Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Die Nationalmannschaft und die besondere EM-Qualifikation

Unter Druck: Bundestrainer Hansi Flick.
Unter Druck: Bundestrainer Hansi Flick.

Hansi Flick und seine Spieler stehen unter Beobachtung. Warum es nicht schlecht sein muss, dass die deutsche Mannschaft keine Freundschaftsspiele mehr hat.

Wenn man der ganzen Sache etwas abgewinnen will – und wenn man den Protagonisten einen großen Plan attestieren will, könnte man sagen, dass es nicht besser hätte kommen können. Möglicherweise haben die Nationalspieler und Bundestrainer Hansi Flick die bisherigen Länderspiele im Kalenderjahr 2023 bewusst verdaddelt, um sich von jetzt an mit ernsthaften Aufgaben auf eine noch viel ernsthaftere Aufgabe im nächsten Sommer vorzubereiten.

Es würde für Beruhigung der fußballinteressierten Öffentlichkeit sorgen, wenn der Status quo der deutschen Nationalmannschaft bewusst herbeigeführt worden wäre, aber sehr wahrscheinlich wurde er das nicht. Denn irgendjemand hätte sich in der Zwischenzeit sicher verplappert und den Plan „durchgesteckt“, der Boulevard hätte darüber berichtet und den Bundestrainer angesichts dessen Cleverness zurück auf den medialen Thron befördert, auf dem er nach seinen Triumphen mit den Bayern und vor seiner Zeit als Bundestrainer saß.

Wettkampfhärte ist nötig

Nein, dahinter steckt kein großer Plan, sondern stecken viele individuelle Fehlleistungen. Hansi Flick sitzt deshalb gerade nicht auf einem Thron, sondern auf der Wartebank zum Fegefeuer.

Letztlich haben sich die Vorzeigefußballer der Republik mitsamt ihrem Chef durch schlechte Leistungen in den ersten Länderspielen des Jahres unabsichtlich in eine schwere Lage gebracht, die gleichfalls positive Aspekte hat. Der Kreis der Spieler, die Flick um sich versammelt hat, muss sich einer Drucksituation stellen, die ihn im nächsten Sommer ohnehin erwartet. Der Sorge, den Deutschen könnte als bereits qualifizierter Ausrichter der Europameisterschaft die Wettkampfhärte abhandenkommen, wurde die Grundlage entzogen.

Es geht um viel, und das ist gut

Anstelle von freundschaftlichen Testspielen steht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Samstag gegen Japan und am Dienstag gegen Frankreich vor Spielen, die mit freundschaftlich sehr wenig zu tun haben werden. Während der jeweilige Gegner durchaus testen kann, stehen die Deutschen vor Qualifikationsspielen der besonderen Art. Der Bundestrainer muss sich durch gute Leistungen seiner Spieler gewissermaßen für die Heim-EM qualifizieren, und jeder einzelne Akteur auf dem Rasen kann sich mit fehlerhaften Vorstellungen für das anstehende Großereignis disqualifizieren.

Es geht also um viel, und das ist gut. Wie viel langweiliger wäre es gewesen, den Deutschen in einem Testspiel zuzusehen, das doch nicht mehr als ein freundschaftlicher Kick gewesen wäre. Zusätzliche Brisanz erzeugt eine Dokumentation zur vermasselten WM in Katar, die dieser Tage einen Blick in das Innenleben in die Nationalmannschaft gewährt und zeigt, dass die oft beschworene gute Stimmung innerhalb des Teams sowie zwischen Team und Trainer zumindest während der Weltmeisterschaft gar nicht so gut war.

Euphorie braucht es erst im nächsten Jahr

Es geht in den kommenden Tagen nicht um Euphorie, die entzündet werden muss, damit sich die Europameisterschaft im kommenden Jahr zum Sommermärchen entwickeln kann. Auch wenn das von den Nationalspielern gerne als Motivation und Aufgabe genannt wird. Es sind ohnehin schon genügend Tickets verkauft und ohnehin werden die fußballinteressierten Menschen neugierig auf das Turnier sein. Euphorie entsteht, wenn die deutsche Mannschaft bei der EM das erste Gruppenspiel gewinnt – und dabei möglichst noch die Sonne scheint.

Gegen Japan und Frankreich geht es um mehr. Es geht um die EM-Qualifikation – die des Bundestrainers und jedes einzelnen Spielers.

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