Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Maxdorfer Spediteur beendet sein Russlandgeschäft nach 20 Jahren

Die russische und die deutsche Fahne einträchtig nebeneinander, ein Truck der Trans-East vor der Tortenschachtel: Christian Wahl
Die russische und die deutsche Fahne einträchtig nebeneinander, ein Truck der Trans-East vor der Tortenschachtel: Christian Wahl hat seine Logistikfirma Trans-East aufgegeben.

Christian Wahl hat sein Maxdorfer Logistik-Unternehmen aufgegeben. Sein Russlandgeschäft will er nicht weiter betreiben. Kontakte hat er noch – und sieht Fehler der Politik.

Auch nach dem Ende seines Logistik-Unternehmens Wahl-Trans-East mit Sitz in Maxdorf hat Christian Wahl Verbindungen nach Russland. „Ich habe immer noch Kontakt mit meinem Freund Vladimir in Moskau“, sagt Wahl. Gemeint ist nicht der russische Präsident, sondern einer von Wahls früheren Handelspartnern. Der Kontakt sei auch problemlos möglich, sagt er – trotz Berichten über Einschränkungen bei Internet oder Mobilfunk.

„Großer weißer Fleck auf der Landkarte“

Der Unternehmer Wahl war spezialisiert auf Industriegüter, darunter pharmazeutische Rohstoffe und Medizintechnik. 20 Trucks waren für Wahl-Trans-East unterwegs. Etwa 80 Prozent der Transporte gingen in den Raum Moskau, der Rest auf Fernstrecken bis Sibirien und Südrussland. Wahl hatte vor seiner Unternehmensgründung als Disponent für eine Speyerer Spedition gearbeitet. Dort habe es eine Anfrage aus Russland gegeben – und Wahl erhielt den Auftrag, das Geschäft zu organisieren.

Wahl, Jahrgang 1967, war mit dem Eisernen Vorhang aufgewachsen. „Für meine Generation war der Osten ein großer weißer Fleck auf der Landkarte“, erzählt er. Also begann er, sich in die besonderen Anforderungen eines Transportgeschäfts mit Russland einzuarbeiten. 2006 machte er sich schließlich selbstständig. Mit seinen russischen Partnern habe er nur gute Erfahrungen gemacht. Zuverlässig und konstant seien die Geschäftsbeziehungen gewesen.

95 Prozent des Geschäfts weg

Ein erster Einschnitt war die russische Annexion der Krim und die folgenden westlichen Sanktionen. Das Geschäft halbierte sich. Doch nach und nach kam es wieder in Schwung, denn immer noch war Russland ein Wachstumsmarkt.

Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine kam jedoch ein weiterer Tiefschlag, von dem es dieses Mal keine Erholung mehr gab. Die Sanktionen gegen Russland hält Wahl für richtig, die Umsetzung sei aber schlecht: „Die Sanktionen hätten sofort und vollständig umgesetzt werden müssen. Stattdessen ging es tröpfchenweise, das hat nichts bewirkt“, glaubt er. Zudem hätten die Russen viel Zeit gehabt, sich neue Wege zu erschließen, um an Waren und Güter zu kommen. Auch Wahl wurden Möglichkeiten angeboten, Sanktionen zu umgehen. „Das wollte ich nicht. Ich stehe zu unseren demokratisch gefassten Beschlüssen“, sagt er.

Die Konsequenz: 95 Prozent seines Transportgeschäfts waren weg, die restlichen fünf Prozent waren Handel mit dem Baltikum. Doch dort war der Markt bereits vergeben. „Meist sind es Vier-Jahres-Verträge“, erklärt Wahl. Als Neuling habe man es da schwer.

Entscheidung am Jahrestag

Natürlich habe Wahl versucht, sein Geschäft zu retten. Er habe ja auch gute Kontakte und sogar Freunde in Russland gefunden. Neben dem Tagesgeschäft fuhr Wahl zehn Jahre lang Hilfstransporte von Speyer in die Partnerstadt Kursk und brachte technisches Gerät für die Vereinten Nationen von Deutschland nach Russland. Sein Geschäft verlief in sicheren Bahnen. Ein Versuch, über Frachtbörsen von Auftrag zu Auftrag zu arbeiten, ging jedoch gründlich schief. Ein Truck sei mitsamt der Ware verschwunden, erzählt Wahl. Zum Glück sei die Versicherung eingesprungen und habe den Schaden übernommen. Aber Wahl hat daraus gelernt: „Mit so hohem Risiko möchte ich nicht arbeiten“, sagt er. Nachdem er dann feststellte, dass der Markt in Westeuropa auch größtenteils unter den Platzhirschen aufgeteilt ist, traf er eine Entscheidung.

„Es war der 24. Februar, der Ukraine-Krieg jährte sich zum vierten Mal und ich war 20 Jahre selbstständig und 32 Jahre im Russland-Geschäft“, sagt Wahl. Obwohl er an seiner Wahl-Trans-East sehr hängt, beschloss er, das Unternehmen aufzugeben. Ein 200 Quadratmeter großes Büro und Lagerfläche von 1000 Quadratmetern hat er gekündigt. Mehrere feste Mitarbeiter konnten mit Wahls Unterstützung innerhalb von zwei Monaten neue Arbeitsplätze finden. „Das war mir ein großes Anliegen“, betont deren inzwischen ehemaliger Chef. Man stehe auch immer noch in Kontakt, sei im Guten auseinandergegangen. „Das sind gute und fleißige Leute, viele davon Russen oder Russlanddeutsche.“

Jetzt hat Wahl nur noch ein kleines Ein-Mann-Büro, um die Abwicklung der Firma zu Ende zu bringen. „Ich hätte das gerne noch zehn Jahre gemacht, aber viele frühere Partner gibt es nicht mehr, Geschäfte und Genehmigungen sind völlig unklar. Es hat keinen Sinn mehr“, so Wahls Fazit.

Will sich sozial und kulturell engagieren

Nach dem Rückzug aus dem Geschäft will Wahl sich verstärkt im sozialen und kulturellen Bereich engagieren. Er arbeitet im Verein der Kulturkapelle Limburgerhof mit (Ensemble im Park), organisiert mit Freunden Benefizaktionen mit einem gemeinsam restaurierten Oldtimer, dem Champion 500.

Und wie blickt er auf die Zukunft von Europa und Russland? „Ich hoffe sehr, dass es nicht wieder einen Eisernen Vorhang geben wird.“ Er verweist auf die Unzuverlässigkeit der USA unter Trump, die russischen Geschäftspartner habe er da anders erlebt. Europa habe es schwerer, wenn es sich von Russland abwende – und die Russen würden sich verstärkt China zuwenden. Ob Russland demokratisch wird? „Ich habe immer für Demokratie geworben, aber wenn mir die Leute dann 'Nein, danke' sagen, muss ich das akzeptieren“, sagt Wahl.

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