FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Die Bundesliga sitzt demütig im Wartezimmer

Angela Merkels Besuch in der Kabine der deutschen Nationalmannschaft 2010, hier mit Mesut Özil, nähren die Hoffnungen vieler, da
Angela Merkels Besuch in der Kabine der deutschen Nationalmannschaft 2010, hier mit Mesut Özil, nähren die Hoffnungen vieler, dass sich die Kanzlerin grundsätzlich für Fußball interessiert.

Zwar senden Arbeitsministerium und die Sportminister positive Signale für den deutschen Profifußball, aber bis zu einer Freigabe der großen Politik übt sich die Bundesliga in Bescheidenheit – neuerdings auch in Worten. Am Donnerstag könnte sie einen Schritt weiterkommen. Doch im Sicherheitskonzept gibt es eine vielleicht entscheidende Schwachstelle.

Die Augen von Martina Voss-Tecklenburg leuchteten am 22. Juni 2019 im Alpenstadion von Grenoble, als die Bundestrainerin erste Glückwünsche von Angela Merkel öffentlich machte. Die Bundeskanzlerin hatte nach einem 3:0 gegen Nigeria zum Viertelfinaleinzug bei der Frauen-Weltmeisterschaft gratuliert – und damit ihr Interesse am Frauenfußball bekundet. Mit Silvia Neid, der langjährigen Erfolgstrainerin, hielt die CDU-Politikerin sogar über viele Jahre einen persönlichen Kontakt. Und unvergessen sind, auch vor einem anderen Hintergrund, jene Bilder, wie Merkel einst in der Kabine der deutschen Nationalmannschaft mit Mesut Özil redete.

Merkels grundsätzliches Interesse am Fußball

Ein Interesse am Fußball ist ihr also nicht abzusprechen. Doch während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) oder Nordrhein-Westfalens Landeschef Armin Laschet (CDU) den Volkssport Nummer eins bereits als willkommenes Vehikel benutzten, um sich als Entscheider hinzustellen, vermied die Staatschefin bislang ein Statement zur Frage, die seit Wochen die Fußball-Nation umtreibt: Wann kann in der Bundesliga wieder der Ball rollen? An diesem Donnerstag steigt nun Merkels nächste Gesprächsrunde mit den Ministerpräsidenten der Länder.

Die Hoffnung auf eine Fortsetzung des Spielbetriebs in den beiden Lizenzligen wird dadurch genährt, dass sowohl das Bundesarbeitsministerium als auch die Sportministerkonferenz (SMK) grundsätzlich offenbar grünes Licht für das von der Task Force ausgetüftelte Sicherheits- und Hygienekonzept erteilt haben. „Die Fortsetzung des Spielbetriebes in der Fußball-Bundesliga vor leeren Zuschauerrängen erachtet die SMK nach wie vor ab Mitte oder Ende Mai für vertretbar“, teilte die Bremer Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) mit.

Eher 16. oder 23. Mai anstelle des 9.

Allerdings dämpfte die SMK am Vortag des Video-Gipfels allzu große Hoffnungen, dass am Donnerstag schon Entscheidungen fallen. Bedeutet für die Bundesliga: Statt des ursprünglich avisierten Termins am 9. Mai sind der 16. oder 23. Mai für einen Neustart deutlich realistischer, wovon einige Vereine ohnehin ausgegangen waren. Auch bei diesem Termin würde die Bundesliga in Europa noch ein Alleinstellungsmerkmal bekommen. Gegenwind kommt in Deutschland aber noch von der Gewerkschaft der Polizei, die Menschenansammlungen fürchtet.

Dem Profifußball bleibt bis zum Plazet der Politik gar nichts anders übrig, sich bis zu einer Freigabe in Bescheidenheit zu üben, was vermehrt in demütigen Worten Ausdruck findet. Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), hat in einem Interview für die zu Maßlosigkeit neigende Wachstumsbranche einen Reformprozess empfohlen. Dazu soll im Herbst die nächste Task Force, die dann „Zukunft Profifußball“ heißt, gegründet werden. Der Ligachef befürwortete eine Obergrenze für Gehälter und kritisierte Berater, die Unsummen kassieren, in dem sie einen Musterarbeitsvertrag aus dem Internet hochladen.

Stolperstein Quarantäne

Appelle an das Verantwortungsgefühl wird es auch woanders brauchen: Denn noch stellt in dem Konzeptpapier der Umgang mit einem positiven Corona-Fall die entscheidende Schwachstelle dar. Tim Meyers medizinisches Task-Force-Gremium will nur den betroffenen Akteur isolieren, allerdings nicht die gesamte Mannschaft unter Quarantäne stellen. Das Robert-Koch-Institut stuft „Personen mit kumulativ mindestens 15-minütigem Gesichtskontakt (face-to-face)“ als Risikogruppe1 ein. Meyers Gremium will diese automatische Kategorisierung umgehen.

Da aber spielt offenbar die Sportministerkonferenz nicht mit. „Die SMK weist daraufhin, dass im Falle einer positiven Testung von Spielern und Betreuern Quarantänemaßnahmen für das betroffene Team erforderlich sind“, heißt es in einer Beschlussvorlage. Insofern ist am besten, wenn sich die Beteiligten in einer Art „Dauer-Quarantäne“ nur noch zwischen ihrer Privatwohnung, dem Stadionbereich, Trainingsplatz und irgendwann auch wieder Mannschaftshotel und Spielfeld aufhalten.

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