Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Eulen Ludwigshafen: Dietrich entscheidet, ob er weiterspielt oder aufhört

Der Chef bei den Eulen Ludwigshafen: Gunnar Dietrich.
Der Chef bei den Eulen Ludwigshafen: Gunnar Dietrich.

Die Zugabe neigt sich dem Ende entgegen. Gibt es nun eine weitere Zugabe dieser Zugabe? Diese Frage beantwortet nur eine Person – Gunnar Dietrich selbst. Der Kapitän spielte vor 15 Jahren mal bei Tusem Essen, dem Gegner des Handball-Zweitligisten Eulen Ludwigshafen am Samstag (19 Uhr, Friedrich-Ebert-Halle).

Am vergangenen Dienstag hatte Gunnar Dietrich zwei Stunden früher seinen Arbeitsplatz bei den Technischen Werken Ludwigshafen verlassen. Dort arbeitet der 35-Jährige als Controller. Nebenher spielt er beim Zweitligisten Eulen Ludwigshafen Handball. Seit 2017 ist Dietrich Kapitän, und er ist der Kopf der Mannschaft, der älteste und erfahrenste Spieler. Es hatte einen Grund, dass Dietrich früher nach Hause ging. In der Kita wurde am Dienstag gestreikt, seine Frau hatte die „Würmchen“. Und so nutzte Dietrich das schöne Wetter aus und ging mit seinen Zwillingen auf den Spielplatz. Danach stand das Training mit den Eulen an.

Die Lebenskoordinaten haben sich verändert

Gunnar Dietrich ist die Familie wichtig. Die Lebenskoordinaten haben sich geändert, seitdem die Zwillinge auf die Welt gekommen sind. „Die Eulen sind eine große Heimat für mich geworden. Ich fühle mich unglaublich wohl hier“, sagt Gunnar Dietrich. Der Satz stimmt absolut, und doch sagt Dietrich auch: „Solange mein Körper mitspielt und ich der Mannschaft helfen kann, spiele ich weiter.“

Sein Körper ist noch soweit in Schuss, dass es für diese Saison reicht. Zwar zwickt es derzeit im Rücken oder mal an den Sprunggelenken, aber das ist alles erträglich.

Eigentlich wollte Dietrich schon vorige Runde aufhören. Er machte dann weiter. Er entschied sich erst spät. Denn er hörte auf die Signale seines Körpers. So wird er auch heuer verfahren – und dann den Daumen entweder heben oder senken. „Die Bundesliga ist vom körperlichen Aufwand extrem“, sagt Dietrich: „Durch mein geringeres Krafttraining stoße ich körperlich an meine Grenzen. Ich werde im Alter auch nicht schneller. Deshalb werde ich viel von meiner körperlichen Gesundheit abhängig machen, von meiner Familie.“ „Gunnar weiß, dass wir ihn behalten wollen“, sagt Eulen-Trainer Ceven Klatt.

Schon seit Jahren hat Dietrich eine Sonderrolle im Team. Vormittags arbeitet er, während die Mannschaft trainiert. Dietrich stemmt individuell seine Gewichte. Im Team stört das niemanden, denn Dietrichs Autorität ist unangetastet.

Neun Monate in Essen gespielt

Am Samstag nun spielen die Eulen gegen Essen – mit Dietrich, aber voraussichtlich ohne neun verletzte oder erkrankte Spieler. Das ist bitter. Aber ein kleiner Trost ist, dass Essen ebenfalls aktuell schwer gebeutelt ist. Tusem Essen kennt Dietrich. Er spielte 2007 neun Monate dort. Doch Essen geriet in Turbulenzen, finanziell und personell. So kam der Junioren-Europameister von 2006 und Junioren-Vizeweltmeister von 2007 dann 2008 zu den Eulen. Am Samstag könnten beide Teams ohne Druck spielen. „Ich will mir Druck machen“, sagt Dietrich, „denn es ist ein geiles Gefühl, in einer vollen Eberthalle aufzulaufen.“ Wie lange das der Fall sein wird, entscheidet nur er.

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