WM-Kolumne American Dream RHEINPFALZ Plus Artikel Jeannie und Dallas: Wie amerikanische TV-Serien mein Leben bereicherten

Und gleich blinzelt sie: die bezaubernde Jeannie.
Und gleich blinzelt sie: die bezaubernde Jeannie.

Nicht immer war unser Verhältnis zu den USA so angespannt und belastet wie in diesen Tagen. Nordamerika hat uns geprägt, viele Jahre lang. Unsere Autoren erinnern sich und berichten im „American Dream“ über persönliche Erlebnisse und Begebenheiten mit den drei WM-Gastgebern.

Vielleicht war die bezaubernde Jeannie mein erster Schwarm. Wie soll man das noch genau rekonstruieren? 1967 lief die TV-Serie mit der Schauspielerin Barbara Eden zum ersten Mal in Deutschland im Fernsehen, danach wurde sie immer mal wieder gezeigt. So fing die wunderliche Geschichte an: NASA-Astronaut Tony Nelson (gespielt von Larry Hagman, dem späteren Bösewicht in „Dallas“) wird nach einer missglückten Landung auf eine verlassene Insel im Pazifik verschlagen, auf der er eine Flasche findet. In dieser Flasche haust seit 2000 Jahren ein Geist namens Jeannie, der magische Kräfte besitzt. Jeannie ist eine schöne Frau und sie muss demjenigen gehorchen, der die Flasche öffnet. Also Tony. Und schon beginnt der Schlamassel.

„Bezaubernde Jeannie“ war eine sehr amüsante TV-Serie, und der junge Nichtsblicker lernte früh, dass Frauen ihren eigenen Kopf haben. Ganz schön eifersüchtig können sie auch sein. Eine von Jeannies einfachsten Übungen war es, ihren überforderten Liebsten Tony am Nasenring durch die Manege zu ziehen. Arme verschränken und blinzeln: Frauen können auch zaubern ...

Viele tolle Westernserien

Bald – nach einem schielenden Löwen namens Clarence – kamen die Westernserien mit vielerlei Facetten. „Bonanza“ mit dem unvergesslichen Musik-Intro, die Leute von der „Shiloh Ranch“ oder auch „Rauchende Colts“ mit Ken Curtis als Festus. „Bonanza“ wurde sehr erfolgreich, das Leben auf der Ponderosa-Ranch war ziemlich turbulent. Der nun etwas ältere Zuschauer erkannte rasch, wer die Guten waren und was Zusammenhalt bewirken kann. Die Cartwrights und die Frauen – keine Erfolgsgeschichte. Leider verstarb Schwergewicht Dan Blocker, die Figur des Hoss Cartwright, im Jahre 1972 mit nur 43 Jahren. Der sanfte Riese war ein Publikumsliebling.

Die Familie Cartwright, rechts Dan Blocker.
Die Familie Cartwright, rechts Dan Blocker.

Der nächste Genrewechsel. Alsbald bestimmten Krimiserien das Bild. „Die Straßen von San Francisco“ mit dem später unglaublich erfolgreichen Michael Douglas, „Drei Engel für Charlie“ (wow!) oder Inspektor „Columbo“.

Drei Engel für Charlie.
Drei Engel für Charlie.

Dem Schauspieler Peter Falk widmete Arte kürzlich noch einmal ein Porträt. Wieder etwas gelernt: Es braucht nicht immer Anzug und Krawatte, um schlau auch noch die kniffligsten Fälle zu lösen. Wegen Columbos trotteligen Art wähnte sich mancher Schurke viel zu früh in Sicherheit. Ich trug bei der Arbeit trotzdem Hosenträger statt eines zerknautschten Trenchcoats.

Clever: Inspektor Columbo alias Peter Falk.
Clever: Inspektor Columbo alias Peter Falk.

In den achtziger Jahren folgte dann der aufregende Doppelpack: Dienstags lief „Dallas“ und mittwochs „Der Denver Clan“. Die Herausforderung: Es am Dienstag nach dem Fußball-Training rechtzeitig bis um 21 Uhr pünktlich ins Wohnzimmer zu schaffen. Wir sind in den wilden achtziger Jahren. US-Präsident Ronald Reagan übernahm 1981 das Zepter, der Turbokapitalismus saß in den Startlöchern, Fiesling J. R. Ewing und Cliff Barnes beharkten sich mit allen Mitteln. Macht, Geld, Gier, Sex, Sucht, das alles wurde verhandelt. Es geht auch anders: Im „Denver Clan“ wurde die Hauptfigur Blake Carrington im Laufe der Serie immer softer.

Schnitt. Dann endete meine Zeit vor dem Fernseher, andere Dinge waren von da an sehr wichtig. Erfolgreiche Serien gab es also immer, heute sind diese fast schon inflationär dank Plattformen wie „Amazon“, „Netflix“ oder „Disney +“. Streaming ist ein Trend. Was für eine Flut an gut gemachten Filmen. Für viel Furore sorgte vor einigen Jahren „Homeland“. Auch hier hält der Zeitgeist Einzug. Die Terrorgefahr ist virulent. Die CIA-Analystin Carrie Mathison versucht herauszufinden, ob der aus jahrelanger Geiselhaft befreite Soldat Nicholas Brody von Terroristen zum Schläfer ausgebildet wurde und Anschläge in den USA plant. Doof nur, dass sie sich in ihn verliebt.

Eine Szene aus Homeland.
Eine Szene aus Homeland.
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