Eulen Ludwigshafen
Handball: Die Zukunft der Eulen Ludwigshafen ist offen
„Ich werde alles dafür geben, was in meiner Macht steht. Doch alleine werde ich das nicht schaffen.“ Lisa Heßler will die Situation nicht schönreden. Stand jetzt, sagt die Managerin des Handball-Bundesligisten, ist die Liquidität bis 30. Juni gesichert. Was danach kommt? Eine seriöse Antwort kann die 31-Jährige nicht geben. „Wir alle sind in einer Situation, die wir nicht greifen können.“
Die Saison ist wegen der Corona-Krise unterbrochen – vorerst bis 16. Mai. Bei einer einer Videoschalte am Donnerstag mit allen Vereinen der beiden obersten Handball-Spielklassen wurde sich darauf verständigt, dass Anfang kommender Woche entschieden werden soll, wie und ob es weitergehen kann.
Eine positive Nachricht: Alle Vereine in der Ersten und Zweiten Handball-Bundesliga haben die Lizenz für die Spielzeit 2020/21 erhalten – teilweise mit Auflage der Begrenzung des Personalaufwands. „Das zeigt, dass wir vernünftig gewirtschaftet hätten, wenn die Saison normal zu Ende gespielt worden wäre“, sagt die Geschäftsführerin.
Bei Abbruch wohl kein Absteiger
Doch nun ist die Situation eine andere. „Wir wissen nicht, wann die neue Saison anfängt und auch nicht, ob das dann mit oder ohne Zuschauer sein wird.“ Viele Fragen, die eine Planung nicht möglich machen. Klar ist: Nach der Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch sollen Großveranstaltungen bis mindestens 31. August verboten werden. Zwölf Spieler stehen bislang für die nächste Spielzeit unter Vertrag. Die Bundesliga, der Deutsche Handballbund und die Frauen-Bundesliga haben sich darauf verständigt, dass es im Falle eines Saisonabbruchs keine Absteiger geben soll.
Auch wenn Lisa Heßler dies mit den Eulen, die bei noch sieben ausstehenden Saisonspielen mit 15:39 Punkten Rang 17 belegen – und somit eigentlich einen Abstiegsplatz –, lieber auf sportlichem Weg erreichen würde. „Ein viertes Jahr in Folge in der Ersten Liga wäre für die Eulen sensationell. Das wollen wir dann aber auch mit einem erstligatauglichen Kader bestreiten und nicht mit zwölf Spielern“, so Heßler.
Zusammenhalt in Eulen-Familie
Die Geschäftsführerin würde gerne mit Spielern, deren Verträge Ende Juni auslaufen, Gespräche über eine Fortsetzung führen. „Mir sind aber die Hände gebunden.“ Was nicht heißt, dass man bei den Eulen in einer solch schwierigen Zeit nicht kommuniziert. Heßler nennt als Beispiel eine Videokonferenz mit allen Spielern und Mitarbeitern der Geschäftsstelle. Als es darum ging, auf einen erheblichen Teil der Gehälter zu verzichten, habe sie zudem noch einmal mit jedem einzelnen Mitarbeiter Gespräche geführt. Ein zehnstündiger Telefonmarathon. Alle stimmten schließlich auch zu.
Dankbar ist die Geschäftsführerin für den Zusammenhalt innerhalb der GmbH. Die Eulen-Familie beweise hier derzeit beeindruckende Stärke. Und sie zeige auch in solch einer Phase Fannähe. Ob ein virtuelles Grillen mit Freddy Stüber, ob Livetalks von Kai Dippe auf Instagram oder Spielchen in sozialen Netzwerken, welcher Handballer sich unter dem Eulen-Kostüm verbirgt.
Der Fan auf dem Trikot
Fannähe soll auch eine andere Aktion darstellen: Bei „Dein Stammplatz. Auf Deinem Trikot“ können Anhänger den Bundesligisten in diesen Zeiten der Krise unterstützen. Für 23,50 Euro – 2350 Fans haben wie in der Eberthalle Platz – können Fans ihren Namen auf dem Spieler- und Fan-Trikot für die Saison 2020/21 verewigen. Rund 750 Plätze sind bislang verkauft.
Die Spieler selbst möchten so schnell es geht wieder zurück in die Halle. Eine Ausnahmeregelung für die Eulen – Training wie bei Fußballern in Kleingruppen – ist für Lisa Heßler derzeit aber keine Option. „Wir haben auch eine gesellschaftliche Verantwortung.“ Unabhängig davon ist die Eberthalle derzeit ein Corona-Notquartier, die Heinrich-Ries-Halle, in der die Eulen trainieren, ist gesperrt. „Wir könnten auch die Auflagen nicht erfüllen. So gibt es zum Beispiel die Vorgabe, dass ein Ball nicht in die Hand genommen werden darf. Das ist beim Handball schwierig“, sagt die Geschäftsführerin.
Bei Geisterspielen fehlt Geld
Während sich die Spieler daheim fit halten, gibt es die Diskussion um Geisterspiele im Handball. „Grundsätzlich bin ich jemand, der allem offen gegenübersteht“, sagt Heßler. Jedoch sei die Situation im Handball schwieriger als im Fußball. TV-Gelder spielen auch hier eine Rolle, „die Haupteinnahmen sind aber aus dem Sponsoring und dem Verkauf von Tickets“. Für die drei eigentlich noch in dieser Saison ausstehenden Heimspiele fehle ein größerer sechsstelliger Betrag.
Überhaupt hat die Geschäftsführerin ihre Zweifel, was eine Fortsetzung der Saison betrifft: „Die Jungs waren seit sechs Wochen nicht am Ball. Wenn die Saison bis Ende Juni beendet sein soll, müsste man Mitte Mai wieder spielen. Dazu braucht es eine Vorlaufzeit.“
Alles in allem also viele Fragezeichen. Umgekehrt viele Pläne, die Heßler im Homeoffice in ihrem Wohnzimmer ausgebreitet hat. Sie ist dankbar, dass Trainer Ben Matschke auch in dieser Zeit einen großartigen Job leiste. Für die Zukunft der Eulen müssten alle Kräfte gebündelt werden. „Wir werden diese Situation nur überstehen, wenn alle an einem Strang ziehen – Mitarbeiter, Fans, Partner und Politik. Es ist das schwierigste Spiel unserer Karriere.“