1. FC Kaiserslautern
Jean Zimmer: Mit Tupperbox auf Auswärtsfahrt
Die Diagnose war niederschmetterend. Jean Zimmer hatte länger schon gespürt, dass etwas mit seinem Körper nicht in Ordnung ist. Als er genau untersucht wurde, stellte sich heraus, dass er unter einer akut oder chronisch verlaufenden Entzündung des Dick- oder Grimmdarmes leidet. Plötzlich stand sogar die Profilaufbahn des Kapitäns des 1. FC Kaiserslautern auf dem Spiel. „Die Woche im Krankenhaus war ein Cut, ich dachte, ich muss alles ändern, um den Sport ausüben zu können“, sagt Zimmer. Die
Mediziner reagierten sofort. Es folgte eine Cortison-Kur. „Das ging nicht anders“, sagt Zimmer. Als eine der Folgen schwemmte sein Körper auf. Zimmer wirkte, als habe er massenweise Kilos zugenommen. Die Therapie schlug an. Doch sie war nur ein Teil – der Anfang. Denn der Hauptteil wird Zimmer sein Leben lang begleiten. Er darf nicht mehr alles essen und muss seine Mahlzeiten ganz speziell zubereiten. Der in Bad Dürkheim geborene Zimmer befasste sich mehrere Wochen damit, was künftig auf den Teller darf und was nicht. Diese Neuausrichtung der Lebensweise war und ist mühsam. „Ich darf kein Getreide, keine Milchprodukte zu mir nehmen“, betont der Mittelfeldspieler. Bei Fleisch- und Fischmahlzeiten muss das Essen speziell zubereitet werden. „Ein Freund von mir ist Koch. Er greift mir beim Fleisch und Fisch ab und an unter die Arme“, sagt der 28 Jahre alte Zimmer.
Zimmer kocht sein Essen bei Auswärtsspielen vor
Der neue Speiseplan erfordert Disziplin, aber auch Kreativität und Pragmatismus. Bei Auswärtsspielen kocht sich Zimmer etwas vor. „Das nehme ich dann in einer Tupperbox mit“, sagt er. Es klappt gut, die Mahlzeit kann er im Mannschaftsbus in den Kühlschrank stellen. Komplizierter wird es, wenn die Mannschaft fliegt. Dann nämlich ist die Kühlkette unterbrochen. Zimmer nimmt seine Maniok-Nudeln mit und lässt sie vor Ort zubereiten. „Es ist anstrengend und sehr intensiv, denn ich muss mir sehr viele Gedanken machen, was geht und wie“, schildert Zimmer: „Ich merke aber, dass es mir damit gut geht.“
Dazu tragen auch die Spritzen bei. Alle 14 Tage muss Zimmer sich eine Injektion setzen. Die schlaucht ihn. Er sagt sogar: „Das hindert mich extrem.“ Alles ist aber so terminiert, dass die Spritze sich nicht auf seine Leistung auswirkt.
Jean Zimmer hat gelernt, mit der Krankheit zu leben. Er meistert diese Einschränkung bislang ausgezeichnet, zumal die Belastung als Profisportler enorm ist.
Trainingslager in der Türkei: Für Zimmer wird’s hart
Enorm herausfordernd wird für Zimmer das Trainingslager Anfang Januar in der Türkei sein. Dort wird es unter kulinarischem Aspekt ein Fiasko für ihn. „Es wird wohl nichts geben, was ich essen darf, denn sogar das normale Gemüse muss für den Darm speziell zubereitet sein“, betont Zimmer: „Es wird deshalb spannend, wie ich die Woche überlebe.“
Trotz der gesundheitlichen Widrigkeiten bringt Zimmer seine Leistung, gehörte, bis auf die Spiele in Hamburg und Regensburg, immer zur Startelf. In diesen beiden Partien fiel er der Systemumstellung von FCK-Trainer Dirk Schuster zum Opfer. „Klar, dass ich mich nicht glücklich auf die Bank gesetzt habe“, sagt Zimmer.
Der Kapitän ist wieder ein fester Bestandteil der Startelf. Das wird auch gegen den 1. FC Nürnberg am Samstag vermutlich der Fall sein (13 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de, Sky). Dem Klassiker blickt Zimmer mit großer Vorfreude entgegen. Das Stadion wird mit fast 47.000 Zuschauern ausverkauft sein.
„Das ist sehr geil“, freut sich Zimmer, merkt aber an: „Nürnberg hat die letzten drei Spiele gegen sehr ordentliche Gegner zu null gespielt. Wir müssen von Anfang an zeigen, dass wir auf dem Betzenberg sind.“
„Immer geil, wenn ich dabei bin“
Jean Zimmer ist jedenfalls demütig, was die Gegenwart und die Zukunft angeht. „Vor sechs Monaten lag ich mit einer Cortison-Kur im Hospital. Jedes Spiel, jedes Training, das ich mache, macht Spaß. Daran war null zu denken. Jetzt sind wir aufgestiegen, ich als Kapitän der Mannschaft. Da ist es immer geil, wenn ich da dabei bin, am liebsten auf dem Platz.“
Voraussichtlich Ende Januar bringt Zimmers Frau das zweite gemeinsame Kind zur Welt. Der Raum des Nachwuchses ist schon eingerichtet. Und zwar nicht zulasten des Zimmerschen Zockerzimmers. Das ist sein Heiligtum. Und darauf wird er auf gar keinen Fall verzichten.
