Handball
Erst Systemabsturz der Eulen, dann Aufholjagd
„Jeder weiß, was er zu tun hat. Wir kennen unsere Stärken“, sagte Christian Klimek, der Schweiß tropfte ihm dabei von der Nasenspitze: „Und dann machen wir alle genau das Gegenteil von dem, was wir machen wollten.“ Der Kreisläufer hatte keine Erklärung für den Leistungseinbruch in der ersten Hälfte, der für die Niederlage im Emsland verantwortlich war.
Es bedurfte keiner aufwändigen Analyse: In den ersten 30 Minuten in der Emsland-Arena in Lingen zeigten die Eulen die schwächste Leistung in dieser Spielzeit, vermutlich gaben sie in fast dreieinhalb Jahren in der Bundesliga kein so schlechtes Bild ab. Als die Ludwigshafener zur Halbzeitbesprechung in Richtung der eigenen Kabine liefen, war das Kellerduell eigentlich entschieden. Die HSG führte 15:7, was nicht daran lag, dass die Niedersachsen über ihren eigenen Verhältnissen spielten, sondern daran, dass die Eulen weit unter ihren Möglichkeiten geblieben waren.
Klimek: „Wir gehen nicht in die Zweikämpfe“
Es gab viele Gründe für den desolaten Zwischenstand, das Fehlen von Gunnar Dietrich war kein entscheidender. „Darauf würde ich das nicht schieben“, sagte Rückraumspieler Hendrik Wagner. Kapitän Dietrich war kurzfristig ausgefallen und gar nicht erst mit ins Emsland gefahren. Über die Ursache schwiegen sich die Verantwortlichen aus. „Wir äußern uns dazu nicht öffentlich“, sagte Geschäftsführerin Lisa Heßler wenige Minuten vor dem Anwurf.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sicher nicht damit gerechnet, dass die eigene Mannschaft derart chancenlos sein würde. In den ersten Minuten war das auch noch nicht abzusehen, denn zunächst fanden die Eulen gut rein, doch nach dem 3:4 (12.) brach das Team nach und nach völlig in sich zusammen. In der Deckung klafften riesige Lücken, die auch Dietrich nicht alleine hätte schließen können. Die eigentliche Eulen-Stärke löste sich ins Nichts auf, so dass die Probleme im eigenen Angriff deutlich wurden. „Wir schieben nur, gehen nicht in die Zweikämpfe“, grantelte Klimek.
Die Eulen kämpfen
Der umjubelte Mann des Abends bei den Nordhornern war Bart Ravensbergen, der in der ersten Hälfte zwölf Bälle abwehrte. Darunter waren aber einige Würfe – das gehört zur Wahrheit dazu – für die der Schlussmann der HSG keine besondere Anstrengung benötige, um sie zu entschärfen.
Es spricht für Mannschaft und Trainer, dass es ihnen im Verbund gelang, die Halbzeit zu nutzen, um die eigenen Systeme nach dem Komplettabsturz der ersten 30 Minuten neu hochzufahren. Die Eulen waren zunächst unterirdisch schlecht, bewiesen aber trotz der schmerzhaften Niederlage, dass sie Charakter besitzen. Die Matschke-Schützlinge ließen sich nach der Pause nicht abschießen, sondern kämpften auf bewundernswerter Weise darum, die Höhe der Niederlage in Grenzen zu halten.
Sensation scheint möglich
Beim 17:20 (48.) schien sogar eine Sensation möglich, weil die Nordhorner nachließen und die Gäste jetzt die klar bessere Mannschaft waren. Doch letztlich erwies sich die Hypothek aus der ersten Hälfte als zu groß. „Da treffen wir schlechte Entscheidungen“, beschrieb Klimek die Schlussphase. Und Lisa Heßler meinte: „Der Sieg für Nordhorn ist verdient.“
So spielten sie
HSG Nordhorn-Lingen: Ravensbergen, Buhrmester - Vorlicek (5), Miedema (3), Pöhle (2) - Weber (12/5), Mickal (2) - Kalafut (2) - Leenders, Stegefelt, Terwolbeck, de Boer (1), Visser, Prakapenia, Seidel, Possehl
Eulen Ludwigshafen: Tomovski, Škof - Klein (3), Mappes (4), Valiullin (3) - Durak (5/4), Remmlinger - Haider - Wernig (3/3), Scholz, Bührer, Wagner (5), Meddeb, Neuhaus, Damm, Klimek (1)
Spielfilm: 3:2 (8.), 7:3 (15.), 10:5 (21.) 13:6 (23.), 15:7 (Hz.), 18:9 (38.), 20:13 (43.), 20:17 (48.), 22:19 (53.), 27:24 (Ende) - Zeitstrafen: 5/4 - Rote Karte: Pöhle (51., grobes Foulspiel - Siebenmeter: 5/5 - 9/7 - Beste Spieler: Ravensbergen, Weber - Wagner, Mappes, Klimek - Schiedsrichter: Otto/Piper (Syke-Barrien/Kiel).