Kommentar
EM-Nominierung: Löw macht alles richtig
Jetzt haben wir uns mehr als zwei Jahre umsonst geärgert. Über die Radikalität der Ausbootung der drei Weltmeister Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller sowie über Joachim Löws peinlichen Auftritt damals an der Säbener Straße in München, dem Sitz des FC Bayern. Vorbei.
Der Fußball-Bundestrainer holt Hummels und Müller für die Europameisterschaft zurück. Sportlich ist der Zug absolut vertretbar. Dem Dortmunder Abwehrchef kann kein anderer deutscher Verteidiger das Wasser reichen, auch wenn Hummels nicht mehr der Schnellste ist. Müller spielte bei den Bayern eine glänzende Saison, kommt bislang auf elf Tore und 21 Vorlagen (laut „Kicker“).
Löw wahrt das Gesicht
Löw wahrt sein Gesicht, indem er auf den verzögerten Entwicklungsprozess während der Pandemie verweist. Die 1:2-Heimniederlage im April in Duisburg gegen Nordmazedonien verdeutlichte zudem, dass die Mannschaft zwei Stützen braucht. Die unterschwellige Botschaft an die Mannschaft ist aber auch, dass er, Löw, es ihr nicht zugetraut hat, ohne die zwei Altmeister erfolgreich zu sein. Zumindest fühlt der Bundestrainer sich sicherer mit Ihnen. In der Abwehr hat sich seit Hummels Demission kein richtiger Abwehrchef herauskristallisiert, Matthias Ginter war es nicht, Antonio Rüdiger war es nicht, Niklas Süle war es sowieso nicht.
Auf den ersten Blick gab es zwei Überraschungen: Löw berief Christian Günter vom SC Freiburg. Der Linksverteidiger trumpfte jüngst auf. Und er berief auch Kevin Volland von AS Monaco, der frühere Angreifer der TSG 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen war einige Jahre nicht mehr dabei. Sehr bedauerlich ist es, dass der Dortmunder Marco Reus freiwillig auf seine Teilnahme verzichtet. Der Offensivspieler war in den vergangenen Wochen in Top-Form.