Sport Handball-EM-Tagebuch: Treffen im Augustinerkeller

Udo Schöpfer
Udo Schöpfer

Hans Leydecker und ich haben uns vor dem Augustinerkeller getroffen und sind dann ein paar Schritte zum Café Mozart gelaufen. Dort haben wir uns über die Rhein-Neckar Löwen, klar, die EM und vor allem seine bewegte Zeit in verschiedenen Funktionen im Pfälzer Handball unterhalten. Henning Fritz saß am Nebentisch mit einem Freund. Der Augustinerkeller ist der Ort, den der Deutsche Handball-Bund zum Deutschen Haus erkoren hat. Die Gaststätte bietet den Fans eine Anlaufstelle. Das Lokal liegt sehr zentral, direkt hinter der Oper. Ich war dort einmal abends mit meinem Kollegen Rolf Bernardi und seiner Frau, habe die Fans aus Wetzlar, Lemgo und Mannheim brav nebeneinander sitzen und essen gesehen. Zuweilen muss man lange warten auf sein Getränk und das Essen, das hat auch Hans Leydecker festgestellt.

Hans Leydeckers Familie liebt Handball

Hans Leydecker ist in Wien mit seiner Tochter Nina, die wiederum Anschluss an eine Handball-begeisterte Gruppe aus Braunschweig, Neu-Ulm und Berlin gefunden hat. Das Team ist schon einige Jahre so zusammen on Tour. Die ganze Familie Leydecker lebt und liebt Handball. Tochter Anke ist mit dem Bundesliga-Schiedsrichter Thomas Kern verheiratet, er pfeift zusammen mit Thorsten Kuschel. Nina und Anke sind an den Zeitnehmer-Tischen der Region im Dauereinsatz.

Wien, Ehrensache. Hans Leydecker, so verriet er, hat österreichische Wurzeln, seine Mutter stammt aus Neusiedl, gestern war deswegen auch ein kleiner Abstecher zur Verwandtschaft fällig. 40 Kilometer einfach.

Wir sehen uns im Grunde bei jedem Heimspiel der Rhein-Neckar Löwen in der SAP-Arena, der Dauerkartenbesitzer sitzt schräg hinter den Pressestühlen am Spielereingang. Die Entwicklung des Klubs verfolgt er seit 2003, zunächst als Mitarbeiter für das Schifferstadter Tagblatt. Momentan sind wir beide nicht so zufrieden mit den Leistungen in der Bundesliga, wir reden über die Personalplanung, den Trainer Kristján Andrésson und die Personalie Kim Ekdahl du Rietz. Hans Leydecker, der in diesem Jahr 70 Jahre alt wird, fährt nicht allein zu den Spielen, er nimmt immer mal wieder alte Handballfreunde und frühere Aniliner mit. Franz Hutter oder Richard Weppler zum Beispiel. Er hatte von 1968 bis 1998 beim TV Schifferstadt verschiedene Funktionen, er war einst ein Top-Torhüter und auch im Verband von 1999 bis 2001 engagiert. Er prägte die großen Zeiten des TV Schifferstadt mit, die Mannschaft war in der Saison 1993/1994 und in der Saison 1997/1998 nah dran an der Regionalliga. Vor allem die Jahre als „Manager“ waren für ihn im Rückblick eine intensive Zeit.

Im Handball so viel gelernt wie sonst nirgendwo

„Mein Leben wäre ohne den Handball ganz anders verlaufen. Der Handball hat mir viel für das Leben gegeben. Ich habe da so viel gelernt wie in keinem anderen Bereich“, sagte Leydecker. Er erinnert sich an alte heiße Duelle gegen die SG Waldfischbach und auch an das Jahr 2000, als er die Finalspiele im Länderpokal in Schifferstadt organisierte und viel Lob vom DHB und den Sportlern erhielt.

Bis Donnerstag bleibt Hans Leydecker in Wien, dann geht es nach Hause. Das Abschneiden der deutschen Auswahl relativiert er. „Das Team wurde aus der Not geboren, die Spanier mit Canellas und Entrerrios spielen schon seit 15 Jahren zusammen.“

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