Fussball
Havertz erinnert an den jungen Müller
Kai Havertz taugt sogar zum Coverboy bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Jedenfalls ziert sein Konterfei die Titelseite des in der Pandemie nur digital verbreiteten Länderspiel-Magazins zum WM-Qualifikationsspiel gegen Nordmazedonien (Mittwoch, 20.45 Uhr, RTL).
Selten war der 21-Jährige einem Stammplatz so nah wie im Frühjahr 2021: In Duisburg winkt ihm der dritte Startelfeinsatz hintereinander. Dafür sprechen ein Tor und eine Vorlage bei den ersten Pflichtsiegen gegen Island (3:0) und in Rumänien (1:0).
Auch für Havertz keine leichte Zeit
Hinter dem schon länger als das Toptalent des deutschen Fußballs gehandelten Havertz liegt keine einfache Zeit. „Es ist eine schwere Saison. Ich weiß, dass nicht alles glatt läuft“, gestand er. Der verzögerte Wechsel zum FC Chelsea, die hohe Erwartungshaltung ob der fast 100 Millionen Euro Ablöse, die Restriktionen durch die Corona-Krise, die Turbulenzen durch die Entlassung von Chelsea-Legende Frank Lampard, die Inthronisierung von Thomas Tuchel – und nicht zuletzt der unerbittliche Terminplan eines englischen Spitzenklubs: All das zehrte an Havertz, der sich zudem im Herbst 2020 noch eine Covid-Erkrankung einfing, über die er danach sagte: „Wichtig ist, dass alle verstehen, dass es kein Spaß ist.“
Fehlendes Durchsetzungsvermögen – tatsächlich ein Punkt, an dem der gebürtige Aachener noch arbeiten sollte – wurde ihm im rauen Alltag immer wieder zum Vorwurf gemacht. Sein Mitstreiter Ilkay Gündogan, selbst seit fast fünf Jahren für Manchester City in der Premier League am Ball, konnte ihm da nur beipflichten: Anlaufschwierigkeiten seien ganz normal, „bei dem Alter umso normaler“.
Ihm imponiere, dass Havertz bereits in so jungen Jahren den Wechsel gewagt habe: „Ich würde mir noch mehr Spieler wünschen, die die Reise ins Ungewisse unternehmen, deshalb finde ich das außergewöhnlich.“ Und über die Befähigung des Offensivallrounders müsse man nicht diskutieren: „Sensationell, was für Anlagen er mitbringt.“ Chelsea-Coach Tuchel sieht in Havertz gar einen „einzigartigen Spieler, irgendetwas zwischen einem Neuner und Zehner.“ Bei der Nationalelf trägt er gerade die Zehn.
Jogi Löw preist die Havertz-Qualitäten
Auch Bundestrainer Joachim Löw pries erst am Sonntag wieder die Havertz-Qualitäten „im technischen Bereich und Torabschluss“. Der Spielertyp ist deshalb wichtig, weil die DFB-Auswahl gerade mit einem Dreier-Sturm agiert, in der die Positionen und Laufwege keinen festen Mustern folgen, die Offensive agiere sogar „auf verschiedenen Ebenen“ (O-Ton Löw).
Dafür braucht es Instinktfußballer wie Havertz, der seinen Part nun zweimal von der rechten Angriffsseite fast ähnlich interpretierte wie Thomas Müller beim FC Bayern: immer wieder fallen lassen, häufiger ins Zentrum ziehen.
Daher stellt sich die Frage, ob eine Rückholaktion Müllers ungeachtet dessen unbestrittenen Qualitäten nicht eine wichtige Erfahrung blockieren würde: den EM-Ernstfall für einen der wenigen deutschen Topspieler aus den Jahrgängen 1997/98/ 99. Es liegt an Havertz, bei Löw jetzt noch weitere Argumente nachzureichen mit Blick auf die EM. Aber nicht umsonst sagte er ja selbst: „Jetzt ist es Zeit abzuliefern.“
So spielen sie
Deutschland: ter Stegen - Klostermann, Ginter, Rüdiger, Can - Goretzka, Kimmich, Gündogan - Havertz, Gnabry, Sané
Nordmazedonien: Dimitrievski - Bejtulai, Musliu, Velkovski - Ademi - Ristovski, Bardhi, Elmas, Alioski - Trajkovski, Pandev
Schiedsrichter: Karasew (Russland)