Pferdesport
Herzschlagfinale in Mannheim: Das Zielfoto wird vergrößert
Mit dem französischen Stalljockey Bertrand Flandrin im Sattel sicherte sich der Favorit aus dem Iffezheimer Quartier von Gerald Geisler nach einem Herzschlagfinale das mit 7000 Euro dotierte Hauptereignis über 1900 Meter. Mit riesigem Schlussakkord kam die Belgierin Anna van den Troost noch herangerauscht, am Ende musste die Vergrößerung des Zielfotos entscheiden.
Die ganze Bandbreite der Emotionen im Galopprennsport erlebten Alexander und Caroline Pietsch in den ersten drei Rennen des Tages. In der Auftaktprüfung musste der zweifache Championjockey mit über 1300 Lebenssiegen pausieren. Der Fuchswallach Dancing in The Sky machte Schwierigkeiten an der Startmaschine und wurde vom Rennen ausgeschlossen. Während des zweiten Rennens stockte den 6000 Fans der Atem, die von seiner Frau trainierte fünfjährige Stute Sapristi katapultierte ihre Reiterin Jaqueline Laquai aus dem Sattel. Die Amazone aus Karlsruhe blieb zum Glück unverletzt, doch Sapristi lahmte leicht und muss in der Klinik untersucht werden.
„Caro“ feiert ihren Mann
Eine halbe Stunde später dann der große Triumph für „Caro“, wie sie von allen genannt wird: Ihr Ehemann siegte nach einem Glanzritt mit ihrem neuesten Stallinsassen, dem England-Import Rex Carver. Der 53-jährige Jockeyoldie beorderte den dreijährigen Wallach in diesem Ausgleich IV über die Sprintdistanz von 1400 m konsequent an die Spitze, sparte ganz innen etliche Meter und gewann am Ende souverän. Im Januar hatte ihr langjähriger Freund Christian Freiherr von der Recke Rex Carver für rund 3500 Euro erworben. Am Recke-Stall in Weilerswist hatten sich die Pietschs vor 15 Jahren kennen und lieben gelernt. Dort vor den Toren Kölns haben sie sich ein Haus gekauft, dass sie in den ruhigeren Wintermonaten sukzessive runderneuern. Sie gelten als absolutes Vorzeigepaar des deutschen Rennsports, seit vier Jahren sind sie verheiratet.
Auf Schloss Arff bereiten sie jeden Nachmittag rund 30 Jährlinge und Rekonvaleszenten auf ihre Rennkarriere vor, fünf weitere Vollblüter stehen auf der eigenen Trainingsliste. Langweilig wird den Pietschs nicht. Die examinierte Pferdewirtin Caroline Fuchs arbeitet als Bürokauffrau bei einer Kölner Versicherung, ihr Mann ist Privatjockey von Holger Renz. Der Kölner Unternehmer hat seine Pferde auf vier Standorte im ganzen Land verteilt, Pietsch fährt oft mit dem Motorrad zur Morgenarbeit nach Köln oder Iffezheim.
Warum tut er sich diese Knochenarbeit noch an? „Pferde sind unser ganzes Leben, ich fühle mich noch topfit. Auf den kleineren Bahnen im Südwesten bin ich besonders gerne. Da kommt es noch mehr auf das reiterliche Können an und die familiäre Atmosphäre ist einmalig.“