Fussball
Hoffenheim in Köln – Besuch vom Schreckgespenst
Die fünfminütige Nachspielzeit verbrachte Sebastian Hoeneß fast durchgehend mit tief in den Taschen seines schwarzen Anoraks versenkten Händen. Dann war der Erfolg seiner Elf bei den zähen Kölnern amtlich, die rechte Faust des zuvor so gefassten Hoffenheimer Trainers schoss für einen kurzen Augenblick triumphal nach vorne – und der sportliche Boden für das kommende Wochenende war bereitet: Am Samstag empfängt die TSG Spitzenreiter Bayern München, mit dem frisch vollzogenen Sprung auf Champions-League-Rang vier als passender Einstimmung für das Duell.
Für Modeste war es schwer
„Hoffenheim hat eine sehr starke Mannschaft, für mich als Stürmer war es heute ein schwerer Tag“, fasste FC-Goalgetter Anthony Modeste die aufreibenden Duelle gegen die robuste Defensive der Gäste zusammen. Und während die Kölner im Rennen um die internationalen Plätze einen kleinen Rückschlag einstecken mussten, betonte Stefan Posch, der Siegtorschütze der Kraichgauer: „Natürlich wollen wir da oben bleiben – am liebsten auf Platz vier.“
Als Zeichen gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine betraten die Spieler zu John Lennons Friedenshymne „Imagine“ den Rasen. Vor dem Anpfiff folgte noch eine Schweigeminute – und auf dem Platz zeigten sich beide Teams dann zwar energisch, gingen aber insgesamt recht sorgsam miteinander um. Die erste Verwarnung musste Referee Marco Fritz erst nach einer Stunde – gegen Kölns Dejan Ljubicic – aussprechen. Und Mitte der ersten Halbzeit trafen sich die Trainer Steffen Baumgart und Sebastian Hoeneß vor dem Vierten Offiziellen zu einem freundlichen Plausch.
Raum macht es möglich
Die besten Chancen vor der Pause vergaben Andrej Kramaric und Ihlas Bebou für die TSG, auf Seiten der Kölner drosch Mark Uth den Ball nach einem weiten Pass von Jannes Horn ans Außennetz. Als David Raum im Anschluss an die Gelbe Karte für Ljubicic in der 61. Minute zum Freistoß trat, nahm die achte aufeinanderfolgende Niederlage der Rheinländer gegen die 1899er dann langsam Konturen an. Raum tippte den Ball kurz an, bekam ihn zurückgespielt – und die Flanke des Jung-Nationalspielers drückte Posch per Kopf ins rechte Eck.
Das Kölner Schreckgespenst Hoffenheim spukte mal wieder durch die Arena im Stadtteil Müngersdorf – und es ließ sich bis zum Schluss, trotz einiger Chancen für die Gastgeber, auch nicht mehr vertreiben. Seit zwölf Spielen haben die Hoffenheimer nun nicht gegen Köln verloren. Hoeneß: „Ich traue uns zu, dass wir gegen die Bayern etwas holen können.“
So spielten sie
1. FC Köln: Schwäbe - Schmitz, Kilian, Chabot (89. Duda), Horn (80. Schindler) - Özcan, Skhiri - Ljubicic (72. Thielmann), Uth (89. Lemperle), Kainz (72. Andersson) - Modeste
TSG 1899 Hoffenheim: Baumann - Posch, Grillitsch, Akpoguma (78. Vogt) - Kaderabek, Stiller, Samassékou (90.+2 Adams Nuhu), Raum - Baumgartner, Kramaric (78. Dabbur) - Bebou (56. Rutter)
Tor: 0:1 Posch (61.) - Gelbe Karten: Ljubicic (4) - Grillitsch (6), Baumgartner (4), Dabbur (4), Baumann (1) - Beste Spieler: Özcan, Chabot , Schwäbe - Akpoguma, Posch, Raum - Zuschauer: 37.500 - Schiedsrichter: Fritz (Korb)