Battenberg
Gegen den Trend: Dieser Pfälzer setzt auf Gastronomie und Weinbau
1996 sind die ersten sieben Doppelzimmer im ehemaligen Gräflich Leininger Hofgut Battenberg eingerichtet worden. Drei zusätzliche Schlafräume für die Gäste kamen 2013 dazu, wie sich der Betreiber Julian Schraut erinnert. Die Corona-Pandemie wurde genutzt, um weitere vier Zimmer zu schaffen. Da auch 14 Suiten für jeweils zwei Personen bald an ihre Kapazitätsgrenze stießen, hat Schraut 2022 in der Alten Straße Gelände erworben. Ein leerstehendes Haus sei entkernt und energetisch aufgepeppt worden. „Es bietet jetzt Platz für zwei 80 Quadratmeter große Ferienwohnungen“, erläutert er die jüngste Investition in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro, die seine Familie „entgegen dem allgemeinen Trend“ getätigt habe. Über das EU-Programm Leader, das Projekte im ländlichen Raum unterstützt, gab es 150.000 Euro für Tourismusförderung durch das Schaffen von nachhaltigen Übernachtungsmöglichkeiten mit Frühstück.
Die Garagen auf dem Nachbargrundstück ließ Schraut abreißen und stellte einen Neubau hin. In dem gut gedämmten Gebäude mit Photovoltaikmodulen auf dem Dach und Luft-Wärmepumpen als Heizung befinden sich auf drei Etagen sechs gleiche Zimmer. Sie umfassen jeweils 35 Quadratmeter zuzüglich eines Bades. Geschickt wurde – nach einem bewährten Konzept – Modernes mit Historischem verbunden. Die Terrassen und Balkone haben Südlage, „man schaut auf den Winterberg oder in die Rheinebene“. Die Wiese auf der 1800 Quadratmeter großen Fläche im hinteren Bereich der Grundstücke wird künftig von vierbeinigen Landschaftspflegern kurz gehalten: vier Thüringer Waldziegen.
Kartoffellager wurde Kulturstätte
Das Frühstücksbuffet wird im etwa 150 Meter entfernten Hofgut aufgebaut. „Die Eier stammen von unseren eigenen Hühnern. Auf besondere Kost und Unverträglichkeiten wird Rücksicht genommen“, erläutert der 57-Jährige. Die Rückmeldungen der Gäste seien durchweg positiv, er könne jede Menge Kurzurlauber, Teilnehmer von Veranstaltungen sowie die Belegschaft von Firmen begrüßen. Unternehmen schätzten die drei Seminarräume, von denen der erste 2016 entstand. „Menschen, die bei uns übernachten, sind der größte Multiplikator für unseren Betrieb“, sagt Schraut. Denn diese Leute würden auch in der Gutsschenke speisen, im Weingut einkaufen und in der Burg feiern. Der sanierte und zur Kulturstätte erhobene Gewölbekeller in der Festungsruine – das einstige Kartoffellager – und die darüber liegende, 2018 eingeweihte Terrasse „Aussichtsreich“ bildeten eine begehrte Event-Location. Allein rund 50 Hochzeiten und Geburtstage fänden dort übers Jahr statt.
Das Lokal mit rund 150 Sitzplätzen, das 1988 als kleine Straußwirtschaft eröffnet wurde, entwickle sich gut. „Bis Ende 2024 hatten wir an fünf Tagen pro Woche geöffnet, seither ist der Dienstag dazugekommen“, so der Betriebs- und Volkswirt, der eine Abteilung bei der Südzucker AG leitet. Im Pfälzer Restaurant-Führer 2026/27 wird die Gutsschenke empfohlen. Das Hauptthema sei, gutes Personal zu finden, so Schraut. „Wir rekrutieren viel aus dem Ausland“, sagt er und nennt die Herkunftsländer der aktuell vier Auszubildenden: Aserbaidschan, Türkei, Marokko, Tadschikistan. „Wir können den Mitarbeitern, ebenso wie den Saisonkräften für die Weinlese, Wohnraum bieten. Momentan sind acht Leute bei uns untergebracht“, berichtet er. Darüber hinaus beschäftige er mehr als 25 Minijobber in der Gastronomie, im Hotel und im Weingut, in dem auch ein hauptberuflicher Winzer angestellt sei.
Rebfläche sechsmal größer als anfangs
Dieser habe nach der kürzlichen Erweiterung der Fläche insgesamt 18 Hektar zu bewirtschaften. Als Otto Schraut, ein hanseatischer Kaufmann, die 1240 erbaute Burg mit den dazugehörigen Gebäuden 1951 erwarb und mit einem großen Bauernhof wieder zum Leben erweckte, waren es drei Hektar Rebfläche. Mit den Produkten von Feld, Weide und Stall wurde das Dorf versorgt. 20 Jahre lang hatten die Schrauts auch das Weingut Dr. Simon in Sausenheim gepachtet. Das wurde unter anderem aus Gründen der Praktikabilität aufgegeben, ebenso wie die Landwirtschaft.
Heute konzentriert man sich auf Wein. „Wir sind breit aufgestellt, haben 17 Rebsorten in 26 verschiedenen Ausbaurichtungen“, berichtet Schraut. Für die edlen Tropfen – durchschnittlich etwa 135.000 Liter pro Jahr –, die nicht in der Gutsschenke verbraucht werden, gibt es Abnehmer in der ganzen Bundesrepublik. Schraut ist froh, dass seine Kinder, darunter die ehemalige Weingräfin Charlotte, viel mit anpacken. Sohn Felix will sogar voll einsteigen. Der 27-Jährige ist gelernter Koch und absolviert ein duales Studium in Eventmanagement.

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