Fussball
FC Bayern lässt bei 2:4 in Bochum alle Tugenden vermissen
Maximal fünf Spiele pro Saison verloren die Bayern, seitdem sie 2013 ihre Meisterserie starteten, das war 2014/15. Es gab damals unter Trainer Pep Guardiola sogar drei Niederlagen hintereinander. Sie juckten allerdings nur die Konkurrenten der Bayern-Bezwinger, denn der Titel war an den Spieltagen 31 bis 33 längst eingetütet. In der laufenden Saison haben die Münchner schon vier von 22 Bundesligaspielen verloren, jeweils gegen Mannschaften aus der zweiten Tabellenhälfte.
Schlagzeilenträchtig gab Joshua Kimmich in Bochum zu bedenken: „Wir haben alle Tugenden vermissen lassen und müssen uns fragen, ob das die Mentalität ist, die der FC Bayern normalerweise verkörpert. Schon häufiger sei es schließlich passiert, dass „wir vier, fünf Gegentore bekommen“. Trainer Julian Nagelsmann gefiel das: „Da wird ein Stück Wahrheit drin stecken, das sollte allen eine Lehre sein.“
Schlampig von Beginn an
Im Ruhrgebiet begann der Meister schon schlampig. Nachdem Robert Lewandowski mit der ersten guten Aktion in der neunten Minute die Führung erzielt hatte, wurde es noch schlimmer. Beinahe teilnahmslos schauten die Bayern zu, wie Christopher Antwi-Adjei (14.), Jürgen Locadia (38., Handelfmeter) sowie Cristian Gambao (40.) und Gerrit Holtmann (44.) mit wunderschönen Schüssen in den Torwinkel für eine historische Begebenheit sorgten. Vier Tore in der ersten Halbzeit hatten die Bayern zuvor 1975 kassiert. Sven Ulreich, der für den operierten Manuel Neuer im Tor stand, traf keine Schuld. „Grütze“ habe seine Mannschaft gespielt, ätzte Julian Nagelsmann, „das war ein beschissenes Spiel“.
Der VfL Bochum verdiente sich den Erfolg nicht nur wegen der Leidenschaft, mit der er den vermeintlich übermächtigen Gegner bekämpfte. Auch der Plan überzeugte, die Münchner in einigen Situationen früh zu stören und permanent vor ein Raum- und Zeitproblem zu stellen. „Wie von einem anderen Stern“, schwärmte Holtmann, habe der VfL vor der Pause gespielt.
Abstiegskampf geht weiter
Trainer Thomas Reis sagte, dass „alles gepasst“ habe, mahnte aber gleichzeitig, im Abstiegskampf weiter aufmerksam zu sein: „Wir haben erst 28 Punkte. Es sollte nicht dazu führen, dass sich die Jungs darauf ausruhen.“ Siege gegen den FC Bayern, gerade berauschende, können psychologisch gefährlich sein.
Aber von dieser Diskussion lenkte der Zustand des Tabellenführers am Samstag ab. Die Frage nach der Mentalität, der Einstellung, der Haltung erreichte nun sogar die Bayern. In Bochum äußerte sich die mangelnde Spannung in vielen Fehlpässen und Ballverlusten. Aber ist es eine Unterforderung in der Liga, war es die von Nagelsmann eingestandene falsche und zur Pause korrigierte Formation und Ausrichtung, oder ist es auch ein Problem der Qualität?
Upamecanos Probleme
Für den letzten Punkt gibt es durchaus Argumente, denn wie schon beim von Kimmich angesprochenen 0:5 im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach zeigte Dayot Upamecano eine ganz schwache Leistung. Das Niveau, das ihn als Innenverteidiger von RB Leipzig für die Bayern interessant machte, erreichte er in München bei weitem nicht. Gleiches gilt bislang für Marcel Sabitzer, der ebenfalls aus Leipzig kam.
Bochum erzielte zwei Traumtore, aber es gab vor den beiden Treffern weitere Fehler, die bedenklich stimmten. Auf die Frage, ob Nagelsmann aufgrund der schlimmen Vorstellung in Bochum Auswirkungen fürchte, sagte er: „Überhaupt nicht.“