FCK RHEINPFALZ Plus Artikel Jean Zimmers Weg zurück: „Es gibt keine perfekte Lösung“

Im Einsatz: Jean Zimmer (rechts) im Duell mit dem für den FSV Zwickau spielenden Can Coskun.
Im Einsatz: Jean Zimmer (rechts) im Duell mit dem für den FSV Zwickau spielenden Can Coskun.

Seit Mitte Dezember des vorigen Jahres hat Jean Zimmer für den 1. FC Kaiserslautern kein Spiel mehr absolviert. Eine chronische Darmerkrankung setzte ihn außer Gefecht. Nun arbeitet der 28-Jährige an seinem Comeback. Mit großer Hoffnung – und einigen Fragezeichen.

Als zu Beginn des Jahres 2021 die Nachricht durch die Pfalz schwirrte, Jean Zimmer werde Fortuna Düsseldorf verlassen und nach Kaiserslautern heimkehren, wenn zunächst auch nur auf Leihbasis und für ein halbes Jahr, da flippte die Anhängerschaft aus. Zimmer ist einer von ihnen, einer, der selbst auf der Westtribüne stand und dem man seine Liebe zum Verein abnehmen kann. Eine Führungs- und Identifikationsfigur wie ihn, das konnten die Roten Teufel gut gebrauchen in dieser verwunschenen Saison, die noch schlimmer werden sollte, als sie es zum damaligen Zeitpunkt schon war. Knapp über dem Strich zu den Abstiegsrängen war der FCK damals in die Winterpause geschlittert, doch nun – mit Zimmer – sollte alles besser werden.

Rasch jedoch begannen Fans zu grübeln. Der da über den Rasen rannte, das war nicht der Jean Zimmer, den sie aus früheren Tagen kannten. Ende Februar, Anfang März spürte Zimmer, selbst das etwas nicht stimmte. Seine Blutwerte waren schlecht, ihm fehlte die Power. Zimmer dachte damals nicht an sich. Aufgrund der brenzligen Lage des Klubs, der immer haltloser der Regionalliga entgegenzutrudeln schien, stellte er seinen Körper und sein eigenes Befinden hintan. Alsbald keimte der Verdacht, sein Unwohlsein könnte vom Darm herrühren. Mal besserte sich sein Befinden, mal wurde es schlechter. Im Dezember 2021 dann drückte Zimmer den Stoppschalter und ließ sich in einem Spital stationär durchleuchten.

Versuch und Irrtum

„Unabdingbar“ sei das gewesen, sagt der 28-Jährige nun der RHEINPFALZ, allein schon, um auch „im Alltag Lebensqualität zurückzuerlangen“. Die Checks lieferten rasch ein klares Ergebnis: Zimmer leidet an einer chronischen Darmerkrankung, die ihn ein Leben lang begleiten wird. Er muss Medikamente einnehmen, versuchen, die Frequenz der Krankheitsschübe so gering wie möglich zu halten. Das ist allein schon deshalb schwer, weil es keinen Königsweg der Therapie gibt. Auch in puncto Ernährung basiert vieles auf dem Prinzip „Versuch und Irrtum“. Einiges vertrage er gar nicht mehr. Hülsenfrüchte, Salat. Vollkornprodukte. Nahrungsmittel, die Säure bilden, sind zu meiden. Für nichts existiert eine Garantie. Nichts ist vorhersehbar. Was heute wirkt, kann morgen den gegenteiligen Effekt hervorrufen. „Es gibt keine perfekte Lösung, ich muss das akzeptieren“, sagt Zimmer, „es hilft nur ausprobieren. Alles andere ist Quatsch.“

Immerhin, die Blutwerte sind mittlerweile „so weit in Ordnung“. Und die Ärzte haben ihm signalisiert: Profisport ist möglich. „Ich kenne Leute, die hatten vier Jahre nichts“, sagt Zimmer hoffnungsfroh. Seit knapp drei Wochen trainiert er wieder, absolviert bereits intensive Individualeinheiten. Es ist sein Ziel, „in dieser Saison noch ein paar Minuten zu sammeln“.

Lieber Stadion als Sofa

Durch den Rückzug von Türkgücü München und einen für den FCK freien 38. Spieltag bleibt ihm weniger Zeit, dies zu realisieren. Der Ausfall des Saisonfinales hat für Zimmer eine bittere Note. Doch nicht nur er hat eine Gelegenheit weniger, sondern auch der gesamte FCK. Sechs Partien bleiben, um ausreichend Punkte für den Aufstieg zu sammeln; um zu vermeiden, dass man am letzten Spieltag ohnmächtig auf Patzer der Konkurrenz hoffen muss. Da er wieder auf dem Platz trainiert, ist Zimmer nun öfter auch in der Kabine und bei der Mannschaft. Ihm selbst tue das gut, sagt er.

Zimmer kann zwar auf dem Rasen nicht helfen, wohl aber als Tippgeber dienen. Was also sagt er einem Kollegen, wenn er spürt, es könnte sich Druck aufbauen? „Man muss einfach nur mal ein Jahr zurückdenken und sich vor Augen führen, wo wir da waren. Da standen unsere Namen in Verbindung mit einem Verein am Abgrund ...“ Nun tun sie es mit einem Klub auf dem Weg in die Zweite Liga. „Ob wir etwas zu verlieren haben? Nix haben wir zu verlieren!“

Bis er wieder mitwirken kann, ist Zimmer Fan. Wie früher. Er steht im Block wie in Mannheim oder sitzt Nägel kauend auf der Tribüne wie zuletzt in Freiburg. „Ich halte es grundsätzlich nicht aus, mir das ansehen zu müssen, ohne es beeinflussen zu können.“ Dann schon lieber Stadion als Sofa.

Im Aufbautraining: Jean Zimmer auf dem Laufband.
Im Aufbautraining: Jean Zimmer auf dem Laufband.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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