Fussball
Mainz 05 und die gute Laune im Abstiegskampf
Jonathan Burkardt musste in den vergangenen beiden Partien ordentlich einstecken. Beim 3:2 in Köln traf Gegenspieler Jorge Meré ihn mit dem Ellenbogen am Kopf, als Folge trug der Mainzer Stürmer eine Gesichtsquetschung davon. Auch beim 2:1 gegen den FC Bayern musste Burkardt vorzeitig das Feld verlassen: Joshua Kimmich hatte ihn mit der Schulter am Kopf erwischt. Burkardt kam nicht zu Schaden, er spielte die erste Hälfte auch zu Ende. Die Teamärzte jedoch mahnten vor dem Hintergrund der Geschehnisse in Köln zur Vorsicht und rieten zu einem Wechsel.
Bis dahin hatte Burkardt seine Schuldigkeit längst getan. Er hatte großartig gespielt und den FSV mit 1:0 in Führung geschossen, wie schon im Hinrundenduell, das die „Nullfünfer“ allerdings mit 2:5 verloren. Zwei seiner drei Karrieretreffer in der Bundesliga erzielte der Blondschopf also gegen den Meister. Nummer drei gelang ihm beim ebenso überraschenden wie wichtigen 2:0 in Dortmund am 32. Spieltag der vorigen Saison. „Es ist schon komisch, dass es gegen Dortmund und Bayern immer geklappt hat“, sagt Burkardt im vereinseigenen 05er-TV. „Vielleicht kommt es mir ein bisschen entgegen, dass die beiden Mannschaften hoch verteidigen und ich deswegen meine Schnelligkeit und meine tiefen Laufwege besser ausspielen kann.“ Selbstredend, sagt Burkardt, schösse er gerne „noch ein paar mehr Tore“ – und auch „gegen kleinere Mannschaften“.
Kein Knick nach schlechteren Leistungen
Burkardt ist nach eigener Einschätzung vorangekommen. „Ich glaube, dass ich mich im Vergleich zur letzten Saison noch einmal weiterentwickelt habe, körperlich bin ich stabiler geworden“, sagt er. „Ich finde mich einfach besser auf diesem Niveau zurecht.“
Seit sieben Spielen ist Mainz 05 unbezwungen. Während dieser Zeit gelangen fünf Siege. 34 Punkte bedeuten Platz zwölf. Ein Erfolg im Nachholspiel gegen die Hertha, und der Vorsprung auf Relegationsplatz 16 würde acht Zähler betragen; in einer begradigten Tabelle eventuell sieben, würde die Hertha in ihren dann noch ausstehenden zwei Nachholpartien vier Zähler ergattern und den 1. FC Köln sowie Arminia Bielefeld überflügeln. Der Verbleib in der Liga ist nah. Und Burkhardt zuversichtlich: „Nach so einer Serie und einem gewonnenen Spiel gegen Bayern ist die Stimmung echt gut. Aber es ist trotzdem diese Arbeitsatmosphäre da, dass man jetzt nicht nachlässt und auch diese Trainingswoche nutzt, um sich gut auf das Hertha-Spiel vorzubereiten.“
Genuss als Pflicht
Burkardt ist gewachsen, Mainz 05 ist gewachsen. „Wir knicken nicht ein, wenn wir vielleicht mal ein schlechteres Spiel machen. Dann werden wir nicht unzufrieden und fallen nicht aus unserem Konzept“, sagt Burkardt. „Ich glaube, viele andere Mannschaften haben im Moment nicht so viel Spaß im Abstiegskampf wie wir.“
Wie sich die coronabedingte Wettkampfpause auf die Form der Hertha auswirkt, vermag Burkhardt nicht zu prognostizieren. Er blickt mit seinen Teamgefährten in eine Wundertüte. „In der Zweiten Liga kommen Mannschaften aus ihrer Quarantäne und gewinnen plötzlich ihre Spiele, in der Dritten Liga verliert Dresden auf einmal 0:3. Es ist unberechenbar.“ Umso mehr gilt das Folgende: „Wir sollten auf uns schauen, damit wir eine gute Leistung bringen.“ Trainer Bo Svensson wird diese Haltung preisen. Nach dem Erfolg gegen die Bayern gab er seiner Elf zwei Tage frei. „Man darf nicht vergessen, Siege auch zu genießen“, sagt er, „denn Siege in der Bundesliga sind für Mainz 05 nicht selbstverständlich.“ Unter Bo Svensson aber wieder sehr viel wahrscheinlicher.