Die 60. Bundesliga-Saison RHEINPFALZ Plus Artikel Die Rekordabsteiger: Unglücksraben in kurzen Hosen

Er schien das Unglück anzuziehen: Jürgen Rynio (rechts), hier als Torwart von Hannover 96 in einer Partie in Saarbrücken 1983.
Er schien das Unglück anzuziehen: Jürgen Rynio (rechts), hier als Torwart von Hannover 96 in einer Partie in Saarbrücken 1983.

Es gibt den Rekordmeister Bayern München. Es gibt den Rekordtorschützen Gerd Müller. Es gibt aber auch die Rekordabsteiger. Neunmal musste der 1. FC Nürnberg den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Drei Profis sind fünfmal aus der Eliteliga abgestiegen.

Jürgen Rynio (heute 74), gelernter Starkstromelektriker, arbeitete unter Tage – in der Zeche Ewald in Herten. Ausgebildet beim VfL Reese wurde das Jahr bei Eintracht Gelsenkirchen zum Sprungbrett in die Fußball-Bundesliga für den jungen Torwart. Ein Traum. Der aber auch manches Mal zum Alptraum werden sollte.

Der damalige DFB-Trainer Udo Lattek hatte den gebürtigen Gelsenkirchener in der Junioren-Nationalmannschaft kennengelernt und dem Karlsruher SC empfohlen. Mit 19 stand Rynio im Bundesliga-Tor, setzte sich 1967/68 gegen Routinier Siegfried Kessler durch – am Saisonende aber war der KSC trotz seines als Nationaltorhüter in spe gepriesenen Höhenfliegers abgestiegen. Für Rynio gab’s einen Markt – er heuerte beim deutschen Rekordmeister an.

Er schien das Unglück anzuziehen

Der 1. FC Nürnberg hatte gerade seinen neunten Titel gefeiert, als Rynio beim „Club“ den Traumjob gefunden zu haben schien. Trainer Max Merkel wusste trotz des Abgangs von Franz Brungs die bewährten Meisterspieler Luggi Müller, „Ferdl“ Wenauer, Fritz Popp, Horst Leupold, Heinz Strehl und „Schorsch“ Volkert im Kader, dem als dritter Torhüter auch der junge Walter Pradt angehörte. Rynio löste alsbald die „Club“-Legende Roland Wabra ab – die Talfahrt aber war auch nach dem Rausschmiss Max Merkels nicht zu stoppen. Robert Körner und Kuno Klötzer konnten den erstmaligen Abstieg des „Clubs“ nicht verhindern.

Rynio zog weiter zu Borussia Dortmund. 1972 stiegen die Schwarz-Gelben erstmals aus der Bundesliga ab. Einer der vielen Tiefpunkte für den jungen Torhüter: der 27. November 1971, die Schlappe im Stadion an der Grünwalder Straße. Bayern München gewann 11:1 gegen den desolaten BVB, Gerd Müller war viermal erfolgreich. Den Ehrentreffer schoss die spätere FKP-Legende Dieter Weinkauff. 1974 wechselte Rynio an die Essener Hafenstraße, konnte sich gegen Heinz Blasey aber nicht durchsetzen. Als Rynio mal spielen durfte – am 5. Oktober 1974 – setzte es eine 1:9-Klatsche bei Eintracht Frankfurt. Dreimal traf Bernd Hölzenbein.

1976 fand Jürgen Rynio sein Glück zunächst am Hamburger Millerntor: Mit dem FC St. Pauli schaffte er den Aufstieg in die Bundesliga, ein Jahr später aber war das Glück aufgebraucht: Abstieg. Für Rynio, der das Unglück anzuziehen schien, war’s der vierte.

So ging Rynio zum Zweitligisten Hannover 96 und wurde 1984 nach seinem vermeintlichen Karriereende Torwarttrainer. 96 stieg 1985 wieder auf, Rynio wurde nach der Entlassung des alkoholkranken Werner Biskup Interimstrainer, ehe Jörg Berger übernahm. Als Ralf Raps, die Nummer 1, sich verletzte, gab Rynio sein Comeback. Beide Spiele wurden verloren, beim 0:7 beim VfB Stuttgart überrumpelte ihn Michael Nushöhr gleich dreimal vom Elfmeterpunkt – auch ein Rekord. 96 war abgestiegen.

Auch Keim und Paßlack kennen viele Abstiege

Andreas Keim, heute 60, ein gebürtiger Karlsruher, war zehn Jahre Profi, sieben Jahre davon der Bundesliga. Sein Makel: Er ist fünfmal abgestiegen; 1985 mit dem KSC, 1987 mit Fortuna Düsseldorf, 1988 mit dem FC Homburg, 1989 und 1992 mit den Stuttgarter Kickers.

Keim war ein solider Abwehrspieler, bis auf ein für ihn unbefriedigendes Jahr in Köln stand er nur bei Kellerkindern unter Vertrag.

Zum Nationalspieler mit vier Länderspielen brachte es Offensivverteidiger Stephan Paßlack in seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach. Mit der Borussia ist der heute 52-Jährige 1999 aus der Bundesliga abgestiegen. Das hatte er 1991, 1993 und 1996 mit Bayer Uerdingen schon dreimal erlebt. 2003 wiederholte sich das Trauerspiel im Dress des 1. FC Nürnberg.

Andreas Keim (Zweiter von links) 1988 als Homburger Bewacher für den Bremer Frank Neubarth (Zweiter von rechts).
Andreas Keim (Zweiter von links) 1988 als Homburger Bewacher für den Bremer Frank Neubarth (Zweiter von rechts).
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