Handball
Mit oder ohne Zuschauer? Eulen Ludwigshafen wollen „klare Regeln“
Es gibt in diesen schwierigen Zeiten auch gute Nachrichten bei den Ludwigshafener Handballern: Da sind beispielsweise die zehn neuen Partner, die der Klub gewinnen konnte – „trotz Corona“, wie Geschäftsführerin Lisa Heßler anmerkt. Und dann nachschiebt: „Das ist keine Selbstverständlichkeit und spricht für die positive Entwicklung der Eulen.“ Äußerst dankbar ist sie auch für bereits 650 verkaufte Dauerkarten, dazu 300 VIP-Tickets. Am liebsten, daraus macht die Geschäftsführerin keinen Hehl, würde sie Fans am 6. Oktober zum ersten Heimspiel in der Friedrich-Ebert-Halle begrüßen.
Da steht auch noch das Derby gegen die Rhein-Neckar Löwen an. Doch ob diese Partie mit Zuschauern ausgetragen wird? Lisa Heßler kennt die Antwort nicht. Sie arbeite aber mit vielen weiteren Personen daran, dass eine Teilzulassung von Publikum machbar ist. „Das Spiel gegen die Löwen ist normalerweise das mit den größten Einnahmen“, weiß Heßler.
Fließt Geld von Seiten der Politik?
Und ihr ist zudem bewusst: „Sollten den Klubs womöglich über Monate hinweg die Ticketeinnahmen komplett oder zumindest zu einem großen Anteil fehlen, dann ist das etwas, was weder die Eulen Ludwigshafen noch eine gesamte Liga oder eine Veranstaltungsbranche auf Dauer aushalten können.“ Düstere Zeiten also?
Die Geschäftsführerin hat die Hoffnung längst noch nicht aufgegeben. Seit einiger Zeit wird an einem Hygienekonzept gearbeitet – auch wenn der Kostenbeitrag hierfür im sechsstelligen Bereich nicht eingeplant war. Zudem ist da die Hoffnung auf Bundesförderung. „Ein tolles Zeichen der Politik, ein erstes richtiges Signal. Sollten wir 80 Prozent der Ticketeinnahmen erstattet bekommen, dann würde das den Eulen helfen“, sagt Heßler. Ob solches Geld aber wirklich auf dem Konto der Eulen ankommen wird, kann sie derzeit noch nicht sagen. „Ein großes Fragezeichen.“
„Mindestens 1000“ Zuschauer in Leipzig
Die Geschäftsführerin wünscht sich in diesen Zeiten auch Unterstützung der Landespolitik: „Die Förderung zumindest des Spitzensports geschieht bei uns nicht so wie in anderen Bundesländern. Ich werde nicht müde zu betonen, welche Bedeutung der Leistungssport an sich hat und damit auch die Eulen Ludwigshafen nicht nur für die Region, sondern für ganz Rheinland-Pfalz haben.“
Was das Thema Zuschauer in der Halle angeht, so schaut Heßler dieser Tage sehr interessiert zum Vorbereitungsturnier „BGV-Handball-Cup“ nach Baden-Württemberg, wo mit Fans in den Hallen gespielt wird. Oder aber zum ersten Ligagegner SC DHfK Leipzig. „Aktuell ist davon auszugehen, dass dort mindestens 1000 Zuschauer in der Halle sein werden. Natürlich muss man hier immer berücksichtigen, wie ist die Halle, die Hallengröße, das lokale Infektionsgeschehen. Trotzdem wird der Ruf nach Einheitlichkeit immer lauter, nach klaren Regeln, auf die wir uns als gesamte Liga, als gesamte Branche verlassen können“, betont die Managerin.
Matschke befürchtet Wettbewerbsverzerrung
Das sieht auch Trainer Ben Matschke so. Sollte in manchen Hallen mit und in anderen ohne Fans gespielt werden, „dann kann das aus meiner Sicht eine Wettbewerbsverzerrung sein“. Wie viele Fans hätte Lisa Heßler denn gerne in der Friedrich-Ebert-Halle? Die Antwort folgt prompt mit einem Schmunzeln: 2350. Doch ein ausverkauftes Haus, das weiß sie natürlich auch, ist in Corona-Zeiten unrealistisch. Pläne mit verschiedenen Platzbelegungen liegen in der Schublade. „Wir müssen der Situation gerecht werden. Ich glaube, mit einem entsprechenden Hygienekonzept und bei entsprechender Disziplin der Besucher könnten 1000 Zuschauer in die Halle. Am Ende werden das aber nicht wir entscheiden.“
Eines betont Heßler aber auch: „Es geht nicht darum, ob wir Gesundheit oder Veranstaltung/Sport stattfinden lassen. Natürlich muss Gesundheit und demzufolge Sicherheit oberste Priorität haben. Gleichzeitig geht es darum, eine Verhältnismäßigkeit zu schaffen und Konzepte zu entwickeln, die verantwortbar, vertretbar und demzufolge auch erklärbar sind.“