Handball
Katsigiannis spielt nicht für eine bessere Rente
Herr Katsigiannis, Sie kamen vor zweieinhalb Wochen zu den Löwen. Haben Sie sich gut eingelebt?
So langsam kehrt Normalität ein. Die Mannschaft hat mich super aufgenommen, ich weiß, das sagen Spieler immer, das ist so ein Klischee, aber es stimmt, der Verein ist mega-professionell, die Mannschaft hat es mir echt einfach gemacht, mich schnell wohl zu fühlen.
Bei wie viel Prozent sind Sie?
Schwer zu sagen. Ich bin auf jeden Fall weiter als ich beim ersten Spiel gegen Leipzig war. Da habe ich gemerkt, dass alles noch ein bisschen fremd war, die Bewegungen noch nicht gepasst haben. Es fehlte das Mannschaftstraining. Aber mittlerweile bin ich mit der Mannschaft zwei Wochen am Trainieren – und merke schon, dass ich mich meiner Normalform nähere.
Wie lange dauert es gemeinhin – Sie sind schon lange im Geschäft – bis Torhüter und Abwehr eingespielt sind?
Das geht relativ schnell, es ist einfacher einen Torhüter zu integrieren als einen Rückraumspieler, der die ganzen Laufwege lernen muss. Es geht für mich persönlich darum, den Rhythmus wieder zu finden, die Schützen zu lesen, das Gefühl für den Ball zu bekommen. Das dauert. Letztendlich habe ich keine Zeit mehr. Wir haben am Sonntag gegen Balingen ein wichtiges Spiel. Da muss ich da sein.
Die Schützen lesen – das heißt, Sie haben auch zu Hause noch ein bisschen was zu tun?
Nein, es geht nicht um die Videoanalyse. Der Schütze gibt im Spiel Signale von sich, es geht um die Schulterbewegung, um die Armbewegung. Das ist alles, was man als Torhüter verarbeiten kann. Man braucht aber wieder ein wenig Übung, man muss reinkommen, um diese Signale richtig zu lesen und das richtige Timing zu bekommen. Das war das, was bisher noch nicht so stimmte.
Es gab andere Angebote
Sie haben sich im Frühjahr nach fünf Jahren beim HC Erlangen entschieden, noch einmal woanders zu spielen. Dann kam die Pandemie. Hatten Sie mal die Befürchtung, dass Ihre Karriere ganz leise zu Ende geht?
Nein. Ich hatte ja genug Angebote. Es war nur nichts dabei, was mich mega gereizt hat. Deswegen habe ich mich noch entschlossen zu warten, bis etwas Interessantes kommt. Dass es am Ende die Rhein-Neckar Löwen waren, war natürlich kein Szenario.
Die Löwen sichten den Markt, sagte mir Geschäftsführerin Jennifer Kettemann. Würden Sie sagen, Sie brauchen noch einen routinierten Partner oder sagen Sie, ich und die zwei Kleinen, wir schaffen das schon?
Das liegt nicht in meiner Entscheidung. Der Verein wird sicherlich gucken, was sie machen können. Wie ich gehört habe, sind die beiden Jungen sehr, sehr gut.
Ihre Eindrücke bisher von der Bundesliga-Saison?
Die Liga ist ziemlich verrückt. Dadurch, dass halt wegen Corona keine Zuschauer zugelassen sind, fällt ein bisschen der Heimvorteil weg. Wir haben Gott sei Dank zehn Trommler in Mannheim, die viel Krach machen. Aber es fehlt die Unterstützung der Massen. Es war ein wichtiges Spiel gegen Erlangen, der Sieg war ein Meilenstein, weil Erlangen immer ein schwieriges Pflaster ist. 8:2 Punkte sind definitiv ein guter Start. Jedes Spiel ist schwierig, eben durch die besonderen Umstände.
Der Mannschaft helfen
Sie sind 38 Jahre alt. Es gibt viele Beispiele von Torhütern, die wie Sie in fortgeschrittenem Alter noch Top-Leistungen brachten: Thierry Omeyer, Mattias Andersson oder Arpad Sterbik. Gorazd Škof spielt mit 43 Jahren immer noch bei den Eulen. Sehen Sie sich in diesem Kreis?
Da gibt es noch eine Menge mehr, die in hohem Alter Leistung gebracht haben. Ich bin nicht so einer, der sich ein bisschen hinstellen will, um seine Rente aufzubessern. Nein, ich will der Mannschaft helfen und gute Leistungen bringen – weil ich mir selber den Druck auch mache.
Haben Sie für sich gesagt: Ich will noch zwei, drei Jahre spielen?
Ich würde gerne so lange spielen, wie ich kann. Ob das so wird wie bei Gorazd Škof in Friesenheim, das weiß ich nicht. Es ist ein tolles Leben als Handball-Profi, das will man so lange wie möglich genießen.
Der frühere Bundestrainer und heutige TV-Experte Heiner Brand hat sich sehr positiv über Sie am vergangenen Sonntag geäußert. Sie haben bei ihm in der Nationalmannschaft debütiert, richtig?
Ja, das ist richtig, ich habe eine lange Länderspielkarriere mit fünf Länderspielen gehabt. Ich habe mich dann leider verletzt, bin vom Zug heruntergefallen und habe es nicht mehr geschafft, aufzuspringen.
Das wäre meine nächste Frage gewesen: Warum ist es bei fünf Länderspielen geblieben?
Schwer zu sagen. Ich habe, glaube ich, in all den Jahren gute Leistungen gebracht, bin aber nicht wieder eingeladen worden. Ich versuche es immer noch, ich habe es nicht ganz aufgegeben.