Nadine Keßler dem DFB im vergangenen Jahr eine Absage. Stattdessen
Auf der Suche nach einem neuen Sport-Geschäftsführer erteilte Nadine Keßler dem DFB im vergangenen Jahr eine Absage. Stattdessen trat Andreas Rettig (rechts) die Bierhoff-Nachfolge an. Beim Karriereforum in Frankfurt waren beide zu einer Podiumsdiskussion geladen.

Während ihrer aktiven Karriere zählt Nadine Keßler zu den besten Mittelfeldspielerinnen der Welt. Heute verantwortet die ehemalige Weltfußballerin als Uefa-Direktorin in der Schweiz den Frauenfußball. Ihre Pfälzer Wurzeln hat sie trotz internationaler Karriere nicht vergessen.

Die Ex-Nationalspielerin Nadine Keßler verkörpert heute, was ihr selbst als junges Mädchen oft gefehlt habe – ein weibliches Vorbild in einer von Männern dominierten Fußballwelt. Ihre sportliche Karriere hat Strahlkraft: Mit dem 1. FC Saarbrücken gelang der Pfälzerin zweimal der Aufstieg in die Bundesliga. Während ihrer Zeit bei Turbine Potsdam und dem VfL Wolfsburg gewann die Mittelfeldspielerin viermal die deutsche Meisterschaft sowie dreimal die Champions League. 2013 wurde sie mit dem DFB-Team Europameister in Schweden und im Jahr darauf zur Weltfußballerin des Jahres gewählt.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Heute wirkt die Ex-Sportlerin aus Weselberg in der Südwestpfalz abseits vom Platz als Uefa-Direktorin im schweizerischen Nyon. Dort ist sie hauptverantwortlich für den Frauenfußball – von der Frauen-EM bis hin zu Jugendwettbewerben.

Im Herzen eine Pfälzerin

Auch die EM der Männer lässt sie sich nicht entgehen. Für das sportliche Großereignis hat die 36-Jährige die Schweiz gegen ihre Heimat eingetauscht und im elterlichen Zuhause in Weselberg Quartier bezogen. „Ich fahre von dort aus dann immer zu allen EM-Spielen und nutze die Zeit, um Weselberg und der Pfalz Hallo zu sagen“, erzählt die ehemalige Fußballerin. Trotz internationaler Karriere hat sie nicht vergessen, wo ihre Wurzeln sind: „Einmal Pfälzer, immer Pfälzer. Das geht auch nicht weg und das ist auch gut so.“

Nicht nur ihre Heimat trägt sie im Herzen, auch die Liebe zum Sport begleitet sie schon lange. Bereits als Kind sei sie „fußballverrückt“ gewesen. Und das, obwohl damals kaum Frauen in der Fußballwelt sichtbar waren, die diesen Karriereweg vorgezeichnet hätten. Ihre Vorbilder seien deshalb meist männlich gewesen, erinnert sich Keßler. Seitdem hat sich viel getan. Aber noch nicht genug, findet die Uefa-Direktorin.

Trainerinnen-Karriereforum soll Türen öffnen

„Ich glaube, das Thema weibliche Vorbilder ist extrem wichtig, egal ob wir über Spielerinnen, Trainerinnen oder Funktionärinnen reden. Nur wenn Frauen tatsächlich in diesen Positionen landen, können es auch viele andere sehen und ihnen nacheifern“, sagt die Weselbergerin aus voller Überzeugung. Großer Nachholbedarf bestehe bei der Ausbildung von Trainerinnen. Dass Sabrina Wittmann als erste Cheftrainerin im deutschen Männer-Profifußball ab dieser Saison beim FC Ingolstadt wirken wird, sei eine absolute Seltenheit. Und genau davon brauche es mehr. Nicht nur, um Vorbilder zu schaffen, sondern auch, um Kritikern, die Frauen ihre Qualifikation für die Rolle absprechen wollen, das Gegenteil zu beweisen, sagt Keßler.

Beim Uefa-Trainerinnen-Karriereforum auf dem DFB-Campus in Frankfurt hatten Trainerinnen, Vereine und Funktionäre die Möglichkei
Beim Uefa-Trainerinnen-Karriereforum auf dem DFB-Campus in Frankfurt hatten Trainerinnen, Vereine und Funktionäre die Möglichkeit, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Damit die Personalie Wittmann kein Einzelfall bleibt und sich die Türen für Trainerinnen in den männlichen Profifußball weiter öffnen, bot die Uefa in Zusammenarbeit mit dem DFB in diesem Jahr zum ersten Mal ein Trainerinnen-Karriereforum an. Eingeladen waren Trainerinnen, die bereits mindestens im Besitz einer B+-Lizenz sind. „Das ist ein Anfang. Unser Ziel ist es, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen und hoffentlich die ein oder andere Trainerin mit einem Klub in Kontakt zu bringen“, erklärt Keßler, die die Uefa bei der zweitägigen Veranstaltung am DFB-Campus in Frankfurt vertrat.

Kaum Beschäftigungsmöglichkeiten für Trainerinnen

Dass die Wahl bei der Besetzung von Trainerstellen oft auf Männer falle, liege auch daran, dass deutlich mehr qualifizierte Trainer als Trainerinnen zur Verfügung stehen, weiß Nadine Keßler. Mit mehr als 4000 Lizenz-Inhaberinnen nehme der DFB im europäischen Vergleich jedoch eine Vorreiterrolle ein. „Das hat kein anderes Land“, bemerkt die Uefa-Direktorin. Und dennoch würden selbst im Frauenfußball die meisten attraktiven Stellen mit Männern besetzt – Tendenz steigend.

Das Problem sieht Keßler an der Basis: Solange eine qualifizierte Ausbildung nicht zu einer Beschäftigung führe, sei die Trainerinnenlaufbahn nicht attraktiv. „Dann können wir uns Stipendien und andere Fördermaßnahmen auch sparen, wenn du am Ende des Tages nicht deine Brötchen damit verdienen kannst“, kritisiert die 36-Jährige. Um die Beschäftigungschancen künftig zu erhöhen, versuche die Uefa gegenzusteuern. Bei Nationalmannschaftswettbewerben der Frauen etwa schreibt der Kontinentalverband vor, dass mindestens eine Trainerposition mit einer Frau besetzt werden muss. Obwohl es am Ende immer darum gehe, den besten Kandidaten für die jeweilige Position zu besetzen, seien solche Schritte notwendig, um Trainerinnen den Weg in den Profifußball zu ermöglichen, betont Keßler.

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