Handball
Deutsches Team bekommt ein bisschen Rückenwind
10.991 Zuschauer in der ausverkauften Olympia-Halle in München zitterten in der Schlussphase mächtig. Mit sechs Toren Vorsprung führte die deutsche Auswahl zu Beginn der zweiten Halbzeit. Dann starteten die Ägypten ihre Aufholjagd. Mit dem siebten Feldspieler kam die deutsche Abwehr überhaupt nicht zurecht. „Insgesamt war es ein sehr gutes Spiel. Vieles war sehr positiv. Wir hätten das Spiel mit zwei Toren Vorsprung mehr beenden müssen“, resümierte Bundestrainer Alfred Gislason, ärgerte sich aber über einige „billige Siebenmeter“. Gislason konnte den angeschlagenen Julian Köster nur in der Abwehr einsetzen.
Rolle rückwärts
Die entscheidende Rolle rückwärts. Torhüter Silvio Heinevetter löste David Späth in der zweiten Halbzeit ab. Als es ganz eng wurde am Ende, beorderte Bundestrainer Alfred Gislason den 21-Jährigen zurück ins Tor – und mit zwei tollen Paraden sicherte der Keeper der Rhein-Neckar Löwen der deutschen Mannschaft diesmal den knappen Sieg. Am Freitag noch endete der erste Vergleich gegen die Afrikaner 31:31, ebenfalls nach einer Führung. „In der Crunchtime eingewechselt zu werden, macht mich stolz. Dieses Vertrauen wollte ich mit Leistung zurückzahlen. Ich bin froh, dass mir das ganz gut gelungen ist“, sagte das sehr, sehr große Torhütertalent aus Kaiserslautern.
Kastening freut sich
„Wir dürfen uns freuen. Wir haben gegen Ägypten 3:1-Punkte geholt. Das sollte nicht zu kurz kommen. Wir haben die Spiele eigentlich über die Strecke dominiert, wir sollten uns aber schleunigst stabilisieren“, fand Rechtsaußen Timo Kastening, mit acht Toren erfolgreichster Werfer der Deutschen. Er sieht seine Mannschaft gereift. Der 28-Jährige spielte in München durch, weil Patrick Groetzki in der Pause beim Aufwärmen umknickte. Juri Knorr, der Denker und Lenker der deutschen Mannschaft, warf sieben Tore. Seinen 26. Geburtstag feierte Kapitän Johannes Golla in einem aufregenden Ambiente. „Ich bin vor allem mit der ersten Halbzeit sehr zufrieden. Der Sieg ist wichtig für uns und macht Mut.“
Nils Lichtlein sah das ähnlich. „Der Sieg so kurz vor der EM war umso wichtiger, weil wir Schwung mitnehmen wollten. Einiges hat schon geklappt, darauf können wir aufbauen“, sagte der Mittelmann, bei der Junioren-WM zum wertvollsten Spieler gekürt. Der Berliner kam spät, brachte frischen Wind. Wie sieht er seine EM-Chancen? „Ich mache mir keinen Stress“, betonte der Junioren-Weltmeister.
In Düsseldorf geht es los
Bei der EM vom 10. bis zum 28. Januar trifft Deutschland in der Gruppe A auf die Schweiz, Nordmazedonien und Olympiasieger Frankreich. Gut zwei Monate vor dem Anpfiff sind bereits 58 Prozent aller Tickets verkauft worden. Dies gab DHB-Vorstandschef Mark Schober gestern bekannt. „Wir werden vor Weihnachten mit einer intensiven Werbekampagne beginnen und sind zuversichtlich, dass wir an allen Standorten volle Hallen haben werden“, sagte Schober. Besonders gefragt sind die Spiele der deutschen Mannschaft, in Mannheim, München und Hamburg muss dagegen „noch die Werbetrommel gerührt werden“.
Der Verband bleibt emsig und ehrgeizig. Der DHB hat sich mit der Schweiz und Frankreich für die Männer-Weltmeisterschaften 2029 und 2031 sowie die Europameisterschaften 2030 und 2032 beworben. Zudem hat der DHB das Interesse als Co-Gastgeber der Frauen-EM 2032 neben Polen und Dänemark bekundet.
Aber zunächst steht ja die Heim-WM auf dem Programm, die mit dem Spiel der deutschen Mannschaft im Düsseldorfer Fußball-Stadion gegen die Schweiz beginnt. Die Spiele gegen Ägypten wecken die Vorfreude.