Fußball
Frauen-Bundesliga: Misstöne und ein Zerwürfnis begleiten den Aufbruch
Mit der Gründung der Frauen-Bundesliga e.V. haben die Klubs am Mittwoch jedenfalls einen ersten Meilenstein für den Weg in die Eigenständigkeit gesetzt. Die zur Präsidentin gewählte Katharina Kiel sprach von einem „Tag des Aufbruchs“.
Die Pressekonferenz startete mit mehr als einstündiger Verspätung. Der Grund: DFB-Präsident Neuendorf hatte auf der Gründungsversammlung das Grußwort gesprochen, das in weiten Teilen eine Rechtfertigung für das Zerwürfnis wurde, wie Sitzungsteilnehmer berichteten. Ob Vereine und Verband sich noch in einem gemeinsamen Ligaverband zur Saison 2026/27 wiederfinden, ist offiziell weiterhin offen. „Jeder Weg bringt Vor- und Nachteile mit sich. Die DFL ist auch alleine losgegangen. Die Idee mit dem DFB ist nicht zerschlagen. Unsere Aufgabe bleibt es, ergebnisoffen die nächsten Schritte zu gehen“, sagte Kiel. Die 33-Jährige wollte zu der heiklen Frage einer dringend gebotenen Zusammenarbeit keine klare Position beziehen – grundsätzlich soll der Druck auf den DFB hochgehalten werden, zumal Neuendorf dem Vernehmen nach wenig Einsicht zeigte.
Klar ist: Der im Beisein von Uefa-Direktorin Nadine Keßler vollzogene Gründungsakt der Klubs ist erst einmal die formale Voraussetzung, um eine gleichnamige Gesellschaft zu gründen. Das ursprünglich auf dem DFB-Campus für den Mittwoch geplante Joint Venture war mit lautem Getöse geplatzt, weil sich beide Parteien darüber zerstritten, wer in dem Konstrukt das Sagen hat. Erstaunlicherweise entglitt Neuendorf das Projekt auf der Zielgeraden zwischen Vergabe der Frauen-EM 2029 und der Auslosung der Männer-WM 2026 obwohl sein Verband nach wie vor 100 Millionen Euro für die nächsten acht Jahre beisteuern will.
Zur ersten Vizepräsidentin wurde Veronica Saß gewählt, Direktorin Recht vom FC Bayern. Die Tochter des ehemaligen CSU-Politikers Edmund Stoiber beteuerte, sie sei froh darüber, „den Frauenfußball weiter entwickeln zu können“. Zweiter Vizepräsident ist Florian Zeutschler als Geschäftsführer von der SGS Essen, der in dem dreiköpfigen Führungsgremium als Vertreter der kleinen Klubs klarstellte: „Es ist nicht das Ziel, eine DFL 2.0 zu werden.“ Vielmehr mache der Ausbildungsverein aus Essen-Schönebeck ja vor, wie sich Einnahmen und Ausgaben über Jahre die Waage halten.
Warum der DFB mit im Boot sein muss
Der DFB wiederum müsste allein wegen Schiedsrichterwesens, Sportgerichtsbarkeit und Talentförderung zwingend dazugehören. Sowohl Frankfurts Vorstandsvorsitzender Axel Hellmann als auch Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen hatten daher das „intakte Verhältnis“ zum DFB-Chef betont, um wieder eine Brücke zu bauen. „Bernd Neuendorf war in vielen Detailfragen gar nicht unmittelbar beteiligt, sondern das waren seine Kollegen aus dem DFB. Er ist auch überrascht worden von der Wucht“, erklärte Hellmann vorab. Um „durch die Tür zu kommen“, brauche es allerdings „mehr als einen guten Gesprächsdraht“.
Soll heißen: Die Klubs diktieren in Zukunft die Bedingungen. Was den Frontmännern aus München und Frankfurt ganz übel aufstieß: dass sich der DFB eine Ausstiegsklausel im Kooperationsvertrag nach vier Jahren zusichern wollte. Auch dieser Passus wird sicherlich gestrichen werden müssen.