Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Jonathan Scholz will bei Bundesligist Eulen Ludwigshafen vorangehen

Möchte als stellvertretender Kapitän Verantwortung übernehmen und blickt bereits in die Zukunft: Jonathan Scholz, Linksaußen der
Möchte als stellvertretender Kapitän Verantwortung übernehmen und blickt bereits in die Zukunft: Jonathan Scholz, Linksaußen der Eulen Ludwigshafen.

Er ist niemand, der groß im Mittelpunkt stehen möchte. Statt Worten will er lieber Leistung sprechen lassen. Bei Handball-Bundesligist Eulen Ludwigshafen hat sich Jonathan Scholz längst seine Anerkennung verdient. Der 29-Jährige fühlt sich wohl in Ludwigshafen – und ist für eine besondere Kombination dankbar.

Trainer Ben Matschke hat Scholz für die neue Saison zum stellvertretenden Kapitän ernannt. „Das ist eine schöne Auszeichnung für mich. Es ist aber auch nicht wie ein Orden. Solch ein Amt muss mit Leben gefüllt werden, es geht auch darum, mehr Verantwortung für das Team zu übernehmen“, sagt Scholz, der von seinen Teamkollegen, Kameraden und Freunden nur „Johnny“ genannt wird. „Ich traue ,Johnny’ zu, dass er eine sehr prägende Rolle spielen wird“, betont Ben Matschke.

Scholz ist der Stellvertreter von Gunnar Dietrich (34), der seit drei Jahren im Amt ist. Der 29-jährige Linksaußen kam im Sommer 2017 vom Zweitligisten SG/BM Bietigheim zu den damals gerade aufgestiegenen Eulen. Im Juni hat er sich nach dem Saisonabbruch entschieden, seinen Vertrag um ein Jahr bis zum 30. Juni 2021 bei den Eulen zu verlängern. Ein wohlüberlegter Entschluss: „Ich fühle mich wohl hier, habe die Chance, nochmal ein Jahr Erste Bundesliga zu spielen und gleichzeitig zu arbeiten.“ Beruf und Sport auf hohem Niveau verbinden zu können, das mache die Eulen auch einmalig. Der Mann mit der Nummer 11 ist bei der BASF als Maschinenbauingenieur angestellt.

Ein Tor für die Geschichtsbücher

Es ist für ihn ein wichtiger Schritt in die Zukunft. „Mit 29 Jahren macht man sich eben auch seine Gedanken, was nach der Handball-Laufbahn kommen wird. Als Bundesliga-Handballer sind wir finanziell nicht so aufgestellt, dass wir nach unserer Laufbahn davon leben können.“ Scholz kann sich vorstellen, auch nach seiner Karriere in Ludwigshafen zu bleiben.

Seinen Moment für die Ewigkeit hatte der 29-Jährige bei den Eulen am 9. Juni 2019: 28 Sekunden vor Schluss warf Scholz den Siegtreffer zum 31:30 gegen GWD Minden. „Das Wunder von Ludwigshafen 2.0“ war perfekt, der von vielen nicht mehr für möglich gehaltene Klassenverbleib geschafft. „Ein Tor für die Handball-Geschichtsbücher“, bezeichnet es der Trainer. Scholz selbst mag eigentlich nicht so gerne über diesen Moment sprechen, will schon gar nicht nur auf dieses Tor reduziert werden. „Natürlich war das ein toller Moment. Ich konnte mir aber schon letzte Saison nichts mehr dafür kaufen und ich werde mir auch in der kommenden Spielzeit nichts dafür kaufen können.“

Selbstkritischer Testspiel-Rückblick

Stattdessen möchte Scholz viel lieber daran arbeiten, dass den Eulen das nächste Wunder, der nächste Klassenerhalt gelingt. Ob dies dann mit Blick auf 38 Spiele und vier Absteiger womöglich gar die größte Überraschung sein wird? „Die Belastung, die Intensität wird auf jeden Fall höher sein. Wir kennen aber die Situation, im Abstiegskampf zu sein. Das könnte ein Vorteil für uns werden“, sagt der leidenschaftliche Golfer. Seine Hoffnung ist groß, dass in der Friedrich-Ebert-Halle vor Fans gespielt werden kann. „Die Stimmung dort ist großartig.“

Er weiß aber auch, dass bis zum Saisonstart am 1. Oktober bei SC DHfK Leipzig noch einiges an Arbeit vor den Eulen liegt. Das wurde zuletzt auch bei der Testspiel-Tour mit Niederlagen beim Zweitligisten HC Elbflorenz in Dresden (24:28), dem 24:31 bei Ligakonkurrent SC Magdeburg und dem 24:25 gegen Zweitligist ThSV Eisenach deutlich. „Wir haben eigentlich in allen Spielen gut angefangen“, blickt der Linksaußen zurück. Doch dann wurden oft freie Chancen nicht genutzt, die Ludwigshafener machten zu viele technische Fehler. Da geht auch Scholz sehr kritisch mit seiner eigenen Leistung um: „Ich war überhaupt nicht zufrieden mit mir, habe viele Chancen liegengelassen. Da ist eine Steigerung notwendig.“

Zwei Tests am Wochenende

Geht es nach dem 29-Jährigen, dann schon am Wochenende, wenn der Bundesligist wieder zwei Mal testet – jeweils gegen Ligakonkurrenten. Am Freitag (15 Uhr) bei Frisch Auf Göppingen und am Sonntag gegen den TVB Stuttgart (ebenfalls 15 Uhr) in der Günter-Braun-Halle in Ludwigshafen. Beide Spiele werden ohne Zuschauer ausgetragen.

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