Golf
Golfclub Westpfalz: Sonnenschein, Küken und Maschinen
Andrea Pfersdorf hatte in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun. Das Hotel in München wollte gebucht und die Anreise organisiert werden. Pfersdorf ist ihres Zeichens Kapitänin der Damenmannschaft des Ersten Golfclubs Westpfalz (EGW) und sehr zufrieden mit der zurückliegenden Saison.
Diese gipfelt am Wochenende im Aufstiegsspiel gegen den Golfclub Fürth in München – deswegen auch das Hotel. Schon im vergangenen Jahr reisten die Westpfälzerinnen in die bayerische Landeshauptstadt, unterlagen damals allerdings dem klaren Favoriten aus Stuttgart. Gegen Fürth soll es diesmal anders laufen. Zumal der EGW schon in der Liga einen großen Konkurrenten hinter sich ließ: „Wir hatten mit Mannheim-Viernheim eigentlich einen sehr starken Gegner mit sehr gutem Handicap. Aber das Handicap sagt eben nicht alles aus“, erzählt Pfersdorf. Was nicht heißen soll, dass die Westpfälzerinnen ein schlechtes hätten.
Hempel schlug schon in Texas ab
Sophie-Charlott Hempel zum Beispiel hat ein Handicap von -5. „Sie hat sehr viel Erfahrung und ist mein Glied zum Team“, sagt Kapitänin Pfersdorf über die aus Pirmasens stammende Hempel, die schon in Texas für die A&M Universität abschlug und dort zur Spielerin des Jahres gewählt wurde. Bis Freitag weilte sie in Paris. Aber nicht, um Urlaub zu machen vor den Aufstiegsspielen. Vielmehr nahm sie an der Golf-Weltmeisterschaft der Linkshänder teil – und lag vor dem letzten Abschlagtag aussichtsreich vorne.
Hempel ist eine von 13 Spielerinnen im Kader des Golfclubs. Einige von ihnen spielten vergangene Woche bei den Framas Open auf dem Hitscherhof um Punkte für die Weltrangliste. Da ist etwa Maxime Holletschek, die dort auf Rang sechs landete. „Sehr, sehr fokussiert“ gehe sie beim Golfen vor, sagt ihre Spielführerin. Vor jedem Loch überlege sie sich ihren Plan genau. Noch besser schnitt Marie Martin ab. Die erst 15-Jährige lag zwischenzeitlich sogar in Führung und wurde am Ende Zweite. Im vergangenen Jahr holte sie sich auf dem Hitscherhof sogar den Titel und qualifizierte sich für ein internationales Turnier in Irland.
Die Teamchemie stimmt
Die Jüngste im Team ist Martin jedoch nicht. Mit 13 Jahren ist Anna Bonerz das Küken der Mannschaft. „Wir setzen sie relativ dosiert ein. Sie hat sich enorm entwickelt, soll aber jetzt erst einmal Erfahrungen sammeln“, sagt Pfersdorf. Sie müsse noch lernen, sich besser abzulenken, wenn es mal nicht so gut läuft.
Trotz des großen Altersunterschiedes – Kapitänin Pfersdorf ist 51 – stimme die Chemie innerhalb des Teams. Wer gerade nicht spiele, unterstütze beispielsweise als Caddie das Team.
Mit im Kader sind auch zwei Spielerinnen aus dem benachbarten Luxemburg. „Sonnenschein“ Marie Baertz und Lisa Steingrube fielen den Verantwortlichen in der Westpfalz bei einem Ländervergleich zwischen Deutschland und Luxemburg auf. Allerdings dürfen sie noch nicht beide gleichzeitig eingesetzt werden. „Wir dürfen immer nur eine ausländische Spielerin einsetzen“, informiert Pfersdorf. Steingrube machte die ersten drei Saisonspiele, ab dann übernahm Baertz. Sobald eine Spielerin drei Jahre in einem deutschen Golfclub spielt, zählt sie laut Regelwerk nicht mehr als ausländische Spielerin. Das ist bei Steingrube und Baertz ab kommendem Jahr der Fall. Dann dürfen sie auch im selben Spiel für den Golfclub Westpfalz abschlagen.
Verlassspielerin könnte den Unterschied machen
Das Aufstiegsspiel in München kommt dafür allerdings zu früh – nur eine der beiden wird auf dem Platz stehen. Sicher mit dabei ist dagegen Christine Baeck aus Thaleischweiler-Fröschen. „Sie ist meine Verlassspielerin“, sagt Pfersdorf über die gleichaltrige Baeck. „Sie bringt eine große Erfahrung mit, hat schon auf so vielen Plätzen gespielt und spielt wie eine Maschine“. Alles Eigenschaften, die in München den entscheidenden Vorteil für den Aufstieg in die Bundesliga bringen könnten.