Sport Die „semiprofessionelle“ Hausfrau
MERZALBEN. Brasilien, Kuwait und oftmals in China – Tischtennisspielerin Tanja Krämer (36) ist schon weit herumgekommen. Die 29-fache Nationalspielerin aus Merzalben bei Pirmasens überzeugte am vergangenen Wochenende bei den deutschen Meisterschaften in Bamberg mit Platz zwei im Doppel und einer Bronzemedaille im Einzel.
Dabei bezeichnet sich die Merzalberin, die früher unter dem Namen Tanja Hain-Hoffmann in ihrem Sport erfolgreich war, gerne als „semiprofessionelle Hausfrau“. Zwar hat sich die gebürtige Mainzerin Krämer längst vom Vollprofitum verabschiedet, ihre Erfolge und spielerischen Leistungen sind angesichts des minimalen Trainingsaufwands umso erstaunlicher. „Es sind schon noch drei Einheiten pro Woche“, erklärt die Bundesligaspielerin des früheren deutschen Meisters TV Busenbach. Bei den Badenern ist Krämer, die auch Stützpunkttrainerin des Pfälzischen Tischtennisverbandes (PTTV) in Waldfischbach-Burgalben ist, mit 36 Jahren immer noch die Spitzenspielerin. Bereits mit 17 kam sie in die Bundesliga und bestritt seither fast 300 Spiele. Mit ihrem Ehemann Achim Krämer, dem Verbandslehrwart des PTTV, und ihrer vierjährigen Tochter Trixi lebt sie mittlerweile in Merzalben. Der Beruf, eng verknüpft mit ihrer sportlichen Leidenschaft, verschlug sie in die Pfalz: Sie arbeitet bei Joola in Siebeldingen – einem renommierten Hersteller von Tischtennisprodukten. Krämer bewegt sich trotz des relativ geringen Trainingsaufwands als Top 20 der deutschen Rangliste noch immer auf hohem Niveau. Neben ihrem Einzeltitel 2008 war sie dreimal deutsche Meisterin im Doppel (unter anderem mit Amelie Solja aus Wörth) sowie fünfmal Vizemeisterin. Mit dem TTC Berlin eastside triumphierte sie 2011 in der Champions-League und wurde 2002 Vize-Europameisterin mit der Nationalmannschaft. An der Seite von Timo Boll gewann sie Silber im gemischten Doppel bei der Jugend-Europameisterschaft 1997. „Wir sind zusammen groß geworden. Er war der beste Junge und ich das beste Mädchen“, erklärt Krämer, warum gerade sie mit dem Superstar Seite an Seite spielte. „Mal sehen, was als semiprofessionelle Hausfrau noch möglich ist“, sagte Tanja Krämer lachend vor den deutschen Meisterschaften. Der holprige Turnierstart gegen Drittligaakteurin Amelie Rocheteau (TTK Großburgwedel) blieb der einzige Ausrutscher. „Man muss auch mal solche Spiele gewinnen“, meinte Krämer nach dem 4:3-Zittersieg zum Auftakt. Zu kämpfen hatte sie dann erst wieder im Viertelfinale gegen U21-Europameisterin Chantal Mantz vom TTC Berlin eastside: „Zuletzt habe ich in der Bundesliga zweimal gegen sie verloren.“ Nach einer 3:0-Führung, schaukelte sie die Partie im siebten Satz gerade noch nach Hause. Die neue deutsche Meisterin Kristin Silbereisen vom Bundesliga-Zweiten TuS DJK Kolbermoor bremste die 36-jährige dann im Halbfinale mit 4:1 aus. Im Doppel spielte sich Krämer an der Seite ihrer Busenbacher Teamkameradin Jessica Göbel fast problemlos ins Finale vor. „Es ist schade, wenn man dann nicht seine Leistung abrufen kann“, haderte die Merzalberin ein wenig. Ohne echte Chance verloren sie gegen Silbereisen und Penholderspielerin Xiaona Shan (TTC Berlin eastside) mit 0:3. „Letztlich bin ich vollkommen zufrieden“, sagte sie.