Kommentar
Deutsche Fußballfrauen: Toll gemacht, ihr Vorbilder!
Die Liste derer, die jetzt zu den Fans der deutschen Frauen-Nationalteams gehören, ist lang. Und prominent. Komplimente regneten auf die Spielerinnen herab wie das bei der Siegerehrung versehentlich auf dem heiligen Rasen in die falsche Richtung verschossene Konfetti. Toll gemacht, Mädels!
In Deutschland braucht es aber nicht nur einmaligen, sondern dauerhaften Respekt für den Frauenfußball, wenn es wirklich vorwärtsgehen soll. Und dabei sind Sponsoren, Medien und Fans gefragt. Immerhin weiß jetzt die Fußball-Nation, dass Team und Trainerin vieles mitbringen, was sie in den Rang von prima Botschafterinnen erhebt.
Gibt es eine Nachhaltigkeit des Erfolges?
Wenn nicht jetzt, wann dann? An diesen Spruch von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg wird man sich bald erinnern, wenn mal Zwischenbilanz gezogen wird. Hat die Frauen-Bundesliga dann wirklich signifikant mehr als 1000 Zuschauer im Schnitt? Bislang tauchen selbst Topvereine wie der FC Bayern und die TSG Hoffenheim regelmäßig unter dieser Marke hindurch. Dabei beschäftigen oder bilden diese zwei Klubs viele der neuen Heldinnen aus, die authentisch und aufrichtig rüberkommen. Die Mehrzahl studiert, steht mit beiden Beinen voll im Leben.
Die Männer müssen erst mal nachziehen
Leitfiguren wie Lena Oberdorf und Alexandra Popp, Entdeckungen wie Merle Frohms und Klara Bühl, Frohnaturen wie Giulia Gwinn und Laura Freigang haben zudem in diesem Sommer eine Lücke gefüllt. Sie sind nach drei Jahren ohne Turnier gekommen, um dem deutschen Fußball ein bisschen Glaubwürdigkeit zurückzugeben.
Das Zugpferd des DFB, die Männer-Mannschaft, muss nach zwei vermasselten Turnieren erst noch beweisen, dass die von Hansi Flick geschürte Aufbruchsstimmung anhält. Er sollte sich bald mit Voss-Tecklenburg austauschen, wie sie das gemacht hat: neue Vorbilder zu schaffen, die erfolgreich und sympathisch sind. Es könnte Flick vielleicht helfen, um es bei der WM in Katar noch in diesem Jahr nachzumachen.
