125 Jahre FCK RHEINPFALZ Plus Artikel Die Liebesgeschichte von Fritz und Italia Walter: Die Beckhams der 50er Jahre

Fritz und Italia Walter.
Fritz und Italia Walter.

Fritz und Italia Walter gelten als das Vorzeigepaar, ihre Hochzeit war ein gesellschaftliches Event. Doch die Beziehung hatte es anfangs schwer.

Kaiserslautern. Fritz Walter hatte viele Maximen, nach denen er lebte, eine davon: Eine Unterschrift muss immer lesbar sein. „Das war immer die Vorgabe, die er gemacht hat“, sagt Hagen Leopold, Experte für Sport-Sammler- und Erinnerungsstücke sowie Kenner und Freund der Walter-Familie. Das markante „F“ und das geschwungene „W“ – bis ins hohe Alter sind sie Markenzeichen der Signatur der Ikone des 1. FC Kaiserslautern geblieben. „Dass er eine andere Unterschrift hatte, das ist mir das erste Mal aufgefallen nach dem Tod von Italia“, sagt Leopold. Walter verfasste Danksagungen für die Beileidsbekundungen, auf den Karten schrieb er zwei persönliche Zeilen. „Und die Unterschrift war richtig gedrungen und klein“, erinnert sich Leopold. „Mein Gedanke war sofort: Jetzt ist der Mann gebrochen, das geht nicht mehr lang.“ So ist es bei vielen Persönlichkeiten: Verändert sich das Schriftbild, sagt das viel über den Gemütszustand. Für Fritz Walter war der Tod seiner Frau mehr als der Verlust einer geliebten Person.

Das Paar machte auch auf dem Parkett eine gute Figut.
Das Paar machte auch auf dem Parkett eine gute Figut.

Fritz und Italia, das war für viele Sinnbild einer innigen Verbindung zweier Menschen, die es nur im Doppelpack gibt. Doch dass es tatsächlich der Tod sein sollte, der beide trennte, ist gar nicht mal so wahrscheinlich gewesen. Schließlich scheute sich Walter in jungen Jahren nicht vor einer unpopulären Entscheidung in Beziehungsfragen: er löste eine Verlobung, um mit Italia zusammenzukommen. Dabei schien bereits alles auf eine Hochzeit mit der anderen Frau hinauszulaufen. Doch die temperamentvolle, schwarzhaarige Dolmetscherin mit italienischem Namen und Wurzeln zwar, aber aus Frankreich kommend, traf ihn wie ein Blitz. Um Fritz Walter war es geschehen.

Seine besten Jahre standen ihm noch bevor

Wäre das Beziehungsaus eines berühmten Fußballspielers heute eher eine Randnotiz in den Klatschspalten, war der Wechsel der Gefährtin in den 40er Jahren eine Nachricht mit Skandalpotenzial: Italia Bortoluzzi statt einer bodenständigen Pfälzerin! Noch dazu eine Ausländerin, die für die französische Besatzungsmacht in Kaiserslautern arbeitete! Das Umfeld Walters rollte mit den Augen, viele waren nicht überzeugt von der neuen Verbindung des deutschen Vorzeigekickers, der für Bescheidenheit, Demut und Loyalität stand. „Alle haben mir abgeraten. Was haben sie mir alles prophezeit. Sie würde mich verhexen und mir als Spieler alle Kraft rauben“, sagte Fritz Walter einmal. Für ihn dürfte diese Zeit nicht leicht gewesen sein, für seine Partnerin glich sie einer Demütigung. Doch an seiner Entscheidung ließ er keinen Zweifel zu – und würde recht behalten. Auf seine Leistung auf dem Platz sollte Italia keinen negativen Einfluss haben. Im Gegenteil: Seine besten Jahre standen ihm noch bevor – inklusive dem Weltmeistertitel 1954 in der Schweiz, dem „Wunder von Bern“.

Allen Vorbehalten zum Trotz wurden Fritz Walter und Italia Bortoluzzi schnell zum Vorzeigepaar: Gemeinsame öffentliche Auftritte, Homestories in den Medien, heutzutage ließe sich von einem Glamour-Paar sprechen. Die Walters waren so etwas wie die Beckhams der 50er Jahre – stets im Rampenlicht. Statt Schmuckwerbung oder Reklame für Körperpflege zu machen standen beide für Haushaltsgeräte vor der Kamera oder in trauter Zweisamkeit im idyllischen Rosenbeet. Nach der Nazizeit und dem Zweiten Weltkrieg, der für Walter mit einer kurzen Zeit in russischer Gefangenschaft endete, galt ein anderes Prinzip in der noch jungen Bundesrepublik: Wiederaufbau und „heile Welt“.

Auch der Bundestrainer war zunächst nicht glücklich

„Schon ihre Hochzeit war ein gesellschaftliches Event“, sagt Walter-Kenner Hagen Leopold. Der Platz vor der Martinskirche in der Kaiserslauterer City ist voll mit Menschen, die dabei sein wollen, als sich Fritz und Italia Walter am 2. September 1948 das Ja-Wort geben, zuvor traten sie vor das Standesamt. „Es war der schönste Tag meines Lebens und unsere Goldene Hochzeit 1998 war für Italia und mich die Vollendung eines glücklichen Lebens“, hat Fritz Walter einmal gesagt.

Homestories gehörten für die Walters dazu.
Homestories gehörten für die Walters dazu.

Auch Bundestrainer Sepp Herberger war zunächst nicht glücklich über die Beziehung seines Kapitäns der Nationalmannschaft zur ursprünglich aus Venedig stammenden Italia. Ihre Familie hatte es dann nach Frankreich verschlagen. Die Befürchtung des Coaches: zu viel Ablenkung vom eigentlich Wichtigen – dem Fußball. Dennoch wurde Herberger letztlich Walters Trauzeuge. Wie vielen Spielerfrauen schrieb der Trainer auch Italia Briefe mit gut gemeinten Ratschlägen. „Die Frau von Fritz Walter soll auf dessen Ernährung achten, auf regelmäßigen Schlaf. Sie soll ihn abhalten von zu viel Alkohol. Und vor allem soll sie ihm den Rücken stärken, so wie das eine gute Frau eben zu tun hat“, sagt Hiram Kümper, Historiker an der Universität Mannheim. Für eine Biografie ist er in den Nachlass und die Niederschriften Herbergers eingetaucht. „Es war das gelebte Patriarchat“, sagt Kümper. Walter selbst bevorzugte ebenfalls das klassische und damals gängige Rollenverständnis: Die Frau zuhause, am Herd. Mit den kulinarischen Versuchungen aus ihrem Heimatland konnte die Ehefrau allerdings kaum bei ihrem Gatten punkten. Statt Pizza und Pasta bevorzugte Walter Hausmannskost. Natürlich gekocht und serviert von Italia. Immer wieder wird sie als diejenige beschrieben, die der Antrieb ihres Mannes war.

Am 14. Dezember 2001 starb Italia Walter daheim in Alsenborn. Selbst die Aussicht auf die WM in Deutschland 2006, für deren Spiele in „seinem“ Stadion in Kaiserslautern Fritz Walter warb, konnte ihn nicht über den Verlust hinwegtrösten. „Jetzt möchte ich so schnell wie möglich bei ihr sein“, soll er Freunden gesagt haben. Fritz Walter folgte seiner Italia rund ein halbes Jahr später am 17. Juni 2002.

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