Handball
Eulen Ludwigshafen: Der Krach geht auch in der Sommerpause weiter
Auch nach dem gerade so geschafften Klassenerhalt bleibt es bei den Eulen Ludwigshafen unruhig. Heßler und Kaiser werfen den drei anderen Mitgliedern des Gremiums „eklatante Missachtungen der Gesellschaftsrechte vor“. Nach Darstellung von Heßler und Kaiser sind bereits zwei Gerichtsverfahren anhängig. „Alle Entscheidungen und Informationen gehen an uns zwei Gesellschafter vorbei, und das hat auch nichts mit Minder- und Mehrheiten zu tun, sondern das sind Pflichten“, sagen Heßler und Kaiser, die erst jetzt nach Saisonende an die Öffentlichkeit gingen, weil die sportliche Lage des Klubs „brenzlig“ war,
Die Eulen schafften erst auf den letzten Drücker den Klassenverbleib, seit dem angekündigten Rückzug der früheren Geschäftsführerin Lisa Heßler im November des vergangenen Jahres war ständig Unruhe. Bereits damals berichteten die Gesellschafter Dieter Mayer und Yann Fürst in einem Redaktionsgespräch über das Zerwürfnis im Gesellschaftergremium.
Auf der einen Seite sind Rudolf Heßler und Winfried Kaiser, auf der anderen Seite Dieter Mayer, der Sprecher der Mehrheitsgesellschafter, sowie Yann Fürst und Norbert Rühm.
Zwei identische Verfahren
Missachtung der Gesellschaftsrechte? „Diese Einschätzung teile ich nicht. Richtig ist allerdings, dass zwei identische Verfahren der beiden Gesellschafter Heßler und Kaiser gegen mich vor dem Landgericht Frankenthal anhängig sind. Kernpunkt der Verfahren ist allein die Tatsache, dass ich nach der Vertragsverlängerungsverhandlung mit dem Spieler Ziga Urbic Ende Dezember in Abstimmung mit den Gesellschaftern Rühm und Fürst mit Urbic einen Vorvertrag unterzeichnet habe, der danach im Januar rechtsgültig vom neuen Geschäftsführer Domenico Marinese unterzeichnet wurde“, erklärt Mayer. „Daher geht es in diesen Verfahren weniger um eine sachliche Auseinandersetzung im Interesse der Gesellschaft, sondern zunehmend um persönliche Angriffe gegen meine Person.“
Die von Geschäftsführer Domenico Marinese in zwei Interviews getätigten Ausführungen, es habe eine Annäherung gegeben, ist laut Heßler eine „Falschaussage“. Marinese dazu auf Anfrage: „Meine Aussage zur Annäherung der Gesellschafter war nicht als Darstellung einer bereits bestehenden Einigung gemeint, sondern als Beschreibung des Umstands, dass nach längerer Zeit überhaupt wieder ein direkter Austausch zwischen den Gesellschaftern stattfindet – auch wenn dieser aktuell nur im Rahmen von Gesellschafterversammlungen und im Beisein von den Anwälten der Herren Kaiser und Heßler erfolgt. Ich werte es als Fortschritt, dass wieder miteinander gesprochen wird und nicht nur übereinander.“
Die Sache mit dem Herzblut
Heßler kritisiert Marinese. Er sieht einen Widerspruch darin, dass der Geschäftsführer Herzblut fordert, beim wichtigen Heimspiel gegen TuSEM Essen kürzlich dann selbst jedoch in Oberstdorf in Urlaub weilt und auch beim folgenden Spiel in Dormagen fehlt. Das lässt Marinese so nicht stehen. „Dieser Urlaub war bereits im August, fünf Monate vor meinem Amtsantritt, geplant, wo wir gemeinsam den 70. Geburtstag meines Schwiegervaters gefeiert haben. Darüber wurden alle Gesellschafter von mir per E-Mail vorab informiert, und es gab keinerlei Bedenken“, führte Marinese aus. „Trotz meines Urlaubs war ich jederzeit telefonisch und per Mail erreichbar und stand in engem, täglichem Austausch mit meinem Geschäftsstellenteam und auch mit dem Trainer. Während dieser Zeit fand sogar ein Telefonat mit dem Rechtsanwalt von Herrn Heßler statt.“
Er hält wenig davon, das Engagement ausschließlich an der Anwesenheit bei einzelnen Spielen festzumachen. Es habe zahlreiche Spiele, insbesondere auch in sportlich wie wirtschaftlich herausfordernden Phasen gegeben, bei denen Heßler und Kaiser auch nicht in der Halle gewesen seien.
Entgegen den öffentlichen Treueschwüren für Trainer Johannes Wohlrab habe Marinese mit ausdrücklicher Erlaubnis von Dieter Mayer im Hintergrund anders agiert. „Ganz Handball-Deutschland weiß, dass nach der Niederlage gegen Ferndorf und im weiteren Saisonverlauf Marinese den Trainer austauschen wollte. Mehrere Trainer wurden angefragt, keiner wollte. Michel Abt (Wohlrabs Vorgänger und Lebensgefährte von Lisa Heßler) wurde mehrfach vom Geschäftsführer sowie dem Kapitän (Max Haider, die Red.) angerufen und gebeten, die Mannschaft sofort bis zum Saisonende zu übernehmen und zu helfen“, erklären Heßler und Kaiser. Stimmt das? „Die beiden Telefonate mit Michel Abt habe ich nur gemacht, weil Rudolf Heßler darauf gedrängt hat – und als Befriedungsmaßnahme. Wörtlich: Ich würde Abt nehmen, der kennt die Mannschaft sehr gut. Bitte nehmt Kontakt auf. Daraufhin hatte er mir auch den Kontakt zugesandt.“ Dies sieht Dieter Mayer ähnlich. „Richtig ist vielmehr, dass zwei informelle Telefonate mit Michel Abt geführt wurden. Diese erfolgten jedoch nicht auf Initiative von Domenico Marinese oder im Alleingang, sondern auf ausdrückliches Drängen von Gesellschafter Rudolf Heßler – und definitiv nicht in der Absicht, eine Entscheidung über einen Trainerwechsel zu treffen. Ich habe die Gespräche als Befriedungsmaßnahme verstanden, um eine in dieser Phase emotional aufgeheizte Situation zu beruhigen“, erklärt Mayer. „Diese Gespräche waren rein informell, es ging ausdrücklich nicht um eine Verpflichtung, sondern darum, Optionen auszuloten – im Auftrag und unter aktiver Beteiligung von Herrn Heßler selbst.“ Nachgefragt bei Michel Abt. Wollten die Eulen ihn, Michel Abt, konkret in der Schlussphase der Saison als Nothelfer? „Ja“, antwortete der frühere Coach.
Verlieren die Eulen ihre DNA?
Die Eulen sind nach Meinung von Heßler und Kaiser generell dabei, ihre DNA zu verlieren, weil entwicklungsfähige Spieler nicht mehr zu den Eulen kämen, im Gegenteil, Talente sogar flüchteten. Die Eulen seien gerade dabei, es sich mit dem Partner Rhein-Neckar Löwen und einer regionalen Spieleragentur zu verscherzen.
Dass der Klub sich jetzt dazu entschieden habe, nach einem Sportlichen Leiter zu suchen, das hätte man viel früher haben können. Lisa Heßler habe das Konzept inklusive passender Kandidaten längst vorgelegt. Im Endeffekt sei es Trainer Johannes Wohlrab gewesen, der sich dagegen gewehrt habe. Die zwei Gesellschafter wundern sich, dass Co-Trainer Andrej Kogut öffentlich ausdrücklich für seine Facharbeit im Training für die Abwehr und den Angriff gelobt wird, da dies ja in die Kernkompetenz des Trainers falle. Das sei vielsagend. Die anderen Gesellschafter siedelten ihrer Meinung nach „Konstanz“ auf der Trainerposition höher an als die tatsächliche Arbeit des Trainers.
Schwere Geschütze
Ganz schwere Geschütze fahren sie gegen Dieter Mayer auf. „Mayer betrieb Mobbing gegen Teile der früheren Geschäftsstelle und früheren Geschäftsführung, bis es nicht mehr auszuhalten war. Auch hat er, wie bekannt, trotz Nachfragen die Vertragsverlängerung mit der Geschäftsführerin ignoriert. Das ist der Grund, warum diese zum 31. Dezember gehen konnte und nicht, wie sonst, ein sauberer Übergang zum 30. Juni möglich wurde“, sagen sie.
Mayer wehrt sich. „Den Vorwurf des Mobbings weise ich entschieden zurück. Es handelt sich hierbei um einen schwerwiegenden Vorwurf, insbesondere in der heutigen Zeit, in der ein respektvoller, fairer und professioneller Umgang im beruflichen Umfeld zu Recht hohe Bedeutung hat. Ein solches Verhalten liegt mir vollkommen fern und entspricht weder meinem Selbstverständnis noch meiner tatsächlichen Führungspraxis.“
Und zum Dauerthema, der nicht erfolgten Vertragsverlängerung von Lisa Heßler, erklärt er: „Es gab zu keinem Zeitpunkt eine formell gültige Vertragsverlängerung. Vielmehr hatte ich mit der ehemaligen Geschäftsführerin nach Auslauf ihres Anstellungsvertrags im Frühsommer 2024 eine mündliche Einigung über eine Verlängerung ihres Vertrags bis Saisonende erzielt und ihr Anfang August 2024 den darauf basierenden Vertragsentwurf vorgelegt.“ Mayer weiter: „Und hier dreht sich der obige Vorwurf ins Gegenteil: Sie ignorierte diesen Entwurf und teilte mir vier Wochen später Anfang September beiläufig mit, diese Änderungen wären für sie inakzeptabel und sie würde diesen Vertrag nicht unterschreiben. Mir wurden danach auch keine weiteren Änderungswünsche zur Umsetzung vorgelegt.“
Ein radikaler Neustart als Ziel
Wie geht es im Gremium weiter? Heßler und Kaiser haben einen Vorschlag. „Am sinnvollsten wäre es, und wir sind im Interesse des Klubs dazu bereit: nämlich alle Gesellschafter auszutauschen und hier einen Neuaufbau mit Sport-und Wirtschaftserfahrenen zu starten. Ein Rausekeln von uns beiden mit einem lächerlichen Angebot, das die anderen selbst nicht annehmen würden, wird aber sicher nicht zum Erfolg führen.“
Mayer ist dagegen. „Die Forderung nach einem vollständigen Austausch aller Gesellschafter lehne ich in dieser Form ab. Ein radikaler Neustart birgt das Risiko, gewachsene Strukturen und wichtige Erfahrungswerte zu zerstören. Und warum sollten ausgerechnet die drei Gesellschafter, die nach dem Weggang der Geschäftsführerin für einen geordneten Übergang und die Neubesetzung von Geschäftsführung und Geschäftsstelle zum 1. Januar gesorgt hatten, nun ihre Anteile verkaufen? Das widerspricht jeglicher Logik. Allerdings halte ich einen gezielten, gut überlegten Austausch einzelner Gesellschafter für durchaus sinnvoll.“