Pferdesport RHEINPFALZ Plus Artikel Katharina Hemmer: Das frische Gesicht der deutschen Dressur

Eingespieltes Trio: Katharina Hemmer, Hubertus Schmidt und Denoix 2024 bei den deutschen Meisterschaften in Balve.
Eingespieltes Trio: Katharina Hemmer, Hubertus Schmidt und Denoix 2024 bei den deutschen Meisterschaften in Balve.

Die 31-Jährige greift mit der Equipe kommende Woche nach EM-Gold. Was Arminia Bielefeld damit zu tun hat? Da müssen wir ihren Chef fragen.

Von den Besten lernen. Katharina Hemmer genießt dieses Privileg. Von der Praktikantin im Stall zur Championatsreiterin – sie weiß, dass dieses Märchen ohne ihren Lehrmeister, Mentor und Trainer nie möglich gewesen wäre. „Sie reitet ihn ganz toll“, schwärmt ihr Chef Hubertus Schmidt und ergänzt grinsend: „Es juckt mir nicht mehr in den Fingern.“ Denn 2023, mit stolzen 63 Jahren und nach ein „paar gesundheitlichen Problemen“, gab er sein selbst ausgebildetes und bestes Pferd in die Hände seiner Schülerin. Die Kunst des Loslassens, Hubertus Schmidt, im deutschen Pferdesport ein A-Promi, hat sie hinbekommen. Er wähnte seinen Wallach Denoix bei seiner Vorzeigeschülerin gleich optimal aufgehoben: „Ich habe sie ihn einfach mal vier Wochen reiten lassen.“

Der Beginn einer großen Liebe. „Er ist wirklich ein Herzenspferd und ein besonderer Charakter“, sagt Katharina Hemmer über den nun 13 Jahre alten Wallach. „Ich verbringe viel und gerne Zeit mit ihm. Wenn man sich seine Gunst erarbeitet hat, bekommt man auch viel zurück.“ Die 31-Jährige präzisiert: „Er ist ohne Filter, man kriegt immer ein direktes und ehrliches Feedback.“

Schönes Reiten

Vom Fleyenhof in Borchen im Paderborner Land in die große Turniersportwelt – Katharina Hemmer und Denoix haben nun schon einiges gesehen.

Ihre Nominierung für die EM in Crozet ist der vorläufige Höhepunkt einer ungewöhnlichen Karriere. Verdient hat sich das Paar das internationale Championatsdebüt auf dem üblichen Dressur-Sichtungsweg: Bronzemedaille bei den deutschen Meisterschaften in Balve, zwei fünfte Plätze im Weltklassefeld des CHIO von Aachen sowie ein erheblicher Anteil am Gewinn des Nationenpreises. Und immer mit schönem Reiten, ganz wichtig in Zeiten, in denen der Dressursport mal wieder heftig in der Kritik steht. Schlimme Bilder von mindestes fragwürdigen, mitunter tierquälerischen Trainingsmethoden machen Katharina Hemmer betroffen. Wer sie auf Turniere im Vorbereitungsplatz und dann im Prüfungsviereck sieht, hat immer das Gefühl: Hier besteht absolute Harmonie zwischen Pferd und Reiterin.

Katharina Hemmer und Denoix in Aachen.
Katharina Hemmer und Denoix in Aachen.

Für diese Harmonie steht Ausbilder- und Trainerlegende Hubertus Schmidt mit seinem Namen ein. Der 65-Jährige ist froh, dass sein „Loslassensprojekt“ so gut funktioniert hat. Und in diesem Jahr hat es sogar zwei andere Ereignisse getoppt. Schmidt ist bekennender Fußball- und leidensfähiger Bielefeld-Fan, nach eigener Rechnung mit der Arminia siebenmal auf-, aber auch achtmal abgestiegen. In diesem Jahr ging’s mal wieder nach oben – zurück in Liga zwei – und sogar ins DFB-Pokal-Finale. „Dieser Erfolg der Arminia war natürlich toll, aber die Nominierung von Katharina ist noch einmal eine ganz besondere Freude und für uns alle viel wichtiger“, sagte Schmidt nun dieser Zeitung. Und daran konnte selbst der ganz frische Pokalcoup gegen Werder Bremen nichts ändern.

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