Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Deutsches Team nach 34:26 gegen Algerien in Tokio dabei

Die Deutschen jubeln.
Die Deutschen jubeln.

Mit dem 34:26 (17:14)-Sieg gegen Algerien löst die deutsche Nationalmannschaft das Olympia-Ticket. Die Erleichterung nach dem Erfolg in der Max-Schmeling-Halle ist riesengroß. Der Spielmacher spricht von einem kleinen Kindheitstraum. In der Berliner Gruppe schafft auch Schweden die Qualifikation.

Die deutschen Spieler klatschten sich nach dem Schlusspfiff fast ein bisschen zu nüchtern ab, bildeten einen Kreis, und dann erst hüpften sie fröhlich auf und nieder. Schließlich formierten sie sich zum Gruppenbild mit einem Transparent, das das erfolgreiche Wochenende dokumentierte. Tokio, die Olympischen Spiele, der Traum ist gestern Wirklichkeit geworden. Wenn es am 23. Juli losgeht, in welcher Form auch immer, sind die deutschen Handballer dabei. „Es ist ein sehr schönes Gefühl. Gerade ist ein kleiner Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Das Spiel heute war nicht einfach“, sagte der gute Regisseur Philipp Weber. „Es freut uns riesig, dass wir die drei Tage erfolgreich gestalten konnten“, betonte der Halbrechte Kai Häfner.

Nach der Gala am Samstag gegen Slowenien, dem sehr überzeugenden 36:27-Sieg, war die deutsche Mannschaft vor allem in der Abwehr nicht so konsequent und aggressiv wie noch einen Tag vorher. Für Hendrik Pekeler verteidigte Patrick Wiencek neben Johannes Golla, phasenweise war das Team einfach zu zögerlich. Und weil das so war, kam auch Andreas Wolff nicht so ins Spiel wie gegen Slowenien, Silvio Heinevetter löste ihn in der 23. Minute ab. Algerien spielte stärker, als es die 25:36-Niederlage gegen Schweden und die 28:36-Niederlage gegen Slowenien vermuten ließen. Aber es ging ja auch um nichts mehr für die Afrikaner, sie waren von jeglichem Druck befreit.

„Das Feuer war nicht so ganz da“, fasste Bundestrainer Alfred Gislason die 60 Minuten zusammen. Er zeigte aber auch Verständnis für seine Spieler, drei Partien in drei Tagen sind ein strammes Programm. Deshalb schonte er auch Marcel Schiller und Timo Kastening, brachte die Rhein-Neckar Löwen Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki. Eindringlich wies er seiner Mannschaft den Weg. Der Routinier hat in seiner Trainerkarriere schon sehr viel erlebt. „Es gab ja noch die Möglichkeit, dass wir uns blamieren“, meinte er.

Gerade Anfang der zweiten Halbzeit war er gar nicht zufrieden. Algerien ließ sich einfach nicht abschütteln. Und Gislason reagierte: In der 36. Minute beorderte der Bundestrainer Abwehr-Ass Hendrik Pekeler aufs Feld, der Kieler führte sich gleich mit einem Tor ein. Von da an stand die Abwehr wieder einen Tick sicherer. Die deutsche Mannschaft baute den Drei-Tore-Vorsprung weiter aus. Auffälligster Akteur war Rückraumspieler Julius Kühn. Auch Silvio Heinevetter im Tor zeigte eine gute Leistung.

„Die Spannung war nicht ganz so da. Deshalb hatten wir Probleme in der Abwehr“, meinte Hendrik Pekeler, der, Stand jetzt, bei den Olympischen Spielen mitmachen wird. Bei der WM fehlte er aus persönlichen Gründen.

Bereits um die Mittagszeit ergriff DHB-Präsident Andreas Michelmann das Wort. Er lobte Bundestrainer Alfred Gislason explizit. „Es ist wichtig und gut, einen Trainer an der Seitenlinie zu wissen, der dieser berühmte Fels in Brandung ist. Er lässt sich bedingt durch seine jahrzehntelange Erfahrung und durch Schlachten gestählt nicht so leicht aus der Ruhe bringen, und das strahlt natürlich auch auf die Spieler aus“, erklärte Michelmann. Und was ist nun mit dem ambitionierten Ziel Goldmedaille in Tokio? „Wir gehören auf jeden Fall zum Kreis derjenigen, die die Möglichkeit dazu haben.“

Auch der Sonntag begann der Handball-Tag mit einer Grußbotschaft von Sportlern des Team Deutschland, die sicher bei den Olympischen Spielen dabei sind. Schwimmerin Sarah Köhler, Tischtennis-Spieler Timo Boll oder Ringer Frank Stäbler munterten in einem kleinen Clip die Handballer auf. Timo Boll: „Habt Freude, dann packt ihr das.“

Oh ja, die hatten sie und sie haben es dann auch durchgezogen!

So spielten sie

Algerien: Benmenni, Ghedbane, Zemouchi - Ayoub (4), Abderahim (1), Naim (9) - Bahna, Boudjenah - Ensaad - Bendjilali (3), Badi (4/3), Saker (1), Chehbour (2), Haddid (2), Berkous

Deutschland: Wolff, Heinevetter - Häfner (2), Weber (2), Kühn (8) - Groetzki (2), Gensheimer (5/2) - Golla (4) - Wiencek (4), Heymann (1), Weinhold (2), Pekeler (1), Schiller (1/1), Wiede (2)

Spielfilm: 3:4 (6.), 6:9 (12.), 8:11 (18.), 11:14 (23.), 13:17 (29.), 15:17 (33.), 18:22 (38.), 19:24 (41.), 23:29 (51.), 24:31 (55.) - Siebenmeter: 4/3 - 4/3 - Zeitstrafen: 1/6 - Rote Karte: Abderahim (22., überharte Aktion gegen Philipp Weber) - Schiedsrichter: Hansen/Madsen (Dänemark)

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