Fußball
Im Test: Wenn die Künstliche Intelligenz das deutsche WM-Team nominiert
Am 11. Juni startet die Weltmeisterschaft in den USA, in Mexiko und Kanada. Spätestens dann schlüpfen Millionen deutsche Fans vor den heimischen Fernsehern wieder ins Nationaltrikot und mutieren in Sekundenschnelle zum Bundestrainer. Julian Nagelsmann hat am 21. Mai seinen Kader bekanntgegeben. Bei einigen Personalien schlugen ihm mediale Wellen der Kritik und des Unverständnisses entgegen.
Wie aber sollte eine deutsche Nationalmannschaft aussehen, die bei der nächsten WM eine Chance hat? Es gibt eine neutrale und unbeirrbare Instanz, die auf völliger Datenbasis diese Frage relativ schnell beantworten kann: die Künstliche Intelligenz (KI). Grundlage für die Anfrage, wer denn eigentlich für einen WM-Einsatz befähigt wäre, sind die Daten aus den vergangenen fünf Jahren im nationalen und internationalen Fußball auf Klub und Nationalmannschaftsebene. Mit diesen Daten aus insgesamt sechs Quellen (darunter Fbref, Opta Sports oder Sofascore) in unserem Test hat die KI gerechnet.
Knallharte Analysen
Die Analyse von Gemini, das ist die KI von Google, fällt insgesamt wenig überraschend aus. Sie stimmt überwiegend mit Nagelsmanns Auswahl überein. Im Tor ist Manuel Neuer allerdings nur noch hauchdünn vor Oliver Baumann und Alexander Nübel, weil dem 40-Jährigen in den vergangenen Monaten internationale Einsatzzeit gefehlt hat. Joshua Kimmich, Antonio Rüdiger, Jonathan Tah, Nils Schlotterbeck, Waldemar Anton und David Raum gefallen auch auf dem Rechenbrett, allerdings hätte die KI Leipzigs Benjamin Henrichs („Polyvalent einsetzbar, starke defensive Zweikampfwerte auf beiden Außenbahnen“) und Stuttgarts Maximilian Mittelstädt („extrem hohe Laufbereitschaft, starke progressive Läufe und defensive Stabilität“) den unerfahrenen Nathaniel Brown und Malick Thiaw vorgezogen.
Im Mittelfeld sind Florian Wirtz, Alexander Pavlovic, Angelo Stiller, Pascal Groß, Leon Goretzka und Leroy Sané gesetzt. Die KI hätte aber Leverkusens Robert Andrich Nadiem Amiri und Felix Nmecha vorgezogen und erklärt, dass bei Nagelsmann „eher auf spielerische Elemente (wie Amiri) gesetzt wird. Statistisch ist Andrich jedoch die beste Absicherung gegen den Ball – seine Quote an erfolgreichen defensiven Umschaltaktionen (Restverteidigung) sichert Offensivkünstlern wie Wirtz und Musiala den Rücken,“ schreibt das Tool unbeirrt. Lennart Karl und Jamie Leweling fehlen, hier ist die fehlende Erfahrung in den vergangenen Jahren auf internationalem Parkett das Ausschlusskriterium.
Physis statt Kombinationsspiel
Im Sturm stehen Kai Havertz, Dennis Undav und Maximilian Bayer. Statt Nick Woltemade („liefert gute physische Komponenten im Kombinationsspiel“) setzt das Programm auf Niclas Füllkrug und argumentiert: „Datenbasiert ist Füllkrug bei Rückstand oder tiefstehenden Gegnern wegen seiner Luftzweikampfwerte und physischen Präsenz im Strafraum unersetzbar.“
Und die KI setzt noch einen drauf und nennt es „einen reinen Datenpick“: Sie nominiert völlig überraschend Niklas Beste vom SC Freiburg. „Seine Standards-Statistiken (erwartete Assists bei Freistößen und Ecken) gehören europaweit zur Elite. Beim engen Turnier entscheiden Standards. Nagelsmann verzichtet auf diesen Spezialisten“, begründet die Maschine ein wenig überraschend ihre Wahl. Weht da am Ende ein kühler Hauch von Kritik auch aus den Tiefen des digitalen Arbeitsspeichers?