American Football Kelce-Brüder im 57. Super Bowl: Mutti gewinnt auf jeden Fall
Das Football-Trikot, das Donna Kelce trägt, gibt es nicht zu kaufen. Vorne ist es rot, hinten grün. Vorne prangt die „87“, hinten die „62“ – doch der Name, der hinter diesen beiden Nummern steht, ist derselbe: Kelce. Die Vorderseite gehört ihrem Sohn Travis, der bei den Kansas City Chiefs als Tight End spielt, die Rückseite ihrem Erstgeborenen. Jason ist bei den Philadelphia Eagles als Center aktiv.
In diesem Outfit betritt Donna Kelce also die Bühne des Footprint Centers in Phoenix/Arizona, wo der große mediale Aufgalopp für das Endspiel stattfindet. Ihre Söhne bemerken den spontanen Besuch zunächst nicht und sind ins Gespräch mit dem Moderator vertieft. Erst als die Zuschauer in der Basketball-Arena zu johlen beginnen, dreht sich Jason um und umarmt seine Mutter.
An diesem Abend, an dem sich die Kontrahenten des 57. Super Bowls erstmals direkt beschnuppern, sind nicht die Quarterbacks, Wide Receiver oder Trainer die größten Stars. Sondern eine „Mom“. Sie reicht jedem ihrer Söhnen, Jason ist 35 Jahre alt und Travis 33, eine Tupperbox mit selbst gebackenen Chocolate Chip Cookies. Proviant für die Tage bis zum großen Spiel – oder Nervennahrung.
Der Begriff „Kelce Bowl“ ist ihnen lästig
Wenn die Eagles und die Chiefs in der Nacht zu Montag aufeinander treffen, kommt es zum ersten Mal in der Geschichte des Super Bowls zu einem Brüder-Duell. Toll und außergewöhnlich sei es, dass es ihre Jungs in ihrer Karriere bis hierhin gebracht hätten, sagt Mutter Donna: „Ich werde immer schreien, wenn einer von ihnen den Ball hat.“ Bis Mittwochmorgen haben mehr als 178.000 Menschen eine Online-Petition unterzeichnet, die sich dafür einsetzt, dass Donna Kelce vor dem Spiel den Münzwurf vollziehen soll.
Während die Mutter vor Stolz fast platzt, ist die Tatsache, gegen den Bruder um die Krone im American Football zu spielen, für ihre Söhne keine große Angelegenheit. Der „Kelce Bowl“ scheint ihnen gar lästig zu sein, für sie ist die Geschichte bereits überspannt. „O Mann, diese Frage wurde mir gerade schon einmal gestellt“, sagt Travis zwischendurch und klingt etwas genervt. „Wir sind auch nach dem Spiel noch normale Brüder.“ Die vielen Fans auf den Tribünen jubeln derweil, wann immer einer der Kelces auf der Leinwand zu sehen ist. Die Anhänger der Eagles zählen zu den lautesten in der NFL, genauso wie die Fans der Chiefs. Ein Vorgeschmack auf Sonntag?
Großes Interesse am Super Bowl
Überhaupt scheint die Lust der Fans auf den Super Bowl nach zwei Pandemie-Jahren enorm zu sein. 2021 war die Zuschauerzahl stark beschränkt. Im vergangenen Jahr füllte die NFL das Stadion in Los Angeles zwar komplett, das Begleitprogramm im Vorfeld kam jedoch noch etwas abgespeckt daher. Nun sind nach Angaben der NFL bereits 70.000 Menschen am Wochenende vor dem großen Spiel zur interaktiven Fanmeile gepilgert. Nur 2012 zum Super Bowl in Indianapolis zählten die Organisatoren mehr Besucher auf der sogenannten „Experience“. In den Tagen danach ist sie traditionell geschlossen.
„Ehrlich gesagt ist es schon ein Traum, der wahr wird“, sagt Jason Kelce, „und wir können den Fans nur danken, dass sie uns so feiern.“ Zumindest er lässt sich auf das alles bestimmende Thema ein und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen. Ja, früher habe es schon ab und an auch mal ein bisschen gekracht und Ärger mit den Eltern gegeben, wenn mal wieder eine Fensterscheibe durch einen Football zu Bruch gegangen ist, sagt er und lacht. Das können übrigens beide Kelce-Brüder ziemlich gut – genauso wie grimmig dreinschauen mit ihren Vollbärten.
Einen Super Bowl haben beide schon gewonnen
In Cleveland geboren und aufgewachsen, haben beide dasselbe College in Cincinnati besucht. Und beide wurden bei der Talentbörse der besten Nachwuchsspieler vom selben Cheftrainer ausgewählt. Als Jason 2011 an der Reihe war, hieß der Coach der Eagles Andy Reid. Zwei Jahre später hatte er Kansas City übernommen und entschied sich für Travis. Beide Kelces haben auch je einmal den Super Bowl gewonnen, ein zweiter Erfolg kommt vorerst aber nur für einen von ihnen hinzu.
Beide haben den Kelce Bowl auch in ihrem Podcast angesprochen und gefordert, sich mehr auf das Spiel zu konzentrieren. Aber: „Für die Familie ist das ein unglaublicher Moment“, sagt Jason nun. Zumal auch seine Frau, die in der 38. Woche schwanger ist, im Stadion sein wird – und der Gynäkologe ebenfalls. Nicht ausgeschlossen, dass der 57. Super Bowl in vielerlei Hinsicht eine Familienangelegenheit wird.
Normalerweise weiß Donna Kelce in allen Partien, wem sie die Daumen zu drücken hat. Der Mannschaft eben, in der einer ihrer Söhne dabei ist. Nun spielen sie im wichtigsten Spiel überhaupt gegeneinander – und einer wird siegen, der andere verlieren. Das heißt aber auch: Mutti gewinnt auf jeden Fall.