Leichtathletik
Franzose Emig siegt bei Holzdeppes Abschied
Beim Aufbau am Mittwochabend wurden die vielen Verantwortlichen des LAZ Zweibrücken mal kurz von einem kräftigen Schauer abgeduscht, wie LAZ-Chef Alexander Vieweg berichtete. Am Donnerstag, bei den Wettkämpfen des Stabhochsprung-Meetings „Sky’s the Limit“, hatte der Wettergott dann ein Einsehen. 26, 27 Grad, strahlend blauer Himmel und kaum eine Wolke am Himmel über der Innenstadt von Zweibrücken. Aber schließlich wurde auf dem Herzogplatz direkt vor dem Rathaus ja auch nicht irgendjemand in den sportlichen Ruhestand verabschiedet, sondern einer der erfolgreichsten deutschen Stabhochspringer der letzten Jahre: Raphael Holzdeppe stellt nach seinem letzten Heimwettkampf vor gut 1200 Fans die Stäbe endgültig in die Ecke.
Fleißig durchtrainiert
Und auch wenn Ex-Weltmeister Holzdeppe, der am 28. September 35 Jahre alt wird, bereits vor dem vergangenen Winter entschieden hatte, dass dies seine letzte Saison als Profi-Stabhochspringer ist und in Zweibrücken Schluss sein soll, hat der Wahl-Saarbrücker bis zu seinem letzten Springen in der Westpfalz fleißig durchtrainiert. „Nicht mehr elf-, aber schon noch vier-, fünfmal pro Woche“, verdeutlicht er. Aus vollem Anlauf sprang der verheiratete Sportsoldat aber nicht mehr. Das Ziel laut Holzdeppe: „einfach noch mal ein paar schöne Sprünge zeigen.“
Große Erleichterung
Am Ende wurden es noch mal genau sechs Sprünge. Die eigene Erleichterung – und die der Zuschauer an dem lauen Sommerabend – war riesengroß, als er seine Einstiegshöhe von 5,00 Metern im dritten Versuch schaffte. Holzdeppe lächelte verschmitzt und klatschte sich mit seinem Heimcoach (und Herren-Bundestrainer) Andrei Tivontchik ab. Bei der Höhe 5,20 Meter war dann aber doch Schluss für ihn. Ein Salto rückwärts auf der Matte, ein Umfaller nach hinten auf den Rücken – und dann kam eine Umarmung nach der anderen. Renaud Lavillenie, der französische Olympiasieger von 2012, Tivontchik, alle Teilnehmer des Wettkampfes, zahlreiche Weggefährten – alle standen Schlange. Holzdeppe dankte allen, die gekommen waren und gönnte sich danach mit seinem Papa ein echt verdientes Feierabendbierchen.
Den Wettbewerb gewann der Franzose Robin Emig mit der Bestmarke von übersprungenen 5,80 Metern vor Lavillenie (5,70 m) und dem Dritten, dem Finnen Juho Alasaari (5,50). Am Ende standen aber alle Spalier für einen: Raphael Holzdeppe. „Wahnsinn, besser geht’s nicht!“
Tolles Feld
Diese Feststellung traf er schon während der Frauen-Konkurrenz. Da saß Holzdeppe noch völlig entspannt im Publikum, suchte das Gespräch mit einigen der zehn Elite- Springerinnen. Pünktlich um 16.20 Uhr startete das hochkarätig besetzte, zehnköpfige Feld. Vom LAZ ist die FSJlerin Tamineh Steinmeyer dabei, die sich kommende Woche auf den Weg zu den U20-Weltmeisterschaften nach Lima/Peru macht. Mit dem Podium hatte die junge LAZlerin am Ende aber ebenso wenig zu tun wie die weitere Deutsche Friedelinde Petershofen. Ayris Imogen aus Neuseeland, Marie-Julie Bonnin aus Frankreich und die Britin Holly Bradshaw waren diejenigen, die die ersten Plätze unter sich ausmachten. Bradshaw, die ihre große Karriere in diesem Jahr beenden wird, meisterte die 4,50 Meter im zweiten Versuch. Die Bronzemedaillengewinnerin der Olympischen Spiele von Tokio 2020 sprang um den Sieg mit. Die Neuseeländerin Ayris wurde schließlich Dritte mit 4,40 Meter. Bradshaw oder Bonnin ließen dann die 4,55 Meter aus und 4,60 Meter auflegen. Bonnin legte los und gewann. Die Jugend siegte damit vor der Erfahrung.
Die 22-jährige Bonnin versuchte sich noch an 4,76 Meter. Das wäre Meeting-Rekord und neuer französischer Rekord. Die Zuschauer standen inzwischen alle und feuerten die junge Französin an. Es blieb aber bei übersprungenen 4,60 Meter.