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Handball: Löwen mit Leidenschaft auf der Zielgeraden
Die Rhein-Neckar Löwen haben sich mit einem Sieg auf das Spitzenspiel am Samstag gegen die SG Flensburg-Handewitt eingestimmt. Gegen den Tabellenletzten HSG Nordhorn- Lingen gab es einen 32:28 (16:15)-Erfolg. Wie so oft in dieser Saison war das ein Arbeitssieg. Und: diesmal auch ein Sieg der Leidenschaft.
Eine Woche nach der brutalen Enttäuschung von Lemgo, wo die Löwen beim 25:30 chancenlos waren, gelang die Wiedergutmachung zumindest ansatzweise. Es wurde offenkundig, dass die Mannschaft die Partie noch nicht komplett abgehakt hat. Wie so oft in dieser Spielzeit agierten die Löwen viel zu hektisch, vergaben Chance um Chance, sie brachten wieder eine Führung nicht locker über die Ziellinie. Sogar Erfolgsgarant Jannik Kohlbacher ließ sich von der Nervosität anstecken, vergab zweimal frei vom Kreis. Die Löwen legen die allgemeine Verunsicherung einfach nicht ab. Bei 18:15 war die Chance, wegzuziehen, sie blieb ungenutzt.
Aber die Löwen fighteten, gaben in kämpferischer Hinsicht alles. Und machten sich auf der Zielgeraden davon, weil Torhüter Andreas Palicka – nach der Pause für Mikael Appelgren gekommen – glänzend hielt. „Ich hole das Positive aus dem Spiel heraus. In der ersten Halbzeit war der Wurm drin, in der zweiten Halbzeit haben wir gekämpft“, sagte Palicka. „Es war ein komisches Spiel. Ich hatte nie das Gefühl, dass wir gefährdet sind. Wir haben aber nie unseren Rhythmus gefunden“, fand Mads Mensah Larsen.
Viele Lücken in der Abwehr
Dass es eng blieb, lag vor allem daran, dass die Abwehr erneut viele Lücken aufwies. Trainer Kristján Andrésson brachte diesmal (auf vielfachen Wunsch) Altmeister Gedeón Guardiola im Innenblock neben Jesper Nielsen, Guardiola gelang auch gleich eine Balleroberung. Die Abwehr war aber nie sattelfest, die Nordhorner kamen zuweilen leicht zu ihren Toren – ganz einfach deshalb, weil sie relativ unbedrängt werfen konnten. 15 Tore vor der Pause sind einfach zu viel. Das Rückzugsverhalten war schwach. Alexander Petersson fehlte wegen muskulärer Beschwerden, Niclas Kirkelökke brauchte ein wenig Zeit, um in die Partie zu finden, dann war sein Auftritt alles in allem in Ordnung. Klasse sein durchdachtes Anspiel zu Jannik Kohlbacher in der 32. Minute. Weil eben etwas mehr als 48 Stunden zwei Spiele anstehen, wurde Uwe Gensheimer lange geschont, er kam erst in der zweiten Halbzeit. Romain Lagarde zeigte eine deutliche Leistungssteigerung.
Fans voller Vorfreude auf Flensburg-Hit
Einen Tag vor der Nominierung des endgültigen EM-Kaders durch Bundestrainer Christian Prokop war vor allem Rechtsaußen Patrick Groetzki ganz besonders motiviert. Würfe, Körpersprache, Einsatz, alles stimmte bei dem 30-Jährigen. Bedauerlich für ihn, dass sein letzter Wurf quasi mit der Halbzeitsirene zum 17:15 nicht zählte. Groetzki gelang das so wichtige 27:26, es war der Startschuss zu einem leidenschaftlichen Endspurt. Und sie hatten mit Palicka schließlich einen starken Rückhalt.
Am Ende sangen die Fans: „Eulen, Eulen“. Sie fieberten die letzten Sekunden mit vor dem erhofften Coup gegen Flensburg …
So spielten sie
Rhein-Neckar Löwen: Appelgren, Palicka - Kirkelökke (4), Schmid (7/1), Mensah (3) - Groetzki (4), Tollbring (1) - Kohlbacher (4) - Guardiola (1), Nielsen (4), Lagarde (3), Gensheimer (1/1)
HSG Nordhorn-Lingen: Ravensbergen, Buhrmester - Possehl (4), Miedema (7), Pöhle (1) - Weber (7/4), Mickal (3) - Kalafut (2) - de Boer (2), Leenders, Verjans, Heiny (2)
Spielfilm: 2:3 (8.), 4:5 (12.), 7:5 (15.), 10:8 (20.), 15:12 (26.), 20:18 (37.), 22:22 (44.), 26:25 (50.), 31:27 (57.) - Siebenmeter: 6/4 - 3/2 - Zeitstrafen: 5/4 - Beste Spieler: Groetzki, Palicka, Schmid - Miedema, Possehl, Buhrmester - Zuschauer: 6516 - Schiedsrichter: Hannes/Hannes (Aachen/Frankfurt).