Fussball-WM RHEINPFALZ Plus Artikel Streitfall: Ist der WM-Titel Messi eher zu gönnen als Mbappé?

Bei der WM 2018 standen sich Argentinien und Frankreich ebenfalls gegenüber. Im Achtelfinale siegte Mbappé – und schoss zwei Tor
Bei der WM 2018 standen sich Argentinien und Frankreich ebenfalls gegenüber. Im Achtelfinale siegte Mbappé – und schoss zwei Tore.

Das Finale wird von den Superstars überstrahlt – Lionel Messi für Argentinien und Kylian Mbappé für Frankreich. Wem soll man die Daumen drücken? Zwei Redakteure diskutieren.

Pro: Es sei Leo Messi gegönnt

Von Udo Schöpfer

Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland war Lionel Messi noch ein Jungspund. 2010 in Südafrika standen dem Superstar im Viertelfinale die furiosen Deutschen mit dem jungen Thomas Müller im Wege. 2014 verhinderten Mats Hummels und Jérome Boateng in Boatengs vielleicht bestem Spiel den Finaltriumph von Argentinien. Nicht Lionel Messi hieß der große Sieger, sondern Mario Götze. Die WM 2018 war auch für Argentinien zum Vergessen. Im Achtelfinale kam gegen Frankreich das Aus. Das Team verlor 3:4, ein gewisser Kylan Mbappé erzielte die Tore zum 3:2 und 4:2. Wieder nichts.

Der Anführer der Argentinier: Lionel Messi.
Der Anführer der Argentinier: Lionel Messi.

Würde Lionel Messi mit dem Etikett „Der Unvollendete“ leben müssen? Würde er nie auf einer Stufe mit dem großen Diego Maradona stehen. Messi lief die Zeit davon. Klar war: Die WM in Katar würde seine letzte Chance sein. Er hat sie genutzt. Der 35-Jährige führte seine Mannschaft ins WM-Finale. Er hat das Team hinter sich geschart. Sie laufen, sie kämpfen, sie sprinten für ihn. Sie wissen: Das ist die letzte Chance ihres Kompagnons und Idols. Und während man bei Portugals Diva Cristiano Ronaldo immer den Eindruck hatte, sein persönliches Wohl und Wehe war ihm auf der Zielgeraden seiner Karriere besonders wichtig, hat Messi seine Mannschaft auf dem Weg zum Titel mitgenommen. Auf ihn war Verlass. Das erste Tor nach der Auftaktniederlage gegen Saudi-Arabien schoss im Match gegen Mexiko ... Lionel Messi.

Der Ausnahmekönner spielt ein großartiges Turnier. Im Halbfinale zeigte er eine fantastische Leistung. Sein Solo vor dem dritten Tor gegen Kroatien war unglaublich. Er narrte den so gelobten Innenverteidiger Josko Gvardiol, er dribbelte wie ein Weltmeister und passte dann auch noch präzise auf Julián Álvarez. Und noch so ein Geniestreich: Das 1:0 gegen die Niederlande bereitete der Freigeist mit einem traumhaften Pass auf Nahuel Molina vor. Viele fragten sich danach: Wie hat er das gemacht, wie hat er den nur gesehen?

Lionel Messi hat eine traumhafte Karriere hingelegt. Mit dem Gewinn der „Copa America“ demonstrierte das Genie, dass er auch mit der Nationalmannschaft Titel holen kann. Der WM-Pokal am Sonntag würde seine Karriere krönen. Der WM-Titel kann nur an ihn gehen.

Schnell, schneller, Frankreichs Kylian Mbappé.
Schnell, schneller, Frankreichs Kylian Mbappé.

Contra: Leo Messi ja, aber Kylian Mbappé hat es mehr verdient

Von Sven Wenzel

Auch Kylian Mbappé schießt mal vorbei. So wie beim Warmmachen vor Frankreichs Halbfinale gegen Marokko, als der Ball neben das Tor flog – und einen Zuschauer im Gesicht traf. Bei Mbappés Wucht und Technik keine Überraschung, dass der Mann nach dem Volltreffer benommen war. Der 23-jährige Mbappé bemerkte seinen Fehlschuss, sprang über die Bande, nahm den Fan der Equipe Tricolore in den Arm und entschuldigte sich.

Die Szene bekam erst tags drauf Aufmerksamkeit, als Videos davon im Internet die Runde machten. Doch sie zeigt gut, was Mbappé ausmacht: Er ist zurückhaltend, unscheinbar, ein bisschen unnahbar – auf und neben dem Platz. Trotz großer Klasse, trotz eines enormen Gehalts. Das unterscheidet ihn von Cristiano Ronaldo und auch von Leo Messi. Und das macht ihn sympathisch. „Das ist nicht persönlich gemeint, ich habe nichts gegen Journalisten“, sagte er zu Turnierbeginn, als er mehrere offizielle Medientermine nicht wahrnahm: „Ich musste mich auf die Spiele konzentrieren, das ist der Grund, warum ich bis jetzt nicht zu den Pressegesprächen gekommen bin.“ Nach dem Semifinale tröstete er die Marokkaner, als es um den Gesundheitszustand von Pelé besonders schlecht zu stehen schien, twitterte er: „Betet für den König.“ Einfach nett.

Mbappés Markenzeichen ist für manche Beobachter wohl ziemlich unspektakulär. Er legt sich den Ball vor, rennt hinterher, schneller als alle anderen, und schießt. Keine Zeremonie, keine Show. Und er stellt sich, wie alle Franzosen bei diesem Turnier, in den Dienst der Mannschaft. Auch wenn das bedeutet, seit dem Achtelfinale gegen Polen kein Tor mehr geschossen zu haben. Mbappé wäre mit 23 Jahren dann bereits zum zweiten Mal Weltmeister. Das schaffte vor ihm nur Pelé vor 60 Jahren. 1962 gelang es Brasilien als bislang letzter Nation, den Titel zu verteidigen. Auch das kann Frankreich nun wiederholen. Nicht ausgeschlossen, dass der Franzose mal der an WM-Titeln reichste Spieler wird. Auch hier führt Pelé (3).

„Es gibt Messi, Ronaldo und Lewandowski, jemand muss von ihnen übernehmen, und ich glaube, das wird Mbappé sein“, sagte der polnische Nationaltrainer nach dem Achtelfinale. Eine neue Art Superstar, am Sonntag erfolgt die Übergabe.

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