1. FC Kaiserslautern
Erik Wekesser – zurück beim FCK mit ganz viel Reife
Zurück auf dem Betzenberg zu sein, ist für Erik Wekesser ein ganz besonderes Gefühl. „Einfach überragend“, sagt er zu dem Wechsel, der ihn vom Ligakonkurrenten 1. FC Nürnberg wieder in die Pfalz gebracht hat. Dorthin, wo er von frühester Jugend gespielt hat. Dorthin, wo er nun jene tragende Rolle spielen will, für die er bei seinem Weggang mit damals 21 Lenzen noch nicht bereit war.
Im nordbadischen Schwetzingen geboren, wuchs Wekesser in Mannheim auf – und kam dort fast zwangsläufig zum Nachwuchs des SV Waldhof. Doch mit bereits zehn Jahren wechselte der Knirps in die Jugend des 1. FC Kaiserslautern. „Genau die richtige Entscheidung“, sagt er heute.
Durchbruch blieb aus
Wekesser durchlief alle Altersklassen im Trikot des FCK, schaffte es bis zum Jugendnationalspieler. Sechs Berufungen zur U18 und zur U19 stehen in seinem Lebenslauf. Er wechselte in den Profikader, spielte aber für die U21. Der Durchbruch blieb aus – Wekesser ging weg. „Das Talent hatte ich. Aber ich war wahrscheinlich noch nicht weit genug“, resümiert er. „Und wir hatten damals auch eine erstklassige Mannschaft, die auch auf meiner Position sehr gut besetzt war. Da war es schwer für mich.“
Also schnürte er seine Stiefel fortan für die TuS Koblenz. Doch der Traditionsverein geriet kurz darauf in Turbulenzen. Also musste der heute 27-Jährige weiterziehen. Noch während der Saison schloss er sich dem FC Astoria Walldorf an, in seiner nordbadischen Heimat. Dort wurde Zweitligist Jahn Regensburg auf ihn aufmerksam, verpflichtete den Linksaußen 2019. Dort blieb er drei Jahre, schaffte jeweils den Klassenverbleib. Als es den Jahn dann doch erwischte, war Wekesser schon nicht mehr da. Der 1. FC Nürnberg hatte ihn sich geangelt.
Eine Umschulung
Allerdings: Es wurden schwere Zeiten für den Linksfuß. Denn er zog sich im November 2022 einen Kreuzbandriss zu, fiel viele Monate lang aus, kämpfte sich mühsam wieder heran und hatte in der vergangenen Saison auch wieder seine Einsätze. Allerdings in modifizierter Form. Vom Linksaußen wurde er zum Linksverteidiger umgeschult. Eine Position, mit der er sich angefreundet hat – vor allem dann, wenn sie, der alten Neigung folgend, offensiv interpretiert werden soll. Diese Flexibilität machte ihn auch für den FCK interessant, bei dem die linke Seite nach dem Weggang von Timoteusz Puchazs einigermaßen verwaist war.
Nun also ist der Nordbadener zurück in der Westpfalz, hat sich mit seiner Frau eine Wohnung in der Nähe von Kaiserslautern gesucht. Und er ist erkennbar happy darüber, zumal gut die Hälfte seiner Verwandtschaft in der Pfalz wohnt, glühende FCK-Fans allesamt, und ihn über all die Jahre hinweg auf dem Laufenden in Sachen FCK gehalten hat.
Dass Wekesser, der in der Freizeit unter anderem gerne Schach spielt und das dort notwendige strategische Gespür als hilfreich auch für den Fußball empfindet, nur über Umwege zu einer festen Größe im Team werden soll, bedauert er nicht. „Es gibt immer mal Rückschläge. Ab und zu muss man Umwege machen, um sich weiterzuentwickeln. Ab und zu muss man einen Schritt zurückgehen, um wieder vorwärts zu kommen“, sagt er. Wekesser wirkt sehr reif und mit sich selbst im Reinen für nur 27 Jahre.
Ein Leader sein
Ohnedies möchte Wekesser nicht nur spielen, sondern im Team auch eine ganz andere Rolle noch zusätzlich ausfüllen. „Ich will ein Leader sein“, betont er, will auch jüngeren Kollegen helfen – auf dem Platz und im Profigeschäft allgemein. „Ich habe Höhen und Tiefen als Fußballer erlebt. Ich habe schon so viele Erfahrungen gesammelt – die möchte ich gerne weitergeben.“ Erfahrungen wie die mit einem Verein, der die Spielergehälter nicht gezahlt hat. Erfahrungen mit einer schweren Verletzung und dem langen Weg zurück.
Dass sich ein Leader nicht durch Worte allein herauskristallisiert, weiß er natürlich. Vor allem zählt die Leistung – im Training und im Spiel. Auf welcher Position, ob als Linksaußen, als Linksverteidiger oder als linker Schienenspieler, darüber macht er sich keine Gedanken. „Ich spiele dort, wo der Trainer mich sieht, wo ich der Mannschaft am besten helfen kann“, sagt er.
Die schwere Verletzung von einst steht ihm da nicht im Weg: „So etwas ist nun mal das Risiko eines Profifußballers. Aber auskuriert ist alles. Ich bin fit.“ Das hat er auch im Training festgestellt: „Ich bin froh, dass ich endlich mal wieder eine komplette Saisonvorbereitung absolvieren kann. Und mein Körper reagiert sehr gut darauf.“ Hinzu komme eine Teamchemie, die er sie noch nie erlebt habe: „Das sieht man ja auch an den bisherigen Ergebnissen.“ Und in einem solchen Umfeld mache auch die harte Arbeit einer Vorbereitung Spaß, sagt er und lacht.
